James McAvoy und Aisling Franciosi aus Speak No Evil 2024

Speak No Evil: Ein nervenaufreibender Horrortrip im Schatten der Familienidylle!

2024 erschien in den Kinos mit Speak No Evil ein Horrorthriller-Remake auf Grundlage des gleichnamigen dänischen Spielfilms aus dem Jahr 2022. Unter der Regie von James Watkins (Eden Lake) sind James McAvoy, Aisling Franciosi, Mackenzie Davis und Scoot McNairy zu sehen. Darüber hinaus werten die Kinderschauspieler Alix West Lefler und Dan Hough den Cast auf. Im Film wird der vermeintliche Kurzurlaub einer Familie zum Horrortrip. Doch schafft es der Film, das Grauen packend aus der vermeintlichen Sicherheit aufsteigen zu lassen, oder verpufft das Geschehen in allzu generischer Gruselunterhaltung!

James McAvoy aus Speak No Evil 2024
Hier ist Paddy! | Bild: © Universal Pictures / Blumhouse Productions

Wenn der Urlaub zum Albtraum wird…

In Speak No Evil steht ein amerikanisches, in London lebendes Paar im Mittelpunkt, das im Urlaub in Europa eine britische Familie kennenlernt. Die Begegnung wirkt zunächst völlig unbeschwert: freundliche Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und der Eindruck, auf charmante, humorvolle und weltoffene Menschen getroffen zu sein. Nach der Rückkehr entsteht ein erneuter Kontakt, und das britische Paar lädt die Familie überraschend ein, einige Tage auf ihrem abgelegenen Landsitz im ländlichen Grossbritannien zu verbringen. Was als höfliche Geste und entspannter Tapetenwechsel beginnt, entwickelt sich vor Ort zunehmend in eine unangenehme Richtung. Die Gastgeber wirken eigenartig und überschreiten soziale Grenzen, während die Gäste in Situationen geraten, die sich nicht mehr stimmig oder komfortabel anfühlen. Gleichzeitig entsteht eine wachsende Spannung zwischen dem Wunsch, höflich zu bleiben, und dem inneren Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Am Ende steht nur eine Frage im Raum: Gelingt ihnen die gefahrlose Abreise?

Scoot McNairy Alix West Lefler und Mackenzie Davis aus Speak No Evil 2024 Remake
Die Familie schmiedet einen Plan, um möglichst unauffällig zu entkommen. | Bild: © Universal Pictures / Blumhouse Productions

Speak No Evil ist ein nervenaufreibender Trip

Speak No Evil gelingt es ausserordentlich stimmungsvoll, aus einer anfänglich unscheinbaren Idylle zwischen zwei Familien ein langsames Misstrauen aufsteigen zu lassen. Der Film wird dabei atmosphärisch immer dichter und spart sich seine vereinzelten Brutalitäten wirkungsvoll für seinen actionreichen Showdown auf. Bis dahin ist der Film ein nervenaufreibender Trip, der auch von seiner unheilvollen Sound- und Musikkulisse sowie den Kontrasten zwischen sommerlichen und schattigen Bildkompositionen lebt.

Die zuweilen leicht konstruierte Dynamik um ein vergessenes Kuscheltier der Tochter erscheint rückblickend als plausibel – auch aufgrund der immer wieder subtil angedeuteten Angststörung von Agnes. Wer Kinder kennt oder selbst welche hat, kennt auch grundsätzlich dieses Dilemma um dieses eine Lieblingskuscheltier. Dass diese erneute Rückkehr dann zum Verhängnis wird, mag vorhersehbar sein, doch Speak No Evil entwickelt erst dann seine vollumfängliche Kraft als schonungsloser Genrevertreter. Es passt darüber hinaus auch perfekt zum angesprochenen Jagdinstinkt von Patrick, der den Reiz nicht am Töten, sondern in psychologischen Zwangsdynamiken begründet, die sich im zweiten Akt nach der Rückkehr zunehmend einschleichen.

James McAvoy und Scoot McNairy aus Speak No Evil 2024
Patrick weiss ganz genau, an welchen Schrauben er drehen muss, um den Aufenthalt der Familie manipulativ zu verlängern. | Bild: © Universal Pictures / Blumhouse Productions

James McAvoy sorgt erneut für Grauen

Getragen wird der Film von James McAvoy, der vor allem nach seinen Darstellungen in Split und Glass für psychopathische Rollen prädestiniert ist. Mit zunächst befremdlichem Humor treibt er seinen Opfern den Spass bis zum Todesernst aus. So arbeitet der Film mit unangenehm zugespitzten Momenten und Grenzüberschreitungen, welche Patricks böse Absichten zunehmend erahnen lassen. Diese Dynamik befeuert auch das traumatisierte Kind Ant, der vom Kinderschauspieler Dan Hough verkörpert wird. Mit seiner zunächst verschlossenen und später verängstigten, aber einfühlsamen Darstellung sorgt er für einige ergreifende Szenen. Aisling Franciosi sorgt als Patricks Frau Ciara aber auch für menschlich-anmutende Augenblicke, die kurzzeitige Hoffnungsschimmer aufblitzen lassen. Doch ihr gelingt es grandios, die Kontraste zwischen gut gemeintem Anschein und tabulosen, marionettenartigen Zügen auszuspielen.

James McAvoy Dan Hough und Aisling Franciosi
Ihr wollt schon gehen? Ich hätte doch noch ein paar Zeilen an euch. | Bild: © Universal Pictures / Blumhouse Productions

Gutes Wechselspiel zwischen Dialogen und Erklärungen

Die restlichen Schauspieler wie Mackenzie Davis, Scoot McNairy und Alix West Lefler sorgen für die stimmige Aufrechterhaltung des Konstrukts zwischen Gut und Böse. Hierbei kann vor allem auch Lefler als verängstigte Tochter eine glaubhafte Performance ablegen. Die Stärke des Films liegt wiederum im authentischen Bogen zwischen Erklärungen und geheimnisvollen Andeutungen in den Dialogen. Diese lassen den Zuschauer nicht gänzlich im Unklaren, aber verhindern auch die fürs Genre oftmals totbringende Entmystifizierung. Die Musik funktioniert sowohl atmosphärisch unterstützend, aber mit Songs wie Eternal Flame von The Bangles auch als radikal ironischer Bruch.

Mein Fazit zu Speak No Evil

Speak No Evil geht als psychologisch fesselnder Unheilbringer auf anfänglich einschleichenden Samtpfoten vollends auf. Dies liegt zum einen an der intensiven Inszenierung, aber auch an den starken Darstellungen der manipulativen Antagonisten, die ihre Opfer immer weiter in ihre Falle laufen lassen. So kann das Grauen packend an die Oberfläche gelangen und noch lange in den Köpfen der Zuschauer verharren!

Das dänische Original von 2022 driftet hingegen weitaus kompromissloser und radikaler ab. Dies zeigt sich neben einigen subtileren Abweichungen vor allem in einem noch wirkungsvolleren, trostloseren Showdown. Auch die Zuspitzung der unangenehmen Momente fällt durch eine dichtere Atmosphäre spürbar schärfer aus – was dem Erstling von mir fünf weitere abgetrennte Zungen einbringt. Somit ist es besonders interessant, wie beide Filme aus der gleichen Grundprämisse am Ende ein ganz eigenes Gefühl von Unbehaglichkeit erzeugen – zwischen Hoffnungslosigkeit (Original) und Hoffnung (Remake).