Rachel McAdams und Dylan O Brien aus Send Help

Send Help: «Fang besser an, dich selbst zu retten!»

Am 29. Januar 2026 kam Sam Raimi (Tanz der Teufel) nach 17 Jahren Horrorfilmpause mit Send Help ins Genre zurück. Nach seiner letzten Horrorarbeit Drag Me to Hell trieb er sich zwischenzeitlich in der fantastischen Welt von Oz herum, inszenierte die Pilotfolge der Serie Ash vs Evil Dead und landete mit Doctor Strange in the Multiverse of Madness einen beachtlichen MCU-Erfolg. Für Send Help wurden schliesslich Rachel McAdams und Dylan O’Brien in den Hauptrollen besetzt. Im Film landet die Büroangestellte Linda Liddle mit ihrem neuen Vorgesetzten Bradley Preston nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel. Doch gelingt es Raimi daraus ein abgedrehtes Horrorspektakel wie früher zu kreieren oder ist sein einst verfluchter Horrorzauber längst erloschen?

Rachel McAdams als Linda Liddle aus Send Help
Wen Linda hier wohl jagt? | Bild: © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

«Wir sind nicht mehr im Büro, Bradley»

Linda Liddle ist eine fähige, aber wenig geschätzte Angestellte, die von ihrem arroganten Chef Bradley Preston immer wieder übergangen wird. Als beide gemeinsam mit weiteren Kollegen zu einer Geschäftsreise aufbrechen, kommt es während des Fluges zu einer Katastrophe. Linda und Bradley stranden schliesslich als einzige Überlebende auf einer abgelegenen Insel. Fernab jeder Zivilisation sind die beiden ausgerechnet aufeinander angewiesen und müssen ihre gegenseitigen Abneigungen zunächst beiseiteschieben, um überhaupt eine Chance auf Rettung zu haben. Doch während der Kampf ums Überleben beginnt, entwickeln sich zwischen ihnen zunehmend neue Spannungen – und aus der unfreiwilligen Zweckgemeinschaft wird ein gefährliches Kräftemessen.

Dylan O Brien als Bradley Preston aus Send Help
«Warst du mal jagen? Fühlt sich gut an!» | Bild: © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Send Help ist eine überdrehte Survival-Satire mit einer starken Rachel McAdams

Sam Raimi hat es also immer noch drauf, denn Send Help ist eine herrlich überdrehte Survival-Horrorkomödie und zugleich eine fiese Survival-Satire geworden. Obwohl der Film zeitweise einer launigen Abenteuerkomödie gleicht, enthält er ein paar ordentliche Gewaltspitzen, die jedoch immer wieder humoristisch zugespitzt oder durchbrochen werden. So bleibt sein Film durchgehend abwechslungsreich, da er alle denkbaren Dynamiken durchspielt. Mal humorvoll, dann sarkastisch oder bitterböse. Raimis Film kennt viele Facetten des Humors und unterschwelligen Horrors. Vor allem dann, wenn die Figuren sich selbst retten, nur um sich wenig später wieder gegenseitig auszuspielen und fallen zu lassen.

So werden auch teils tiefemotionale Momente konstruiert, die mit der nächsten Wendung wieder gnadenlos aufgebrochen werden. Dennoch bleibt die Figurenzeichnung des Films in all ihrer Radikalität psychologisch konsequent. Hierbei ist es Rachel McAdams, die den Film hauptsächlich mit wandlungsfähigen emotionalen Eigenschaften trägt. So agiert ihre Figur liebevoll-umsorgend, später zunehmend misstrauisch und letztlich auch als Büroangestellte, die privat wie beruflich ausgenutzt und belächelt wurde, eiskalt-abrechnend. Im Grunde spiegelt der Film hier auch die Muster ihres vorherigen Lebens. Dies nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal an einen eskalierenden Punkt gelangt, an dem sie die Kontrolle zunehmend an sich reisst und in immer weiter eskalierenden Machtkämpfen ihre Überlegenheit demonstriert. Während ihre Darstellung in komödiantischen, aber auch horrorgeprägten Momenten immer etwas überzogen erscheint, kann sie besonders in ihren emotional bedrückenden Szenen das eigentliche Drama hinter ihrer anfänglich übermotivierten Survival-Leidenschaft tiefgründig transportieren.

Ihre Figur erhält somit eine berührende Hintergrundgeschichte, womit ihr Verhalten für den Zuschauer lange Zeit greifbar bleibt, bis der Film diese Grenzen immer drastischer verschiebt. Dylan O’Brien kann ebenfalls schauspielerisch brillieren, wenngleich sein Spiel oftmals zu sehr zwischen den konventionellen Kontrasten von Gut und Böse wechselt.

Was Linda wirklich im Schilde führt, bleibt auch dem Zuschauer erstmal verborgen. | Bild: © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Tolles Stereotypenspiel trotz dürftigem CGI

Die grösste Stärke von Raimis gestrandeter Horror-Survival-Komödie bleibt aber die genüsslich ausgeschlachtete Umkehr klassischer Rollenbilder zwischen den Geschlechtern. Visuell besitzt sein Film wiederum einen starken digitalen Look, der sich leider auch in manchen CGI-Effekten bemerkbar macht. Dies zwar nie in einem störenden Ausmass, aber für eine Produktion mit einem Budget von rund 40 Mio. US-Dollar hätte man diese Effekte noch besser in den tropischen Landschaften Thailands integrieren können. Raimis Faible für Kamerafahrten kommt ausserdem in unterschiedlichen Ausprägungen zum Einsatz. Waren diese bei Tanz der Teufel noch vom einst verwackelten, handgemachten Charme geprägt, wurden sie hier natürlich in perfektionistischer Sterilität realisiert.

Musikalisch besitzt Danny Elfmans Soundtrack die passende Rezeptur für eine atmosphärische, theatralisch überdrehte Untermalung. Popkulturell wird am Ende aber auch Blondies One Way or Another zu einem bissigen Begleittrack des Geschehens.

Rachel McAdams als Linda Liddle und Dylan O Brien als Bradley Preston aus Send Help von Sam Raimi
Dabei hätte es doch so idyllisch werden können! | Bild: © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Mein Fazit zu Send Help

Send Help bietet somit überdrehten Horror-Survival-Spass, der durch viele emotionale Facetten wandert, allen voran aber von Rachel McAdams schauspielerischer Dominanz beherrscht wird. Die bewussten Gewaltspitzen erhalten hierbei oftmals eine schwarzhumorige Färbung. Ansonsten stehen die natürlichen Inselaufnahmen dem bewusst digitalen und sterilen Look sowie nicht durchgehend überzeugenden CGI-Effekten gegenüber. Aufgrund der wendungsreichen Inszenierung und der abwechslungsreichen Umkehr im Geschlechterkampf dennoch überaus sehenswert. Der Film ist über die Disney+-Flatrate streambar oder auf 4K UHD, Blu-ray und DVD verfügbar.