Bill Skarsgard als Pennywise aus der Serie It Welcome to Derry

It: Welcome to Derry – Wie Es begann!

2025 wurde die von HBO produzierte Serie Es: Welcome to Derry für das deutschsprachige Publikum bei Sky Atlantic ausgestrahlt. Seit Mai 2026 ist die achtteilige erste von drei konzipierten Staffeln nun auch als physische Heimkinoveröffentlichung erschienen. Darüber hinaus ist die Serie bei diversen Streaminganbietern verfügbar. Angelegt wurde die Produktion als Prequel (Vorgeschichte) zu Es (2017) und Es Kapitel 2 (2019). Für die Entwicklung waren ebenfalls Andrés Muschietti, Barbara Muschietti und Jason Fuchs zuständig, die bereits an den Kinofilmen beteiligt waren. Ob es der Serie gelingt das Es-Universum stimmungsvoll auszubauen oder eine erzählenswerte Brücke zu den Es-Filmen fehlt, möchte ich euch in meiner Kritik verraten.

Clara Stack und Arian S Cartaya aus IT Welcome to Derry
Auch im Kino gibt Es keine Ruhe | Bild: © Home Box Office, Inc. All rights reserved.

Davon handelt Es: Welcome to Derry

In der Kleinstadt Derry häufen sich 1962 rätselhafte Todesfälle und das spurlose Verschwinden von Kindern, während zugleich gesellschaftliche Spannungen und Gewalt die Stadt zunehmend erschüttern. Im Schatten des Kalten Krieges geraten mehrere Bewohner in den Strudel unheimlicher Ereignisse, die mit einer uralten, übernatürlichen Macht zusammenhängen, die tief unter Derry lauert und alle 27 Jahre erneut Angst und Schrecken verbreitet.

Die Serie weist zunächst viele Elemente eines Coming-of-Age-Dramas auf, das sich authentisch zwischen den Kindern entfaltet. Geschickt werden jedoch immer wieder Horrorelemente eingestreut, die sich über die Episoden hinweg zunehmend verdichten. Während vor dem Intro teilweise minutenlange separate Erzählstränge und Schlüsselszenen aus früheren Jahren aufgegriffen werden, wird die eigentliche Rahmenhandlung im Anschluss fortgeführt. Dies sorgt für eine angenehme Abwechslung. Auch die beiden Haupterzählstränge zwischen Kindern und Militär sind stimmungsvoll miteinander verbunden, so dass die Erzählung immer wieder ineinander übergreift.

Jovan Adepo als Leroy Hanlon aus Welcome to Derry
Der Militär-Erzählstrang verleiht der Geschichte eine zweite Ebene. | Bild: © Home Box Office, Inc. All rights reserved.

Crossovers aus dem Stephen King-Universum

Stilistisch aber auch inhaltlich sind Parallelen wie der gleiche Schauplatz, dieselbe Bedrohung oder visuelle und erzählerische Motive zu den beiden Es-Filmen gegeben. Dies sorgt für eine einheitliche Inszenierung zwischen den Filmen und der Serie. Die Effekte der Serie sind schliesslich auf einem durchgehend hohen Niveau umgesetzt worden. Die musikalische Untermalung ist sowohl atmosphärisch sowie mit dem Einsatz von beschwingter Unterhaltungsmusik der 50er- und 60er-Jahre bewusst ironisch brechend, was wiederum die unheilvolle Atmosphäre gezielt verstärkt.

Besonders stark ist auch die Einbindung in weitere Geschichten des Stephen-King-Universums. So gibt es mit der sehr einnehmenden Figur des Dick Hallorann ein Crossover zu The Shining und Doctor Sleeps Erwachen sowie mit dem Shawshank-Gefängnis eine gelungene Referenz an Die Verurteilten.

Chris Chalk als Dick Hallorann aus Welcome to Derry
Die Einbindung von Dick Hallorann zählt zu den zentralen Crossovers der Serie. | Bild: © Home Box Office, Inc. All rights reserved.

Bill Skarsgård ist erneut als Pennywise zu sehen

Schauspielerisch überzeugt die emotional fesselnde Darstellung von Clara Stack als Lilly Bainbridge, aber auch die Darbietungen von Matilda Lawler als Marge Truman und Blake Cameron James als Will Hanlon. Unter dem Cast der erwachsenen Darsteller ist wiederum Chris Chalk mit seiner sehr intensiven Verkörperung des Dick Hallorann besonders eindringlich. Bill Skarsgård kann wiederum trotz seiner relativ kompakten Screentime als Pennywise oder Bob Gray die Szenen unter seiner Mitwirkung voll und ganz für sich dominieren. In diesen aber auch anderen Momenten neigt die Serie auch immer wieder zur effekthascherischen Überladung, wodurch die zuvor aufgebaute Spannung an Fokus verliert und sich zwischenzeitlich in Actionfantasy Elementen wiederfindet.

Matilda Lawler Amanda Christine Clara Stack Blake Cameron James Arian S Cartaya aus Welcome to Derry
Der emotional packende Kampf der Kinder gegen Es kann so manch überladenen Moment etwas ausgleichen. | Bild: © Home Box Office, Inc. All rights reserved.

Mein Fazit zu It: Welcome to Derry

It: Welcome to Derry bietet eine stilistisch stimmige Erweiterung des bekannten Universums. Der dabei rückgerichtete Blick sorgt für tiefere Einblicke in die mystischen Vorfälle um Derry. Neben eindringlichen Schauspielleistungen mit berührenden Coming of Age-Elementen sorgt auch der atmosphärische Wechsel der verschiedenen Zeitebenen für abwechslungsreiche Spannung. Lediglich in den effektreicheren Momenten verliert die Serie an Fokus und entwickelt sich zum theatralischen Zirkus-Actionfantasy-Spektakel. Für die maximale Wirkung empfiehlt es sich übrigens zuvor die beiden Kinofilme zu sichten, um mit der Serie im Anschluss noch stärker in die Abgründe von Derry einzutauchen.

Von mir hierfür 75 von 100 Ballons!

Über das Es-Franchise

Tim Curry und Bill Skarsgard als Clown Pennywise in ES - IT
Die Es-TV-Verfilmung vs. Die Es-Kinofilme. | Bild: Warner Bros. / Warner Bros. Pictures / Warner Bros. Television / Warner Home Video (Collage: Whatthefilm.ch)

Der Fernsehfilm (1990)

Die Geschichte um Es reicht bereits 40 Jahre zurück, nachdem der gleichnamige Roman von Stephen King 1986 erstmalig in deutscher Sprache erschien. 1990 folgte mit dem zweiteiligen Fernsehfilm Stephen Kings Es schliesslich die erste Adaption des Stoffes. Unter der Regie von Tommy Lee Wallace wurde diese Verfilmung u.a. mit Tim Curry, Richard Thomas, Annette O’Toole, John Ritter, Jonathan Brandis, Emily Perkins und Olivia Hussey besetzt.

Die sehr spannende und atmosphärische Inszenierung mag mit ihren 188 Minuten aus heutiger Sicht zwar etwas langatmig erscheinen, nimmt sich dafür aber viel Zeit für ihre Figurenzeichnung. Dabei fokussiert sich der erste Teil auf die Kindheitsgeschichte, während der zweite Teil die Erwachsenenhandlung stärker fortführt. Unter den Darstellern besticht allen voran Tim Currys schwarzhumorig-überdrehte Schauspielleistung als Pennywise, mit der er bis heute den Kultstatus dieser Verfilmung auf seiner Darbietung jongliert. Die Effekte sind wiederum ein Relikt ihrer Zeit geblieben, die aufgrund des eher bescheidenen Budgets das Nachsehen hatten.

TV-Film Es 1990
Der Klub der Verlierer aus Es (1990). | Bild: Warner Bros. / Warner Bros. Television / Warner Home Video

ES: Kapitel 1 (2017)

Anschliessend sollte es ganze 27 Jahre dauern bis Es 2017 auch die Kinoleinwände eroberte. Unter der Regie von Andrés Muschietti (Mama) diesmal u.a. mit Bill Skarsgård, Jaeden Lieberher (jetzt: Martell), Sophia Lillis, Jeremy Ray Taylor, Finn Wolfhard, Jack Dylan Grazer, Chosen Jacobs und Wyatt Oleff. Der Fokus liegt hier komplett auf den Kindern, die mit grandiosem Feingespür und sympathischer Chemie verkörpert werden. Die Horrorelemente sind dabei stimmungsvoll über den Film verteilt worden, der ansonsten auch eine wirkungsvolle Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt, dem seelischen Kampf gegen die Eltern oder den ersten Annäherungsversuchen zur ersten grossen Liebe erzählt.

Bill Skarsgård verkörpert Pennywise hierbei eine ganze Spur animalischer als sein Vorgänger. Hierbei scheint die Unterstützung moderner CGI-Effekte durch, während Curry wiederum mit seiner reinen Mimik und der Fernsehfilm selbst mit handgemachten Effekten zu überzeugen wusste.

Finn Wolfhard und Jaeden Lieberher Martell aus Es 2017
Der Klub der Verlierer aus ES: Kapitel 1 (2017). | Bild: © 2016 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

ES: Kapitel 2 (2019)

Das zweite Kapitel setzte dann 2019 auch die Erwachsenengeschichte fort. Unter der gleichen Regie, nun neben Bill Skarsgård, mit u.a. James McAvoy, Jessica Chastain, Isaiah Mustafa, Bill Hader, Jay Ryan und James Ransone. Eine Fortsetzung, der es aus meiner Sicht leider nicht gänzlich gelungen ist ihrem Vorgänger gerecht zu werden. Da sind einmal die erwachsenen Schauspieler, die abgesehen von Bill Hader und James McAvoy nicht die gleiche Chemie wie die Kinderdarsteller aufweisen. Zudem wird die zwischenzeitlich stimmungsvoll aufgebaute Atmosphäre durch zu viele Jumpscares unnötig unterbrochen. Dennoch besticht Kapitel 2 dank kreativer Übergänge und Schnitte, womit der Film in seinen unterschiedlichen Stadien gelungen verbunden wird.

Hier gelangt ihr zu den Trailern rund um Es!