Seit dem 12. Februar läuft Ewigi Liebi – Der Film in den Kinos. Die Weltpremiere des neuesten Films von Platzspitzbaby-Regisseur Pierre Monnard fand im Zürcher Kino Abaton statt. Cast und Crew stellten ihr neuestes Werk einem begeisterten Publikum vor. Wir haben uns die mit Musical-Einlagen angereicherte RomCom mit Luca Hänni angeschaut und verraten euch gerne, was wir davon halten.
Wir haben bereits im August die Dreharbeiten in Langnau besuchen können, hier gehts zum Artikel Darin enthalten sind Interviews mit Cast & Crew.
Zurück ins Emmental
Daneli (Luca Hänni) und Heidi (Elena Flury) haben sich im Teenageralter kennen und lieben gelernt. Beide sind im malerischen und ländlichen Emmental aufgewachsen. Während der Nacht eines Musikwettbewerbs kommt es zum Bruch ihrer Beziehung. Daneli glaubt, sein Bandkollege und bester Freund Ferdi (Gilles Marti) habe eine Affäre mit Heidi gehabt und lässt sich daraufhin von Bandkollegin Sabe (Cindy Zanotta) zu einem One-Night-Stand verleiten. Als Heidi sie auf frischer Tat ertappt, trennt sie sich von Daneli und heiratet Ferdi nur Tage später.
Rund 30 Jahre später treffen die beiden in Zürich per Zufall wieder aufeinander. Heidi «Hedy» (nun Susanne Kunz) ist noch immer mit Ferdi verheiratet und leitet erfolgreich ein Immobilienunternehmen. Daneli «Dänu» (nun Pasquale Aleardi) hingegen betreibt einen Plattenladen, der von Heidis Firma demnächst abgerissen werden muss. Die beiden beginnen über die gemeinsame Vergangenheit zu sinnieren und wünschen sich, nochmals die Zeit zurückdrehen zu können, um ihre Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren.
Da steht plötzlich die Sanitärangestellte Frau Lieberherr (Fabienne Louves) im Geschäft und macht sich an Dänus Toilette zu schaffen. Anschliessend stellt Dänu fest, dass seine Toilette nun Zeitreisen ermöglicht und ihn wieder ins Emmental der 90er-Jahre befördern kann. Augenblicklich sucht er sein jüngeres Ich auf und versucht, ihn vor der verhängnisvollen Nacht mit Sabe zu warnen. Doch wie erklärt man seinem Teenager-Ich, dass man aus der Zukunft kommt?

Wird Ewigi Liebi – Der Film dem Musical gerecht?
Als Musical-Fan, der Ewigi Liebi damals zweimal in der Maag Halle in Zürich gesehen hat, waren meine Erwartungen an die Verfilmung hoch. Wie adaptiert man ein Compilation-Musical mit rund 40 Schweizer Mundartsongs fürs Kino? Produzent Lukas Hobi erzählte uns bereits im August anlässlich eines Set-Visitings, dass eine Eins-zu-eins-Umsetzung schlichtweg nicht möglich gewesen wäre. Der Film hätte sicher drei Stunden gedauert. Regisseur Pierre Monnard erläuterte, dass das Kreativteam den Spirit, die Tonalität und den Humor des Originalstücks behalten wollte, aber eine Form finden musste, die als Film funktioniert. Und ich muss sagen: Das ist einfach nur gelungen!
Dies dank einer kurzweiligen Geschichte mit knackigen Dialogen und tollen Musical-Einlagen. Klar, eine klassische Musical-Verfilmung à la Mamma Mia (2008), Les Misérables (2012 oder Westside Story (2021) ist Ewigi Liebi nicht. Dazu fehlt es an opulenten Choreografien mit einem grossen Ensemble oder komplette Songs. Vielmehr ist es eine Liebeskomödie mit musikalischen Einschüben, die ihre Wirkung erzielen. Das Kreativteam hat sich für 12 Lieder entschieden, die teils komplett oder gekürzt zu hören (und natürlich zu sehen) sind. Welche das sind, verraten wir an dieser Stelle nicht.

Doc Brown würde sich die weissen Haare raufen
Neben den Songs steht auch das Element Zeitreise im Mittelpunkt. Anstelle einer Gondel, wie im Musical, hat sich Drehbuchautor Urs Bühler für eine Toilette als Zeitmaschine entschieden. Eine interessante Wahl, da bis jetzt noch kein Filmschaffender darauf gekommen ist, das stille Örtchen für eine Reise durch die Zeit zu nutzen. Spannend ist vielmehr zu sehen, wie die Charaktere mit den Gegebenheiten der Zeitreise umgehen. Man erinnert sich automatisch an die beliebte Zurück in die Zukunft-Reihe von Robert Zemeckis.
So stechen beispielsweise witzige Momente heraus, in denen Airpods mit Hörgeräten verwechselt werden, ein Smartphone als Kristallkugel fungiert oder man sich über moderne Zahlungsmittel wundert. Anders als in den Geschichten von Marty und Doc wird nicht auf die «Regeln» der Zeitreisen geachtet. Angst vom Grossvaterparadoxon oder dem Schmetterlingseffekt haben die Charaktere jedenfalls nicht. Hier wurde wohl bewusst auf fachchinesische Dialoge verzichtet, um den Sci-Fi-Aspekt nicht allzu gross in den Vordergrund zu stellen.

Das Ensemble überzeugt und überrascht
Hier kann man sagen, dass es dem Produktionsteam gelungen ist, einen wunderbaren Cast zusammenzustellen. Nicht nur ähneln sich die jüngeren und älteren Versionen der Protagonisten, sie bringen einen Drive in den Film und harmonieren perfekt. Susanne Kunz beweist in Ewigi Liebi- Der Film einmal mehr ihr schauspielerisches Talent in einer emotionalen Achterbahnfahrt der Gefühle. Besonders trumpft sie in komödiantischen Momenten auf. Das war auch an der Premiere in Zürich hörbar. Ihre Szenen haben die lautesten Lacher generiert. Elena Flury, die die jüngere Heidi spielt, ist eine erfrischende Neuentdeckung und sorgt mit einem frechen Charme für tolle Momente.
Das Schauspieldebüt von Luca Hänni wurde wohl am meisten erwartet. Singen kann er, das ist klar. Man merkt, dass er es gewohnt ist, selbstsicher mit der Gitarre vor Menschen zu stehen und einen Song wirkungsvoll dem Publikum zu präsentieren. Ganz egal, ob es sich um ein Live- oder ein TV-Publikum handelt. Das kommt auch im Film sehr gut rüber. Allerdings bei emotionalen Momenten wie Trauer oder Wut gelingt es ihm nicht, ein nuanciertes Schauspiel zu liefern. Fairerweise muss man jedoch berücksichtigen, dass Luca Hänni nicht das gleiche schauspielerische Spektrum wie Pasquale Aleardi, Susanne Kunz oder seine Co-Darstellerin Elena Flury aufweisen kann. Dazu fehlt die langjährige Schauspielerfahrung. Aber für die erste Kinorolle und für die Figur Daneli ist es passabel. Das Potenzial ist da und wir können gespannt sein, ob da noch weitere Filmrollen auf ihn zukommen und wie er diese ausfüllen wird.
Pasquale Aleardi verkörpert mit seiner Schauspielkunst die gebrochenen und vom Leben gezeichneten Charaktereigenschaften der älteren Version von Daneli. Spannend ist ausserdem die von Gilles Marti verkörperte Figur Ferdinand. Während sie im Musical als purer Macho dargestellt wird, hat sie im Film eine Seite an sich, die sie vielschichtiger und tiefgründiger macht. Das führt dazu, dass man als Zuschauer ein besseres Verständnis für die Handlungen von Danelis Antagonisten erhält. Aus Spoilergründen werde ich hier aber nicht mehr verraten. Jedenfalls ist es eine gute Idee des Kreativteams gewesen, diesen Charakter-Change einzubauen.

Mein Fazit zu Ewigi Liebi – Der Film
Der neue Feel-Good-Movie von Pierre Movie überzeugt dank seinem perfekt ausgewählten Cast und natürlich den Musical-Elementen. Gerade aufgrund der Tonqualität im Kino fühlt es sich so an, als wäre man wieder in der Maag Halle. Schade nur, dass einige Ohrwürmer nicht länger inszeniert wurden. Ansonsten bietet Ewigi Liebi – Der Film viel Fanservice. So ist beispielsweise Helmi Sigg, der die Murmeltiermutter Martha im Musical verkörpert hat in einer Nebenrolle zu sehen. Auch Christoph Wettstein, der langjährige Dänu-Darsteller, ist zu sehen. Fabienne Louves war 2007 auch auf der Bühne zu sehen und kehrt nun in einer etwas anderen Rolle auf die Grossleinwand zu sehen.
Als Berner mit Wurzeln im Emmental bin ich auch sehr stolz zu sehen, wie schön diese Gegend mit ihren Hügeln und Tälern in Szene gesetzt wurde. Ich bin sicher, Gotthelf-Regisseur Franz Schnyder hätte seine Freude daran gehabt. Was jedoch eher störend auffällt, ist das Product Placement von Lindor. Die ikonischen Kugeln werden mit extrem nahen Close-ups so penetrant in Szene gesetzt, dass ich beinahe dachte, ich wäre in einer Galaxus-Werbung gelandet.
Wer von Ewigi Liebi – Der Film und der Geschichte rund um Heidi und Daneli nicht genug bekommt, kann sich 2027 auf die Musical-Variante freuen. Anlässlich des 20 Jahre-Jubiläums kommt die erfolgreiche Produktion wieder in die Maag Halle in Zürich.


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