Christian Convery und Maisy Stella aus The End of Oak Street

The End of Oak Street: «Wir überleben das!»

Seit 13. August läuft das Science-Fiction-Abenteuer The End of Oak Street in den deutschen Kinos. Unter der Regie von David Robert Mitchell (It Follows) und produziert vom Spielberg-Kompanen J.J. Abrams sind Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery und Maisy Stella in den Hauptrollen zu sehen. Im Film werden eine Familie und eine Vorstadtstrasse Schauplatz eines kosmischen Ereignisses, das die Umgebung in eine von Dinosauriern besiedelte Urzeit zurückwirft. Doch bringt man hiermit endlich wieder einen originellen Dinofilm à la Jurassic Park in die Kinos oder ist das ganze Spektakel nicht mehr als eine Hetzjagd, wie sie uns die letzten Jurassic World-Filme gezeigt haben?

Anne Hathaway Ewan McGregor Christian Convery und Maisy Stella in The End of Oak Street
Ob Familie Platt das wirklich überlebt? | Bild: © 2026 Warner Bros.

In der Oak Street sind die Dinos los…

Die Familie Platt führt 1982 ein zunächst gewöhnliches Leben in der beschaulichen Oak Street. Doch plötzlich häufen sich in ihrer Nachbarschaft unerklärliche Vorkommnisse. Als ein mysteriöses kosmisches Ereignis schliesslich ihre gesamte Umgebung aus der vertrauten Vorstadt reisst und in die Urzeit zurückwirft, verändert sich ihr Alltag schlagartig. Denise und Greg müssen fortan gemeinsam mit ihren Kindern Audrey und Brian versuchen, sich in einer von Dinosauriern beherrschten Umgebung zurechtzufinden, in der die bisherigen Regeln nicht mehr zu gelten scheinen. Während die Familie nach Antworten sucht, wird zunehmend deutlich, dass ihr Überleben vor allem davon abhängt, zusammenzuhalten.

Neuer Film von David Robert Mitchell
Wo einst die Strasse weiterführte, ist nun ein prähistorischer See. | Bild: © 2026 Warner Bros.

Gute Mischung aus Familientragik und Dino-Action

Nachdem die letzten Jurassic World-Filme die Dinosaurier zunehmend kommerziell ausgeschlachtet haben, bringt The End of Oak Street die Urzeitgiganten endlich wieder stilvoll zurück. Doch erstmal auf Anfang, denn der Film lässt zunächst nichts von der späteren Bedrohung anklingen. Diese frühen Minuten hatten für mich einen typischen Spielberg-Vorstadtvibe, wobei auch Stephen Kings Stand by Me oder Es grüssen lassen, wenn die Kinder durch die Strassen streifen. Wenn dann allmählich das Unheil immer weiter voranschreitet, wird dies intensiv über die akustische Ebene mit wuchtig-erschütternden Geräuschen und überstrahlenden Lichtern gelöst. Die Zeitenwende ist damit abgeschlossen, doch Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell gibt seinen Figuren ausgiebig Zeit, diesem Mysterium selbst auf die Schliche zu kommen.

Dabei nutzt dieses Kinoabenteuer die richtige Dosis zwischen Dino-Action und tiefschürfender Familientragik. So spitzt sich die Lage immer weiter zu, wobei die Dinosaurier in atmosphärischen Einschüben eingeführt werden. Wenn schliesslich später immer wieder Situationen eskalieren, da die Familie von Dinos bedroht, verfolgt oder in die Enge getrieben wird, profitiert der Film von einer intensiven Spannung. Dies funktioniert aber auch auf emotionaler Ebene, da uns die Familie, ihre Geschichte und ihr berührender Zusammenhalt so ans Herz gewachsen sind. Dennoch behält der Film auch ein paar humorvolle und augenzwinkernde Töne bei, die etwas Abwechslung und Hoffnung ins existenzielle Unterfangen bringen.

Maisy Stella
Spielbergs und Kings Vorstadtidylle schlagen sich in den ersten Minuten besonders stark durch. | Bild: © 2026 Warner Bros.

The End of Oak Street bietet authentischen 80er-Filmlook

Schauspielerisch wird der Film stark von Anne Hathaway als Denise Platt und Maisy Stella als Tochter Audrey getragen. Beide transportieren ihr Spiel mit gefühlvollem Charme in besonders ergreifenden Momenten. Ewan McGregor als Greg Platt agiert mit glaubwürdiger Souveränität, während Christian Convery als Sohn Brian ebenfalls anrührend glänzen darf.

Obwohl der Film visuell digitaler Herkunft ist, hat man sich passend zur dargestellten Zeit der 80er für nachträgliches feines Filmkorn und vereinzelte Schmutzpartikel entschieden. Dies verleiht dem Film einen stimmungsvollen Retrolook, der nicht aufgesetzt erscheint. Unnötig theatralisch erscheint wiederum nur die stilmittelbedingte Entscheidung, in einer ohnehin schon ausreichend emotionalen Dialogszene zwei Figuren mit der Kamera parallel einzufangen. Dies bringt der Erzählweise im Kontrast zu einem herkömmlichen Gegenschnitt keinen für mich nennenswerten Vorteil. Vor allem dann nicht, wenn sich das Gegenüber in einer zwar ergriffenen, aber dennoch nur zuhörenden Position befindet.

Anne Hathaway Christian Convery und Maisy Stella in The End of Oak Street
Jetzt bringt nur noch Zusammenhalt weiter. | Bild: © 2026 Warner Bros.

Gute VFX-Dinosaurier und mitreissender Soundtrack

Die CGI-Dinosaurier sind dafür zeitgemäss umgesetzt worden und fügen sich in die praktisch gedrehten Szenen überzeugend ein. Dabei werden die Effekte nicht ausgereizt, sondern mit einer effektiven Screentime für die unterschiedlichen Dinosaurierarten eingesetzt. Musikalisch wird die urzeitliche Klangkulisse von Jurassic-World-Komponist Michael Giacchino ebenfalls mitreissend bedient. Zwischen bedrohlichen, abenteuerlichen, hoffnungsvollen und dramatischen Klängen hat er einen hierfür vollumfänglichen Klangteppich kreiert. Popkulturell bekommt ausserdem Steve Winwoods Valerie einen kleinen, aber berührenden, wiederbelebenden Magic Moment.

David Robert Mitchell und Mike Gioulakis am Filmset von The End of Oak Street
Regisseur David Robert Mitchell (Under the Silver Lake) und Kameramann Mike Gioulakis (Split) beim Aussendreh. | Bild: © 2026 Warner Bros.

Mein Fazit zu The End of Oak Street

The End of Oak Street mag mit seiner besonders emotional erzählten Überlebensgeschichte nicht ganz so familienfreundlich sein wie die Jurassic World-Filme. Dafür liefert man hier cineastisch aber einen weitaus stimmigeren Film ab, als es das gesamte Jurassic World-Franchise zustande gebracht hat. So ist es einerseits die funktionierende sowie berührende Figurenzeichnung, die den Zuschauer an sich bindet und andererseits die überzeugenden und atmosphärisch eingesetzten CGI-Dinos, die mitreissend an diese Geschichte fesseln.