Louis Hofmann in 23 000 Leben

23 000 Leben: Die Geschichte aufopferungsvoller Menschen aus Deutschland.

Heute feierte 23 000 Leben von Markus Goller seine Weltpremiere am 43. Filmfest München. Am 2. Juli erscheint das Drama dann im Kino und am 17. Juli regulär auf Netflix. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, die sich vor knapp 10 Jahren ereignet haben. Wie gut ist der neueste Film mit Louis Hofmann, Mala Emde, Katharina Stark, Maria Dragus und Frederick Lau? Das gibts hier zu lesen.

HINWEIS: Wir haben anlässlich der Weltpremiere am Filmfest München Interviews mit Cast & Crew geführt. Diese findet ihr zum Netflix-Start in diesem Artikel. Er wird dann laufend aktualisiert.

Junge Menschen mit grossen Plänen

Berlin, Sommer 2015: Lukas (Louis Hofmann) hat das Abitur hinter sich, weiss noch nicht, was er studieren will und arbeitet als Aushilfskraft in einem Supermarkt. Er befasst sich intensiv mit der sich verschärfenden Flüchtlingskrise und hilft freiwillig in Aufnahmezentren mit. Als er hört, dass die Zahl der Todesopfer auf hoher See ansteigt, will er das nicht länger zulassen. Gemeinsam mit seiner Freundin Kitty (Mala Emde), seinen WG-Mitbewohnern Nina (Katharina Stark) und Mauro (Felice) sowie weiteren Freiwilligen will Lukas den Schiffbrüchigen helfen und sie selber mit einem Schiff retten. Ohne Erfahrung in der Seenotrettung gründen sie den Verein Jugend Rettet, starten eine Crowdfundingkampagne, kaufen ein altes Schiff und können Helferinnen und Helfer einstellen. Weitere Hilfe erhalten sie u.a. durch Sören (Frederick Lau) und Viola (Maria Dragus), die bereits bei Rettungen von Flüchtlingen mitgeholfen haben. Insgesamt rettete die Truppe mit ihrem Schiff Iuventa über 23 000 Menschen das Leben.

Allerdings schlägt ihnen auch viel Gegenwind entgegen. Einige Rettungsaktionen gestalten sich aus verschiedenen Gründen schwierig, Hasskommentare und das Handeln der europäischen Regierungen bezüglich der Aufnahme der Geflüchteten schlagen ihnen aufs Gemüt. Lukas und Mauro leiden an Schlafstörungen. Selbst Lukas Mutter hält nicht viel von den Plänen ihres Sohnes. Zudem werden ihre und die Arbeit der anderen NGOs durch die politische Realität erheblich erschwert.

Louis Hofmann Katharina Stark Luisa-Céline Gaffron und Felice aus 23 000 Leben
Ein Teil des Teams von Jugend Rettet. | Bild: © 2024 Netflix

Ein starkes Ensemblestück macht 23 000 Leben aus

Mit 23 000 Leben ist dem Team um Regisseur Markus Goller ein überaus starkes Werk gelungen. Es brilliert u.a. durch das eindrückliche Schauspiel des Ensembles. Obwohl Louis Hofmann der Hauptdarsteller ist, spielt er keine seiner Kolleginnen und Kollegen an die Wand, sondern lässt jedem Mitglied des Casts den Raum, um sich zu entfalten. Bemerkenswert ist auch das Tempo, mit dem die Geschichte erzählt wird. Es dauert nicht einmal 30 Minuten, schon sind die Crewmitglieder auf dem Schiff und erleben eine Einführung, wie eine Seenotrettung funktioniert. Allgemein lässt sich sagen, dass der Film eher hektisch inszeniert ist. Allerdings passt das gut zum Thema von 23 000 Leben, denn wenn es darum geht, Menschenleben zu retten, zählt jede Sekunde.

Glaubwürdige Szenen dank umfangreicher Recherche

Die Seenotrettungen an sich sind sehr detailreich geschildert. Auch die später folgenden Szenen, in denen Lukas und seine Freunde den flüchtenden Menschen helfen, sind sehr präzise dargestellt. Das liegt daran, dass das Filmteam Hilfe von Personen bekam, die tatsächlich in die Seenotrettung verwickelt waren. Konkret sind das Jakob Schoen (Gründer Jugend Rettet und Youth Matters), Titus Molkenbur (Gründungsmitglied Jugend Rettet), Benedikt Funke (Kapitän der Iuventa), Abdulraman J. (Flüchtling aus Sierra Leone) und Sascha Girke (Crew Seenotrettung Sea-Watch & Iuventa). Konkret waren Funke und Girke als Berater für das Drehbuch zuständig, begleiteten am Filmset den gesamten Produktionsprozess und leiteten vor Ort das Cast-Training. Das Resultat kann sich sehen lassen. Denn bei der Sichtung des Films erkennt man, dass hier die Griffe und Prozesse sehr fachmännisch sind.

Seenotrettungszeene aus dem Netflix-Film 23 000 Leben
Lukas und sein Team kommt Flüchtlingen zu Hilfe. | Bild: © 2024 Netflix

Mein Fazit zu 23 000 Leben

Markus Gollers neuestes Werk 23 000 Leben ist eindringlich und packend inszeniert und zeigt auf, wie wichtig es ist, für andere da zu sein. Klar, nicht jeder kann eine Crowdfunding Kampagne starten und dann gleich mit einer Crew losfahren, um Menschenleben auf offener See zu retten. Aber das ist auch nicht das Ziel des Films. Vielmehr sagt der Film aus, wie wichtig es ist, gerade in turbulenten Zeiten, auch an diejenigen zu denken, denen es nicht so gut geht. 23 000 Leben zeigt zudem, dass man etwas erreichen kann, wenn man an eine Sache glaubt und sich von Stolpersteinen nicht abhalten lässt. Man sollte sich nicht von anderen Menschen reinreden lassen, sondern für sein Ziel kämpfen.