Marisol Ramirez in Lloronas Fluch 2019

Llorona verbreitet Angst und Schrecken – aber nicht bei Conjuring-Fans

Die Conjuring-Macher bringen mit Lloronas Fluch einen neuen Horror-Film in die Kinos. Die unheimliche Erscheinung jagt dabei kleine Kinder, um über den Verlust der eigenen hinwegzukommen. Der Film bietet ein paar gute Momente, kann aber unmöglich mit Annabelle und The Conjuring mithalten.

Los Angeles im Jahre 1973: Die Sozialarbeiterin Anna Tate-Garcia und ihre kleine Familie wird mit der unheimlichen, mexikanischen Erscheinung «La Llorona» konfrontiert. Diese ertränkte vor über 300 Jahren ihre eigenen Kinder und geistert seither durch die Dörfer, sucht Familien heim und tötet nach kurzer Zeit den Nachwuchs. Linda betreut gerade die Familie Alvarez und deren vernachlässigten Kinder, als der Geist erneut zuschlägt. Unglücklicherweise haftet sich Llorona an Lindas Kids und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Anna aus Lloronas Fluch 2019
Linda Cardelini als Sozialarbeiterin Anna | Bild: Warner Bros.

Auf Altbewährtes gesetzt

Lloronas Fluch spielt im Conjuring-Universum und wurde von James Wan (Saw, Insidious, Annabelle) produziert. Diese Filmreihe setzt bei ihren Schockszenen gerne auf einen spärlichen Einsatz von Visual Effects (VFX). Vielmehr lassen die Macher das Publikum dank gruseligem Make-Up und Jump-Scares schaudern. Diese sind wegen den Vorgängerfilmen leider teilweise vorausschaubar, überzeugen aber dennoch durch die kreative Inszenierung von Regisseur Michael Chaves. Unglücklicherweise wurden in mehreren Trailern bereits gute Schock-Szenen gezeigt, was die Spannung wieder etwas mindert.

Was ist ein Jump-Scare?

Jump scares (engl. plötzlicher Schreck) werden oftmals in Horrorfilmen eingesetzt, um dem Zuschauer einen gehörigen Schock einzujagen. Zuerst wird mittels ruhiger Musik oder Kameraführung eine Spannung aufgebaut. Der Jump scare wird durch einen abrupten Anstieg der Musik, einem lauten Toneffekt (Schrei, Knall) oder einer blitzschnellen Kamerabewegung ausgelöst. Oftmals kombinieren Filmemacher mehrere Methoden, z.B Lassen sie nebst einem lauten Soundeffekt auch den Antagonisten ruckartig auftauchen. Hier findest du alle Jump scares aus Conjuring 2.

Auftrumpfen kann der Streifen mit einer sehr schönen und düsteren Kameraarbeit. Auch kommt der Film im Kino wunderbar zur Geltung, da gewisse Geräusche wie knarrende Türen auf unterschiedliche Lautsprecher aufgeteilt wurden und dem Zuschauer ein noch beängstigendes Gefühl vermitteln.

Zu künstliche Handlungen und teils dämliche Dialoge

Leider machen eine gute und dynamische Kameraarbeit sowie Ideen und Toneffekte (Llorona basiert auf eine lateinamerikanische Folklore) noch keinen guten Film aus. Obwohl der Streifen aus dem Conjuring-Universum stammen soll, wird dieses in der Geschichte nur minimal beleuchtet. Dies spiegelt sich auch in den geteilten Meinungen der Fans wieder, die etwas anderes erwartet hatten.

Trotz guten Schauspielleistungen von Linda Cardelini und den Kinder-Darstellern Roman Christou und Jaynee-Lynne Kinchen wirken die Dialoge und Handlungen teilweise zu künstlich und manchmal lächerlich. So zum Beispiel die Szene, als Anna die Brandmale von Llorona am Handgelenk ihrer Tochter bemerkt und diese ihr schüchtern erklärt, sie wäre halt beim Spielen gestürzt. Die Mutter reagiert daraufhin ziemlich lapidar und meint, dass das Leben halt gefährlich sei. Dabei hat Linda diese Brandwunden ein paar Filmminuten zuvor bereits bei einem anderen Todesfall gesehen, wieso also diese gekünstelte Reaktion?

Ebenso unlogisch wirkt die Situation, die zur ersten Begegnung mit Llorona führt. Welche Mutter weckt ihre kleinen Kinder mitten in der Nacht und fährt mit ihnen an einen Tatort mit Leichen und Polizei? Auch der finale Kampf mit Llorona ist nicht sonderlich neu, ähnliche Inszenierungen sah man bereits in anderen Grusel-Thrillern. Dies gilt auch für die Szene mit dem Versuch, Llorona aus dem Haus der Tates zu vertreiben. Hier hätte man aus der Story sicher noch etwas mehr herausholen können.

Jump-scare in Lloronas Fluch 2019
Jump scare-Szene aus Lloronas Fluch | Bild: Warner Bros. Ent.

Falsche Hoffnungen geschürt

Dennoch ist der rund 90-minütige Streifen kurzweilig und unterhaltsam. Auch zu Beginn wird der Zuschauer gepackt und direkt ins Geschehen versetzt, der Film kommt also von Anfang an in Fahrt.

Meiner Meinung nach wäre der Streifen bei Horrofilm-Fans besser angekommen, wenn man ihn nicht so mit dem Conjuring-Universum in Verbindung gebracht hätte. Zudem taucht die Figur Llorona, anders als die Grusel-Nonne, nicht in den bisherigen Conjuring-Filmen auf.

Auch hat man den Film gar nicht gross beworben, sondern eher in letzter Minute vor dem Kinostart angekündigt. Hingegen war unmittelbar nach dem Erscheinen von Conjuring 2 bekannt, das der Dämon Valak ein Spin-off bekommt. Vielleicht wäre es für den Ruf des Universums sinnvoller gewesen, zuerst einer bekannten Figur aus den Vorgänger-Filmen den Vortritt zu geben. Beispielsweise dem Krummen Mann aus Conjuring 2.

Es könnte aber auch sein, da Annabelle 3 im Juni 2019 in die Kinos kommt, dass sich die Produzenten gedacht haben, ein kleiner Vorgeschmack zur Einstimmung auf die Geisterpuppe könnte dem Publikum nicht schaden. Hier hat man leider bei der Marketing-Strategie auf eine falsche Erwartungshaltung gesetzt.

Fazit

Ein unterhaltsamer Horror- / Mystery-Streifen, der teilweise durch schwachen Dialog- und Handlungsmomenten etwas enttäuscht. Dank den Spezial- und Toneffekten ist er dennoch ein Kinobesuch wert ist.

Hier noch der Trailer, der leider schon viele gute Szenen des Films spoilert.

Alle Kinostarts des Jahres 2019 findest du übrigens hier in einer übersichtlichen Liste.