Chiwetel Ejiofor als Clark aus Backrooms

Backrooms – ein Internethype in Spielfilmlänge!

Am 18. Juni 2026 startete der Science-Fiction-Horrorfilm Backrooms von Kane Parsons in den deutschen Kinos. Seit 25. September ist der Film nun auch fürs Heimkino erschienen und darüber hinaus seit geraumer Zeit bei diversen Streaminganbietern vorzufinden. Geboren ist die zugrundeliegende Geschichte des Films aus einer urbanen Legende und einer Creepypasta, die Parsons in seiner gleichnamigen YouTube-Serie verarbeitet hat. Nun hat der junge Regisseur darauf basierend sein Spielfilmdebüt vorgelegt. Doch kann ein so populäres Internetmysterium rund um eine Parallelwelt aus meist leeren, ausweglosen Räumen und Gängen einen 110-minütigen Horrorfilm tragen oder wurde hier mal wieder ein Hype entzündet, dem die Geschichte auf Spielfilmlänge nicht gerecht werden kann?

Chiwetel Ejiofor spielt Clark
Chaos und Symmetrie beherrschen zugleich die sagenumwobenen Backrooms. | Bild: Constantin Film / A24 (© Asterios Moutsokapas)

Beklemmende Atmosphäre und Found-Footage im intensiven Gelbstich

Im Keller seines Möbelgeschäfts entdeckt Clark einen geheimnisvollen Zugang zu einem scheinbar endlosen Labyrinth aus menschenleeren Räumen und Fluren. Fasziniert von dieser fremdartigen Welt, vertraut er sich seiner Therapeutin Dr. Mary Kline an. Als sie der Entdeckung nachgeht, gerät auch sie in die rätselhaften «Backrooms», in denen hinter vertraut wirkenden Wänden eine unheimliche Bedrohung lauert.

Backrooms wird dabei von einer immersiven, beklemmenden Atmosphäre getragen, die durch zahlreiche Found-Footage-Einschübe intensiviert wird. Sie steigern das Empfinden, selbst Teil dieser unberechenbaren surrealen Parallelwelt zu sein. So sehr diese bewusst eingesetzte Videofilm-Ästhetik der frühen 90er den Zuschauer in einen Spannungssog zieht, stört sie aufgrund ihrer geringeren Bildqualität und Nachzieheffekte im Wechsel mit den hochauflösenden Szenen aus meiner Sicht den Sehfluss. Stilistisch ist das innerhalb der Filmhandlung aber eine konsequente Entscheidung. Diese Optik wurde laut Kameramann Jeremy Cox erreicht, indem man die ursprünglichen mit einer digitalen Filmkamera eingefangenen Szenen auf VHS überspielte, um tatsächliche analoge Bildbeeinträchtigungen zu erhalten. Dabei wurde Parsons zufolge auch auf eine bewusste Interlacing-Optik mit gezielt eingesetzten Bildverzerrungen zurückgegriffen.

Kane Parsons und Chiwetel Ejiofor am Set von Backrooms
Am Set wird die konkrete Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Realisierung besprochen. | Bild: Constantin Film / A24 (© Asterios Moutsokapas)

Backrooms punktet mit dezenten Gruselszenen

Die intensive Spannung ergibt sich auch aus der reduzierten Inszenierung des Films, womit vereinzelte Schockmomente deutlich stärker zum Tragen kommen. Hierbei sorgen auch der stimmungsvolle Schnitt und lange Kamerafahrten für ein tiefes Eintauchen in eine unwirklich sterile Welt. Nicht zuletzt ist es aber auch die Filmmusik, die einen unheilvollen Klangschleier über manche Szenen breitet. Nicht zu wissen, was womöglich hinter den nächsten Ecken, Türen oder nicht einsehbaren Stellen lauert, sorgt in Backrooms schliesslich für die grössten überraschenden Schreckmomente. Dazwischen ist der Film aber trotz dichter Spannungsszenen immer wieder etwas langatmig geraten. Etwa dann, wenn der Film von Raum zu Raum mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt, ohne direkt den nächsten unerwarteten Moment einzulösen.

Qualitativ aufwertend ist wiederum die Entscheidung, schaurige Szenen langsam einzuführen und mit der Wirkung von Schatten oder entfernten Elementen und Gestalten zu arbeiten. Damit löst sich Backrooms überraschend unkonventionell von den Sehgewohnheiten vieler anderer aktueller Horrorfilme ab, die ihre abgründigen oder gar ekelerregenden Szenen oftmals mit möglichst vielen, sehr konkret abgebildeten Schauwerten unterfüttern.

Pirat im Möbelladen in Backrooms
Ob der surreale Horror in die reale Welt gelangt? | Bild: Constantin Film / A24 (© Asterios Moutsokapas)

Ejiofor und Reinsve tragen den Film

Schauspielerisch wird der Film unter dem sechsköpfigen Hauptdarstellergespann hauptsächlich von Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve getragen. Während Ejiofor als Clark vor allem einen Wandel in psychotische Abgründe bereithält, gelingt Reinsve als anfänglich abgeklärt wirkende Psychotherapeutin Dr. Mary Kline im weiteren Verlauf ein von angsterfüllten Emotionen getragenes Schauspiel.

Neben der klassischen Fassung mit 110 Minuten kam zudem eine 126-minütige Everything Must Go (Extended Version) ins Kino und auf Disc. Diese enthält nach dem Abspann eine ergänzende Rückblende, die einen Bogen zum Filmanfang schliesst. Allerdings fühlt sich dieser Found-Footage-Zusatz eher nach einer künstlichen Verlängerung an, die man als Post-Credit-Szene auch deutlich gestraffter in der regulären Filmfassung hätte unterbringen können.

Renate Reinsve als Mary Kline aus Backrooms
Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) entwickelt sich zunehmend zum Bezugspunkt der Geschichte. | Bild: Constantin Film / A24

Mein Fazit zu Backrooms

Backrooms hat somit gute Ansätze, die für eine durchgehend intensive Atmosphäre sowie überraschende Schreckmomente sorgen. Kane Parsons, der zum jüngsten Regisseur in der Geschichte des Studios A24 wurde, konnte damit unter Beweis stellen, dass sich seine Webserie auch erfolgreich ins Filmformat übertragen lässt. Sicherlich ist dieses stilbewusste Regiedebüt nicht ohne Schwächen, die sich vor allem in manchen langgezogenen Momenten bemerkbar machen. Doch nach einem bereits so ausgereiften Einstand im Filmgeschäft wird es dennoch spannend sein, wie sich seine Karriere weiterentwickeln wird. Zusammen mit Curry Barker, der vor Obsession ebenfalls mit viralen YouTube-Kurzfilmen auf sich aufmerksam machte, hat das Horrorfilmjahr 2026 somit zwei sehr erfolgreiche Filme an der Kinokasse hervorgebracht, die dem Genre einen frischen Anstrich von jungen Generationen verliehen haben.

Von mir hierfür 65 von 100 Räumen!