Am 8. Januar 2026 lief die japanisch-amerikanische Tragikomödie Rental Family unter der Regie von Hikari (auch Drehbuch und Produktion) in den deutschen Kinos an. Zuvor fand im September 2025 bereits eine Galapremiere am 21. Zurich Film Festival statt. Seit 15. April kann die Tragikomödie schliesslich bei Disney+ gestreamt werden. In der Hauptrolle wurde der Film mit Brendan Fraser besetzt, während Takehiro Hira, Mari Yamamoto, Akira Emoto und Shannon Mahina Gorman den Nebencast bestreiten. Inhaltlich dreht sich der Film um einen abgehalfterten amerikanischen Schauspieler, der in Tokio als Mietfamilienmitglied arbeitet. Doch gelingt es Rental Family, dieses für uns so befremdliche System der Mietfamilienagenturen näher zu bringen – und zugleich zum emotionalen Kern einer dicht bevölkerten, aber zunehmend vereinsamten Gesellschaft vorzudringen?
Hinweis: Diese Kritik geht auf zentrale emotionale Momente ein!

Eine mietbare Familienrolle
Rental Family handelt vom erfolglosen Schauspieler Phillip, der über eine Agentur einen ungewöhnlichen Job annimmt: Er wird als «Ersatzfamilienmitglied» an Menschen vermittelt, die temporär eine Vater-, Partner- oder andere Familienrolle benötigen. Im Verlauf übernimmt er verschiedene Einsätze im Alltag seiner Auftraggeber, bei denen er jeweils in eine klar definierte, soziale Rolle schlüpft. Die Handlung folgt dabei vor allem seinen unterschiedlichen «Einsätzen» und den jeweiligen familiären Situationen, in die er eingebunden wird. Der Film zeigt episodisch, wie diese Familienkonstellationen funktionieren, welche Aufgaben der Protagonist in den jeweiligen Rollen erfüllen muss und wie mit der Zeit aus einer künstlichen Performance etwas zutiefst organisches und menschliches erblüht.

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell in Japan
Es mag tatsächlich ein bisschen dauern, bis Rental Family mit so manchen ergreifenden Momenten voll ins Herz trifft. So etwa, wenn ein Mädchen erfährt, dass ihr Vater nur ein Schauspieler ist oder Phillip mit einem bekannten japanischen Filmstar in dessen Heimat zurückreist, bevor dieser aufgrund seiner Demenz alles vergisst. Szenen, die eindringlich unter Beweis stellen, dass am Ende echte Gefühle im Raum stehen. Sowohl bei Phillip als auch bei seinen Klienten.
In Japan ist dies tatsächlich bereits ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Das urbane Leben, lange Arbeitszeiten, die kulturell etablierte Zurückhaltung, um andere nicht mit seinen Sorgen zu belasten oder der demografische Wandel sind dabei oft ausschlaggebend, dass die Menschen weniger oder gar keine echten Bindungen eingehen können. Doch Rental Family ist an dieser Stelle auch eine klare Kritik an ein System, das in einem so dicht bevölkerten, aber gleichsam vereinsamten Land mit den Gefühlen der Menschen spielt. Vor allem dann, wenn diese zwischenmenschliche Beziehungen auf einer Lüge beruhen.

Ein stimmungsvolles Drama mit tollem Cast
Rental Family spürt diese Konfliktebene immer wieder einfühlsam auf, wenn Philip etwa in einem Dilemma mit seinen aufrichtig entwickelten Gefühlen zwischen seinen Klienten steckt. Dabei gelingt es Brendan Fraser eindrucksvoll, seine breite Emotionspalette zwischen motivierter Freude und entrüsteter Trauer wahrhaftig auszuspielen. Im Nebencast berührt Shannon Mahina Gorman, die das Mädchen Mia Kawasaki verkörpert, auf ganzer Linie. Ebenso Akira Emoto, der als alternder Schauspieler Kiku Hasegawa tiefgreifend zu Tränen rührt.
Obwohl der Film anfänglich etwas episodischer angelegt ist, fokussiert er sich schon bald auf seine beiden völlig gegensätzlichen Klienten, Phillips Umgang damit, aber auch die grundsätzliche Arbeitsweise der Mietagentur. Gewöhnungsbedürftig bleibt lediglich der vermehrt auftretende Wechsel zwischen deutscher Synchronisation und japanischer Sprache mit deutschen Untertiteln, die teilweise mitten in den Dialogen umswitchen. Hier wäre es wünschenswerter gewesen, innerhalb eines Gesprächs bei einer Sprache zu bleiben, sofern es sich logisch erschliessen lässt.
Visuell findet die Kameraarbeit von Takurô Ishizaka stimmungsvolle Bilder, die zwischendurch auch die weiten Fernen des anonymen Grossstadtlebens einfangen. Musikalisch bedient der Soundtrack vor allem die grossen Gefühle, die auf zwischenmenschlicher Ebene entstehen und so zusätzlich intensiviert werden.

Mein Fazit zu Rental Family
Rental Family ist eine bewegende Tragikomödie, die sowohl menschlich berührt als auch ein System anprangert, das sich in Japan längst zum erfolgreichen Geschäftsmodell und Phänomen entwickelt hat. Brendan Fraser offenbart dabei in seiner aufrichtig dargebotenen Rolle, dass Familie nicht nur im verwandten Bezugskreis, sondern auch dort entstehen kann, wo jemand zuhört und für eine fürsorgliche Nähe sorgt. Kurzum, ein Film, der ungekünstelt ins Herz vordringt.
Von mir hierfür 90 von 100 Mietfamilien!


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