So schlecht, man muss es gesehen haben: Stephen Kings Maximum Overdrive

Maximum Overdrive gehört ohne Zweifel zu den schlechtesten Stephen-King-Verfilmungen. Und dabei hat der Horror-Meister sogar selbst Regie geführt.

Schlechte Filme existieren in fast jeder Größenordnung. Sei es der Hollywood Blockbuster, der schlichtweg daran scheitert, dass Story und Schauspieler mies sind oder der billige ambitionierte Film, der aufgrund der Produktionsbedingungen in totalen Trash abgleitet. Obwohl sich für beide Kategorien schnell Namen wie Boll, Pyun oder gar Ed Wood ins Gedächtnis schleichen, soll sich der Beginn von “Best of the Worst” einem ganz besonderen Mann widmen, dessen erster (und bis jetzt einziger) filmischer Erguss wohl, wie er selbst sagt, stark von seiner damaligen Drogen und Alkoholsucht beeinflusst wurde.

Es geht um niemand geringeren als den „Master of Horror“ Stephen King, der sich in den 80ern aufgrund von, aus seiner Sicht, enttäuschenden Verfilmungen, selbst auf den Regie-Stuhl setzte, um eine seiner eigenen Geschichten auf die große Leinwand zu bringen. Das Ergebnis ist Maximum Overdrive (dt. Rhea M. – Es begann ohne Warnung). Ein vergessenes Werk des, welches sich zwischen den erfolgreichen Büchern des Autors versteckt und selten gesehen wurde. Und ja, Maximum Overdrive ist wirklich schlecht, mit einem Hang zum Trash, und gerade deshalb sollte er gesehen werden.

Maximum Overdrive
Bild: De Laurentis Entertainment Group

Schon der Beginn des Films weist auf inhaltliche Mängel hin. Abgesehen von Star Wars lässt man die sogenannte Title Card wirklich wenigen Filmen durchgehen, denn im Prinzip bedeutet diese so viel wie „lest mal bitte, damit ihr das Folgende überhaupt versteht“. Kurz, dem Zuschauer wird zu Beginn erklärt, wie ein Komet namens Rhea M. an der Erde vorbeizieht. Die Folge: elektronische Geräte (vor allem Autos) entwickeln ein eigenes Bewusstsein und greifen Menschen an.

Was folgt ist eine pure Dosis 80er. Schlechte Blitz-Effekte, Splatter, nackte Frauen. In der Hauptrolle findet sich Emilio Estevez, (Charlie Sheens Bruder), der den typischen harten Kerl spielt, der irgendetwas ausgefressen hat und deshalb in einem schäbigen Diner arbeiten muss. Nach einigen blutigen Vorfällen ist selbiges Diner auch der Hauptschauplatz des Films, in dem sich eine Gruppe Menschen vor einer gefährlichen Armee von wild gewordenen LKWs verstecken muss. Eine Art From Dusk Till Dawn, nur mit wesentlich schlechteren Antagonisten. Gerade diese machen den Film stellenweise besonders albern, so hat beispielsweise der „Anführer“ der LKWs das Gesicht vom Spider-Man-Bösewicht Green Goblin auf der Fronthaube montiert. Am Anfang gibt es gleich eine recht makabre Szene, in der Jemand von einem Automaten mit Getränkedosen „erschossen“ wird. Die gesamte Bedrohung kommt den ganzen Film über sehr langsam daher, bis sich überhaupt mal Jemand richtig wundert, dass die Fahrzeuge und Geräte einfach mal so eigenständig unterwegs sind.

Dieser schleppende Ablauf ist dann also Kings persönliche Inszenierung von Horror und Spannung. Ständig wird aus dem Fenster gesehen, um sich nach der Lage zu erkundigen. Die Dialoge bringen die Handlung nur minimal voran und auch einige blutige Szenen können nicht über die gelangweilten, geradezu verlorenen Gesichter der Schauspieler hinweg täuschen. Zwischendurch passiert einfach fast gar nichts. Der Film gestaltet sich teilweise dermaßen langatmig, dass einem die 90 Minuten Laufzeit wie 2 Stunden vor kommen.

Maximum Overdrive
Bild: De Laurentis Entertainment Group

Als absolut verrückter Tiefpunkt dieses Werks gestaltet sich eine Sequenz, in der die eingekesselten Opfer des Films dazu „gezwungen“ werden, die feindlichen Fahrzeuge mit Benzin zu versorgen, während ACDC’s Hells Bells im Hintergrund ertönt. Angeblich wurde die Band von Stephen King persönlich für den Soundtrack verpflichtet, der sich als einzig wirklich gute Komponente des Films erweist.

Maximum Overdrive ist einfach herrlich schlecht, besonders wenn man bedenkt wer ihn gemacht hat. Es ist ein Film der, wenn er heute gemacht werden würde, in den heimischen Videotheken sein Zuhause hätte, ohne auch nur die Chance zu bekommen auf der großen Leinwand ernst genommen zu werden.

Und so sollte der Meister einfach selbst die letzten Worte haben, die einem potentiellen Zuschauer diesen Film schmackhaft machen könnten. Auf die Frage, warum er denn nicht mehr Regie führen würde hatte King selbst viele Jahre später nämlich nur eine Antwort: „Seht euch einfach mal Maximum Overdrive an.“