Filmtipp: Die Leiche der Anna Fritz, ein Film, den viele als Geschmacklos empfinden werden

Ein subtiler Horrorfilm, der auf mentaler Ebene schocken will.

Wenn Spanien nicht gerade aufgrund von Autoren- und Kunstfilmen von Almodovar oder Coixet in den Schlagzeilen ist, hat das sonnige Land vor allem für das Horrorgenre hin und wieder einige gute Streifen zu bieten. Fans erfreuen sich bis heute an Filmen wie [Rec] oder Julia’s Eyes. Doch selbst wenn der grosse kommerzielle Erfolg ausbleibt, finden einige Películas de terror españolas den Weg in den Weltvertrieb und können zumindest in den heimischen Videotheken begutachtet werden. Zwar ist Die Leiche der Anna Fritz weit entfernt davon ein Meisterwerk zu sein, jedoch weiss dieses kleine Kammerspiel hervorragend zu unterhalten.

Darum geht es

Zum Bedauern der gesamten Nation ist die berühmte spanische Schauspielerin Anna Fritz plötzlich verstorben. Ihr Körper wird von dem jungen Pau in die Leichenhalle gebracht, der sogleich ein Foto von der Leiche des toten Filmstars macht und dieses seinen Freunden Javi und Ivan zuschickt. Die Beiden lassen nicht lange auf sich warten und wollen sie mit eigenen Augen sehen. Trotz anfänglicher Zurückhaltung geht Pau mit ihnen gemeinsam hinunter in die Leichenhalle, in der die Jungs auf eine sehr merkwürdige Idee kommen, die nicht ohne Folgen bleiben wird.

Szene aus Die Leiche der Anna Fritz
Bild: A Contraluz Films

An dieser Stelle soll nicht zu viel verraten werden, obwohl der Trailer die Prämisse des Films leider schon zeigt, ohne daraus ein grosses Geheimnis zu machen. Eines sei gesagt: Sehr wenige Filme widmen sich dem hier angeschnittenen Thema. Für die meisten Zuschauer wird genau das ein Grund sein, nach gut 15 Minuten auf „Stopp“ zu drücken, da die Idee hinter Die Leiche der Anna Fritz als sehr geschmacklos und geradezu abstossend angesehen werden kann. Zudem ist es ein sehr dünner Plot, der dem Film kein besonderes Tempo verleiht.

Spannung mit psychologischen Horrorelementen

Die Spannungsschraube wird trotzdem konsequent angezogen. Man möchte gar nicht an Hitchcock erinnern, doch wusste der Master of Suspense nur allzu gut, wie sehr sich die Einheit von Zeit und Ort für spannende Inszenierungen eignet. Auch Regisseur Hector Hernandes Vicens lässt seine Figuren in einer klaustrophobischen Atmosphäre ein moralisches Dilemma durchleben und verlässt sich, abgesehen von vielen Suspense-Momenten, eher auf die psychologische Komponente der Handlung. Diese funktioniert die meiste Zeit hervorragend, weshalb in einer knappen Laufzeit von 77 Minuten nie wirklich Langeweile aufkommt.

Szene aus Die Leiche der Anna Fritz
Bild: A Contraluz Films

Die Schauspieler sorgen ebenfalls für ein paar gute Momente. Der Star bleibt Alba Riba, die als titelgebende Anna Fritz eine wirklich verstörende Darstellung gibt. Wer für die arme Frau in dieser Situation kein Mitleid empfindet, der ist wirklich zu bedauern. Die männliche Darstellerriege wirkt hingegen zeitweise etwas verloren. Handlungsbedingt findet sich kein echter Sympathieträger. Speziell die Darstellung des Ivan wirkt in vielen Momenten sehr überzogen.

Der Schluss hätte mehr hergeben können

Letztendlich schafft es der Film mit Einfallsreichtum und Atmosphäre die Handlung über weite Strecken spannend zu halten, bis ein wirklich gelungenes Finale alles recht abrupt enden lässt. Trotzdem findet sich am Ende der vielleicht grösste inhaltliche Mangel, da sich die Story weigert, eine plausible Erklärung für die Ereignisse zu liefern. Wer beispielsweise mit den Werken von Edgar Allen Poe vertraut ist, hätte sich eine durchgehende Komponente von seinen Geschichten als den Grund für die Situation von Anna Fritz vorstellen können. Ein klein wenig Ungereimtheit bleibt leider.

Szene aus Die Leiche der Anna Fritz
Bild: A Contraluz Films

Für Freunde des subtilen (menschlichen) Horrors, bleibt der Film definitiv eine Empfehlung. Mit gelungener Atmosphäre, spannenden Momenten und einer „originellen“ Idee ist Die Leiche der Anna Fritz auf jeden Fall eine Sichtung wert.