Was erwartet man vom 38. MCU-Film? Ist es nicht langsam genug? Spider-Man: Brand New Day beweist das Gegenteil. Die Pressevorführung hatte mehr Leute als üblich, was mir zeigt, dass der Film schon eine gewisse Wirkung und eben auch Erwartung hat. Der 38. MCU-Film und der vierte Solo-Film mit Tom Holland als Freundliche Spinne der Nachbarschaft hat nicht mehr Jon Watts als Regisseur sondern wird von Destin Daniel Cretton beerbt. Cretton hat schon mit Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings und Wonder Man sein Können unter Beweis gestellt. Treu bleiben uns aber Chris McKenna und Erik Sommers als Autoren sowie Michael Giacchino, der zum vierten Mal den Soundtrack beisteuert. Ab dem 29. Juli kann man Spider-Man: Brand New Day in den Schweizer Kinos bestaunen.
Alles neu? Peter Parker muss sich seinen Veränderungen stellen
Die ersten Sekunden laufen über den Bildschirm und als nach dem Sony-und dem Columbia-Intro endlich die Marvel-Inschrift erscheint, merkt man schnell da ist was anders. Nach Stan Lee und Chadwick Boseman ist Tom Holland der dritte MCU-Vertreter mit einer eigener Intro Sequenz. Auch wenn man bedenken muss, dass die ersten beiden dies aufgrund ihres tragischen Todes erhalten haben, ist die Rührung über unsere Lieblingsspinne dennoch sehr schön.
Die Handlung setzt nach Spider-Man: No Way Home an. In einer Montage sieht man Peter, wie er echte Spidy-Schurken bekämpft, um seine Tante trauert, der Polizei hilft, um seine Freunde trauert, berühmt wird und… noch mehr trauert. Seine Trübsal-Phase endet, als das Departure of Damage Control (DODC) (das man in den letzten MCU-Projekten immer wieder zu Gesicht bekommen hat) angegriffen wird. Beim Versuch, diesen Angriff zu stoppen und dabei den Gefangenen-Transport von Scorpio (Michael Mando) nicht zu gefährden, wird Peter Zeuge telekinetischer Fähigkeiten. Dieses Erlebnis hinterlässt deutliche Spuren und verändert Peter Parker entscheidend.

Spider-Man ist erwachsen geworden
Spider-Man: Brand New Day weist eine ganz neue Handschrift auf. Das liegt sicher auch am neuen Regisseur. Crettons Version von Peter Parker ist erwachsener, brutaler, aber auch sensibler und unsicherer. Peter hat mehr Emotionen und ist nicht mehr einfach ein witziger Schuljunge. Peter musste lernen, wie es ist, von heute auf morgen allein zu sein. Er weiss, dass er jetzt auf sich allein gestellt ist, und muss in den folgenden vier Jahren lernen, sich selbst zu helfen. Er baut sich seinen Anzug, entwickelt ihn immer weiter und arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Dennoch ist er allein. Seine Tante ist tot, seine Freunde haben ihn vergessen, und die Avengers beschäftigen sich mit «stärkeren» Helden. Anders als in den vergangenen Filmen weiss Peter aber, dass er nicht mehr alles auf eigene Faust regeln muss.
Unterstützung erhält er durch die leicht bösartige Freundschaft mit dem Punisher (Jon Bernthal) und der warmherzigen Zusammenarbeit mit der Polizistin Jean DeWolff (Liza Colón-Zayas). Mit ihrer Hilfe bekämpft er das Böse, ohne auf sie angewiesen zu sein. Das zeigt uns, dass er erwachsener – ja, sogar vorsichtiger – geworden ist. Brand New Day ist der Film, den sich die älteren Marvel-Fans vom MCU am meisten gewünscht haben. Ein Abenteuer, in dem man nur Spider-Man sieht, einen Spider-Man, wie man ihn aus den Games und den ersten Filmen kennt: Er schwingt allein durch New York, macht die Stadt sicherer und bekommt keine Gadgets von Iron Man, Happy oder seinen Freunden.
Tom Holland hat in The Odyssey gezeigt, dass er auch ernst sein kann. Die Tiefe, die Brand New Day Peter Parker verleiht, bringt Holland sehr gut herüber und zeigt die Emotionalität, die uns allen sicher bekannt ist. Cretton macht auch nicht den Fehler, bereits in den ersten 30 Minuten alle Erinnerungen der Menschen zurückzubringen. Peter leidet, und es ist wichtig, ihn leiden zu sehen, während ganz New York von einer unbekannten Kraft heimgesucht wird. Seine Veränderung (die leider nie in Gänze gezeigt wird) führen zu einem weiteren Rückschlag, mit dem er umgehen muss. Doch nur so erreicht er sein volles Potential. Die Frage stellt sich die ganze Zeit, wer möchte er sein, Peter Parker oder Spider-Man.

Wie viel Fanservice ist noch gut?
Wer schon einmal einen Text von mir gelesen hat, weiss, dass ich kein Feind von Fanservice bin. Ich finde dies in Ordnung, ja warum auch nicht? Fanservice bringt nicht nur Langeweile. Natürlich kann es auch als Füllmaterial dienen. Aber was ist so schlimm daran, wenn gewisse Figuren nur da sind, um die Fans glücklich zu machen? Ausserdem verschwimmt die Grenze zwischen Fanservice und wirklich vertretbaren Auftritten schnell. In No Way Home gab es viel Fanservice, doch (fast) all die alten Figuren haben zur Story beigetragen.
Zugegeben, bei Doctor Strange 2 waren Jon Krasinski als Mr. Fantastic und die anderen Illuminati schon eher Fanservice. Geschadet hat dies dem Film aber nicht. (Dies hatte eher andere Gründe.) Ja, Brand New Day bedient sich stellenweise an Fanservice, meiner Meinung nach ist das aber oft begründbar, und die dabei entstehende Komik entkräftet nicht die düstere Art des Films. Solche Situationen lockern ihn auf, sodass er nicht nur eine monotone Einöde wird.
Was ich jedoch zu bemängeln habe, ist der Umgang mit den verschiedenen Schurken, die man im Trailer sah und auf die man sich vielleicht nicht allzu sehr freuen sollte. Ob man dies als Fanservice abstempeln mag, ist jedem selbst überlassen. Das Aufeinandertreffen von Spider-Man und Hulk ist ein Highlight, das man im Trailer schon sah und das im Film noch getoppt wird. Ein Aufeinandertreffen, das bei eingefleischten Marvel-Fans Gänsehaut auslösen wird. Dabei kann man sich theoretisch auch fragen, wie viel dies wirklich zur Story beiträgt. Ich stelle mir folgende Fragen: Ist der Film mit Figuren überladen? Ja. Gibt es Fanservice? Ja. Braucht man den Hulk unbedingt im Film? Definitiv ja.

Geht wegen zu vielen Personen die Tiefe verloren?
Auch wenn Tom Hollands Peter Parker in diesem Film die tiefgründigste Reise erlebt hat, bleiben die anderen Figuren leider schwach. Dass man seine Freunde kaum irgendwo sieht, ist verständlich, da sie ihn ja vergessen haben. Es wäre jedoch spannend gewesen, wie sie Spider-Man in der Zeit der Funkstille wahrgenommen haben oder wie Ned auf die Idee der Spidy App gekommen ist. Zendaya hat meiner Meinung nach als MJ diesmal nicht ihre Beste Leistung. Gegen Ende des Filmes gibt es dann doch ein Aufeinandertreffen, in dem die alte Chemie sehr schnell wieder hervorkommt und das Herz erwärmen lässt.
Gefallen hat mir definitiv das Zusammenspiel des Punishers und Spidy. Das Tom Holland und Jon Bernthal zusammen harmonieren, sah man ja schon in The Odysse. Die Geschichte des Punisher sah man nicht genau, dies ist verständlich, denn durch The Punisher, Daredevil und Daredevil: Born Again lernte man ihn ja sehr gut kennen. Punisher der eher auf der dunkeln Seite der Marvel-Helden anzusiedeln ist, passt hervorragend mit Peter Parker, dem Vorzeigesuperhelden, zusammen. Regelmässiger Schlagabtausch und gegenseitigen Respekt beherrschen diese Freundschaft.
Die Organisation Damage Control wird immer bisschen mehr gezeigt doch so richtig erklärt wird sie nie. Eine Unterorganisation von S.H.I.E.L.D., die sich selbstständig gemacht hat und vermutlich mit S.W.O.R.D. offscreen zusammengeschmolzen ist. DODC jagt übernatürliches. Dies sah man in Wonder Man, und dies sieht man auch jetzt. Sadies Sink Charakter wird akribisch gejagt doch der Plan dahinter wird leider nur nicht ganz bekannt. Es ist wieder die alte Leier: Eine böse Firma will Menschen mit Superkräften für ihre eigenen Machenschaften. Dies hatten wir mit Hydra und dies hatten wir mit William Stryker. Wie wäre es mal mit etwas Neuem?

Das grosse Geheimnis von Spider-Man: Brand New Day
Keine andere Schauspielerin war in den letzten Jahren so oft in den Schlagzeilen wie Sadie Sink. «Wen spielst du?», hat die 24-Jährige wahrscheinlich in den letzten Monaten so viel gehört wie noch nie zuvor. Es ist eines der bestgehüteten Geheimnisse Hollywoods. Auch wenn es viele Spekulationen und Theorien gibt. Jean Grey, Gwen Stacy oder doch die Spider-Queen? Um es herauszufinden, musst du wohl oder übel selbst ins Kino gehen. Was ich dir aber sagen kann ist, dass sie grossartig ist.
Sadie Sink liefert in ihrer Rolle so richtig ab und brilliert auf ganzer Stufe. Sie stellte ihr Können ja bereits in Stranger Things unter Beweis. Dort, wo sie die Gefangene in einem Geist war, und hier nun den Spiess umdreht. Sie ist die Scene Stealerin schlechthin. Ohne gross zu spoilern: Sadies Sinks Charakter ist endlich wieder ein Antagonist, der nicht einfach böse ist. Man fühlt mit und Sinks Darstellung lässt auch zu, dass sie einem leidtut und gleichzeitig muss man sie um jeden Preis stoppen. Diese Zwiespältigkeit zeigt sie mit jeder kleinen Gestik und Mimik hervorragend.

Einen Wermutstropfen gibt es
Ich komme nicht darum herum, auch über nichtinhaltliche Dinge zu schreiben. Ein wirklich kleines Problem: Das CGI. Dies sieht leider nicht immer gut aus und hatte in den letzten Jahren auch schon besser funktioniert. Die Kameraaufnahmen, in denen Peter durch die Lüfte schwingt, sehen zwar wirklich spektakulär aus. Doch immer wieder fallen das Kostüm oder gewisse Szenerien negativ auf. Es sind kleine Dinge, die dem ansonsten guten Gesamtbild leicht schaden. Auffallend sind auch gewisse Schnitte, bei denen ich mir denke: Musste man jetzt eine Szene kürzen? Diese Vermutung passt auch, da Rosario Dawsons Figur bekannterweise aus den Marvel-Netflix-Serien herausgeschnitten wurde. Loben muss man jedoch die Kampfszenen die wirklich hinausstechen und echt und seriös wirken. Der Film hat wenig Action, aber wenn dann ist diese richtig gross.
Leider ist der Soundtrack zu diesem Film nicht so prägnant wie der seiner Vorgänger. Michael Giacchino überzeugt zwar wieder mit seinen typischen Klängen und seiner positiven Melodie, doch sie wird nicht so bleiben wie bisher. Etwas störend ist, dass der Film etwa fünfmal dem Ende zu neigt. Die erste Hälfte des Filmes endet so, als könnte man mit der zweiten Hälfte den nächsten Teil füllen. Dies ist ein kleiner Bruch im sonst klassischen Storytelling. Nichts Schlechtes, eher etwas ungewöhnlich.

Spider-Man: Brand New Day ist die neue Hoffnung fürs MCU
Spider-Man: Brand New Day ist sicher eine der besten Leistungen von Tom Holland. Er harmoniert ausgezeichnet mit Bernthal. Wie erwähnt, war das schon bei The Odyssey zu sehen und das ist hier nicht anders. Dieses Duo funktioniert einfach. Unser Neuling Sadie Sink stiehlt allen die Show. Mit ihrer Präsenz und ihrem Auftreten zieht sie alle in den Bann – auch die Zuschauer. Man klebt an ihr und ist von ihrer Art getroffen. Sie hat schon bei Stranger Things gezeigt das sie Emotionen wie Trauer, Angst oder Wut mit einzelnen Blicken so darstellen kann das man ständig mitfühlt. Der Film ist gespickt mit Tiefgang und Trauer, aber auch mit witzigen Szenen. Er erzählt die Geschichte des Erwachsens werden und der Selbstfindung. Wer bin ich? Was passiert mit mir? Eine Geschichte des klassischen erwachsen werden. Ein Film wie es schon lange keinen MCU-Film mehr war.
Kevin Feige zeigt: Wenn es ihm wichtig ist und er sich Zeit nimmt, können seine Filme doch etwas. Vielleicht ist Spider-Man: Brand New Day genau das. Ein Beispiel, worauf Feige in Zukunft achten muss. Er sollte sich wieder mehr Zeit für individuelle Projekte mit Einflüssen und Verweisen der anderen Filme nehmen. Und nicht ein Soloprojekt nach dem anderen, die alle nichts miteinander zu tun haben.
Hat Spider-Man: Brand New Day eine Post-Credit-Scene?
Ja es gibt eine Post-Credit-Scene. Sie ist kurz und nicht für jeden sehr offensichtlich. Zudem gibt es während dem Film einen unerwarteten Auftritt, der sogar die mürrischen Filmkritiker im Presse-Screening schmunzeln lies 😉


ich chume de Film gern mit dir cho luege, tönt sehr vielversprächend .
Jetzt hast du mich neugierig gemacht.