Am 27. März brachte Capelight Pictures das 1988 erstveröffentlichte Filmdrama Rain Man als deutsche Mediabook-Premiere heraus. Es handelt sich um eine vom Studio MGM durchgeführte 4K-Restauration, die von Regisseur Barry Levinson genehmigt wurde. In den Hauptrollen wurde der Filmklassiker mit Dustin Hoffman und Tom Cruise besetzt! Erzählt wird die ungleiche Geschichte zwischen dem Autohändler Charlie und dem inselbegabten Autisten Raymond Babbitt. Wie sich der Film aus heutiger Sicht schlägt und die Umsetzung des Mediabooks sowie der 4K-Restauration ausgefallen ist, möchte ich euch in meiner Kritik verraten.

Ein ungleiches Duo auf Reise
Der von sich nur allzu überzeugte Autohändler Raymond Babbitt nähert sich einer beruflichen Krise, als er beim Import italienischer Sportwagen Probleme bekommt, da er seinen Kunden essenzielle Unzulänglichkeiten bzgl. der Umweltanforderungen verschweigt, um Zeit zu gewinnen. Als er sich nur wenig später mit seiner Freundin Susanna auf dem Weg in ein gemeinsames Wochenende aufmacht, erfährt er vom Tod seines Vaters. Distanziert von der Nachricht macht er sich dennoch auf den Weg zur Bestattung. Die Fahrt dorthin versucht Susanna zu nutzen, um mehr über Charlies Vergangenheit zu erfahren und sich tiefgründig mit ihm darüber auszutauschen, doch Charlie hält Susanna auf emotionalen Abstand. Dennoch erfährt sie den Grund, warum die Beziehung der Beiden in die Brüche ging. Dabei blitzt auch eine positive Erinnerung an eine von Charlie beschriebene Fantasiefigur namens Rain Man auf, die für ihn sang, wenn er emotionalen Beistand brauchte.
Wenig später bekommt Charlie bei der Eröffnung des Testaments vermittelt, dass er die preisgekrönten Rosenbüsche und den Buick anstelle eines Geldvermögens von über drei Mio. Dollar erbt. Das besagte Vermögen fliesst hingegen ins Wohnheim Wallbrook für geistig Behinderte. Charlie, der sich um sein Erbe betrogen sieht, fährt dorthin, um den dortigen Leiter Dr. Bruner zur Rede zu stellen. Allerdings lernt er dort auch den inselbegabten Autisten Raymond kennen, der sich als sein Bruder herausstellt und für das Erbe vorgesehen ist. Charlie nimmt Raymond nun kurzerhand auf seine Rückreise nach Kalifornien mit, damit er ihn anfänglich als Druckmittel einsetzen kann, um die Hälfte des Erbes einstreichen zu können. Doch die gemeinsame Reise ist alles andere als unproblematisch. Denn Raymond duldet aufgrund seiner Inselbegabung keinerlei Abweichung von seinem durchroutinierten Tagesablauf. Dennoch kommt Charlie Raymond näher und erkennt bald einen neuen Reichtum, der sein materialistisches Handeln in den Schatten stellt.

Das zeichnet Rain Man aus
Mit Rain Man hat Regisseur Barry Levinson (Good Morning, Vietnam) einen grossen Genreklassiker geschaffen, der bis heute das kulturelle und gesellschaftliche Bild des Autismus prägt. Und vor allem zu einem nicht unwesentlichen Teil der Geschichte über die weitere Entwicklung und dem öffentlichen Ansehen des Autismus-Spektrums beigetragen hat. Dustin Hoffmans Charakter Raymond vereint dabei eine bunte Mixtur verschiedenster autistischer Eigenschaften, wobei die hauptsächliche Inspiration auf den Savant Kim Peek zurückzuführen ist, der nicht mal ein Autist war. Womit klar sein sollte, dass nicht alle Inselbegabungen mit Autismus einhergehen.
Die eindrückliche Stärke von Rain Man liegt jedenfalls in der fokussierten Zugkraft seiner beiden Hauptdarsteller. Wobei Dustin Hoffman vollends in seiner Rolle aufgeht und trotz seiner eingeschränkt verkörperten Rolle, die über die Laufzeit hinweg keinerlei grössere Weiterentwicklung hinlegen kann, verschiedene Farben des Autismus zutiefst glaubwürdig und feinfühlig verkörpert. Tom Cruise agiert hierbei auf absoluter Augenhöhe und konnte mit dieser Rolle auch erstmals als Charakterdarsteller brillieren, der in seiner Darstellung einen authentischen Reifeprozess vom unnahbaren Geschäftsmann zum liebenden Bruder hinlegt.
Ein weiterer Star des Films ist hingegen nur zu hören und absolvierte mit seiner Arbeit zum Film seinen Hollywood-Durchbruch. Die Rede ist von Hans Zimmer, der seinen Soundtrack mit orientalisch-verträumten und gleichermassen auch kraftvollen Klängen immer wieder über teils idyllische Landschaftseindrücke hin- und weggleiten lässt.

Das Mediabook weiss u.a. mit grossformatigen Bildern zu gefallen
Das Mediabook von Capelight Pictures ist auf seiner Frontseite mit dem allseits bekannten Kinomotiv ausgestattet, während auf der Rückseite der Buick zu sehen ist. Nach dem Öffnen befindet sich links die UHD-Scheibe, während das anschliessend angebrachte Booklet den Hintergrund unter der Disc nahtlos fortsetzt. Danach folgt ein 24-seitiges Booklet, das mit einem Text von Victoria Lang sowohl interessante Fakten als auch analytische Schwerpunkte zum Film und seinem späteren Einfluss aufgreift. Aufgewertet wird das Booklet dabei immer wieder durch teils grossformatige, aber auch kleinere, zwischen den Texten untergebrachten Fotografien aus dem Film. Die Rückseite des Booklets ist ebenfalls wieder mit einem fliessend fortsetzenden Motiv ausgestattet, welches auch zur abschliessend untergebrachten Blu-ray führt. Die beiden Discs greifen darüber hinaus das Hintergrundbild des Mediabooks auf.

Schöne 4K-Auflösung und zwei sehenswerte Dokus
Qualitativ kann Rain Man vom neuen 4K-Master mehr als profitieren und präsentiert sich mit einer durchgehend gelungenen Schärfe und einem natürlich erhaltenen Filmkorn, das nie störend ins Gewicht fällt. Vereinzelte unschärfere Szenen sind dabei höchstwahrscheinlich auf das bereits so fokussierte Ausgangsmaterial zurückzuführen. Auch der Ton kann mit vereinzelten altersbedingten Kompromissen durchaus zufriedenstellen. Die Extras auf beiden Discs bestehen schliesslich aus drei Audiokommentaren von Regisseur Barry Levinson, Drehbuchautor Barry Morrow sowie Drehbuchautor Ronald Bass. Weiterhin sind die sehr sehenswerten Dokus, Die Entstehung von Rain Man und Autismus verstehen enthalten, die einen etwas ausführlicheren Einblick in die Entstehung des Films und dem Autismus bieten. Etwas kürzer fallen hingegen ein Making-of-Beitrag, der zur damaligen Promotion des Films entstand, sowie eine entfallene Szene aus. Abgerundet wird das Bonusmaterial von Trailern zum Film.

Mein Fazit zu Rain Man
Abschliessend lässt sich sagen, dass Rain Man ein berührender Roadtrip ist, der für mehr Akzeptanz im Umgang mit Behinderungen appelliert und dank seiner beiden grossartigen Hauptdarsteller durchgehend funktioniert. Letztlich zudem ein Hollywooddrama, dass sein Vertrauen auf die kleinen Zwischentöne legt sowie den übersättigten Blockbuster-Bombast gänzlich beiseitelegt, um sich ganz und gar seinen beiden Hauptfiguren zu verschreiben und ihnen auf ihrer Reise begeisternd und mitfiebernd zu folgen. Das Mediabook weiss darüber hinaus sowohl optisch, inhaltlich, aber auch technisch zu gefallen.
Über unseren Gast-Autor
Sandro Biener veröffentlicht unter dem Namen Sany 3000 Film-Rezensionen auf Amazon und auf Wattpad. Er beantwortet auch gerne Fragen über Filme und Serien auf Gutefrage.net. Zudem produziert er Megamixes von bekannten Sängern sowie weitere diverse Videos. Diese findet ihr auf seinem YouTube-Kanal. Hier findet ihr seine Profile.
Kommentar schreiben