Christopher Nolan ist wieder da! Drei Jahre nach Oppenheimer meldet sich der mittlerweile dreifache Oscarpreisträger mit Die Odyssee zurück. Ein Stoff, der in den letzten Jahrzehnten auf ganz unterschiedliche Weise verfilmt wurde. Der Film basiert auf Homers gleichnamigen Epos aus dem 7. oder 8. Jahrhundert und gehört zu den ältesten Geschichten auf diesem Planeten und zu den bedeutendsten Stoffen der griechischen Antike. Mit seinem bewährten Team hinter und vielen Neuzugängen vor der (IMAX)-Kamera hat sich der Interstellar-Regisseur an Homers Epos gewagt. Was ist dabei herausgekommen? Hier findet ihr es heraus.

Wenn einer eine Reise tut
Odysseus (Matt Damon), König von Ithaka, zieht los, um die Stadt Troja zu erobern. Seine Frau, Königin Penelope (Anne Hathaway) und seinen Sohn, Telemachos (Tom Holland), lässt er zurück. Die Jahre verstreichen und der Krieg vor Ort dauert rund 10 Jahre. Als es ihm und seinen Kriegern gelingt, mithilfe eines Holzpferdes in die Stadt einzudringen und sie erfolgreich zu erobern, macht er sich auf den Rückweg. Allerdings gestaltet sich dieser als ziemlich umständlich. Seine tapferen Männer werden u.a. durch einen Zyklopen, Riesen und weitere Gefahren aufgehalten. Am Schluss strandet Odysseus auf einer Insel, wo die schöne Nymphe Kalypso (Charlize Theron) versucht, ihn gesund zu pflegen.
In Ithaka hat man die Hoffnung auf Odysseus Rückkehr mittlerweile aufgegeben. Die Stadt ist voll von Kriegern und Edelmänner, die um die Gunst von Penelope buhlen und es auf den Thron abgesehen haben. Während Telemachos versucht, mehr über den Verbleib seines Vaters herauszufinden, ist Penelope am Boden zerstört und in Trauer versunken. Ganz im Gegensatz zu den Freiern, die nur darauf warten, bis Penelope einknickt.

Das Spiel mit der Zeit
Homers Geschichte um die griechischen Götter wurde schon oftmals und in verschiedenen Formen auf die Grossleinwand oder ins TV gebracht. Nolan wagt hier nun einen neuen Versuch. Und der kann sich in der Tat sehen lassen. Wie wir es vom Inception-Schöpfer kennen, nutzt er das Element Zeit, um die Zuschauer zu unterhalten. Bestes Beispiel ist Tenet, wo die Zeit Rückwärts und Vorwärts läuft (vereinfacht gesagt). Hier spielt sich die Geschichte in mehreren parallelen Handlungsstränge ab und wird zudem noch anachronistisch erzählt. Das Wort Sage bedeutet ja schliesslich «mündlich überlieferte Erzählung». Und genauso verhält es sich im Film.
Es gibt bei Odysseus Geschichte keinen auktorialen Erzähler, sondern die verschiedenen Figuren berichten, was sie gehört haben, einer jeweils anderen Person. Zudem nutzt Nolan das Element Zeit und lässt gewisse Handlungen sogar in Vorausblenden innerhalb von Rückblenden abspielen. Diese Idee ist nicht neu, denn selbst Homer hatte das Epos mit diesen Elementen verfasst, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Das Publikum ist somit stark gefordert, Zeit zum Grossüberlegen bleibt schlicht nicht. Auch das Erzähltempo hat es dank schneller Schnitte in sich.

Die Odyssee glänzt in IMAX
Aus bildtechnischer Sicht ist Die Odyssee eine Wucht. Dank dem Einsatz der IMAX-Kamera wirken die Bilder gestochen scharf, nirgends ist ein Bildrauschen erkennbar. Ein Segen für die Momente, die sich in der Dunkelheit abspielen. Das 4:3-Format, das einer IMAX-Leinwand am nächsten kommt, lässt den Zuschauer noch mehr ins Geschehen eintauchen, was ein besonderes Kinoerlebnis schafft. Besonders in den Kampf-, Schlacht- und in Seesturmszenen kommt das perfekt zur Geltung. Gedreht wurden diese Aufnahmen mit einer modernen IMAX-Kamera, die extra auf Wunsch von Christopher Nolan konstruiert wurde. Das Modell namens Keighley ist leichter und somit besser für Handheld-Aufnahmen geeignet, wie sie Nolan bevorzugt. Allerdings war da noch das Problem mit dem Ton.
Analoge IMAX-Kameras sind aufgrund des ratternden Filmmaterials sehr laut. Da Nolan den gesamten Film auf 70mm-Film aufnehmen wollte musste eine andere Lösung her. Denn wie sollen die Schauspielerinnen und Schauspieler normal einen Dialog führen, wenn die Kamera so laut rattert? Da einen Originalton aufzunehmen, ist schlichtweg unmöglich. Mit der neuen Kamera war es möglich, die Geräusche um einen Drittel zu reduzieren. Um dennoch einen sauberen Ton zu produzieren, hat sich das Team um Kameramann Hoyte von Hoytema etwas anderes einfallen lassen. Es wurde ein grosser Kasten konstruiert, in der die Kamera gelegt wurde. Sogar das Wechseln von Filmrollen und Objektive innerhalb des Kastens war möglich. Man sieht also, dass Nolan hier alles gibt, um dem Publikum das bestmögliche Seherlebnis zu bieten.

Was ist da mit dem Ton los?
Nur beim Sound gibt es leider Abstriche. Wir haben Die Odyssee anlässlich eines Pressescreenings in einem IMAX-Kinosaal visioniert. Vorgeführt wurde er in der originalen Version. Auffallend ist, dass gerade bei Actionszenen Dialog, Soundeffekte, und der Soundtrack derart aufeinandertrafen, dass ein starkes und ungemütliches Brummen resultierte. Ob das an den Lautsprecher im Kino oder an der Soundmischung der originalen Version, ist nicht klar. Da konnte auch der Soundtrack von Ludwig Göransson (Blood & Sinners, Oppenheimer, Black Panther) nicht weiterhelfen. Das ist schade, zumal Göransson für den Soundtrack spezielle Instrumente benutzt hat, die im 8. Jahrhundert in Griechenland verwendet wurden. Darunter Aulos (Doppelflöte), Leier und Gongs aus Bronze. Ersteres konstruierte er selber, anhand von griechischen Ikonografien.

Mein Fazit zu Die Odyssee
Christopher Nolans neuester Film punktet dank herausragender Bilder und einer universellen Geschichte. An alle diejenigen, die von der Länge abgeschreckt werden, müssen sich keine Sorgen machen. Dank schnellen Schnitt und gutem Storytelling kommt einem Die Odyssee nicht wie 3 Stunden vor. Allerdings sollte man sehr aufmerksam die Geschichte mitverfolgen, da sie anachronistisch erzählt wird. Ein gewisses Verständnis für die griechische Mythologie und um die Figur Odysseus sollte allerdings vorhanden sein.


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