Key Visual The Ring Key

The Ring: Sadako vs. Samara!

Ein mysteriöses Videotape, eine unheilbringende Stimme am Telefon und ein verfluchtes Mädchen sind mittlerweile fester Bestandteil der Horrorfilmgeschichte und zahllos kopiert worden. Ring – Das Original hat diese ikonischen Elemente 1998 erstmals im Kino popularisiert und brachte es auf zahlreiche japanische, eine südkoreanische und amerikanische Fortsetzung und Neuverfilmungen. Doch wie gut funktioniert der japanische Film noch heute und wie schlägt sich das amerikanische Remake dazu? Oder sind diese filmischen Kinder schon längst in den Brunnen gefallen?

Szene aus Ringu 1998
Wenn bereits Blicke töten könnten, wäre bei diesem Anblick kein Fluch mehr nötig! | Bild: Anolis Entertainment / Arrow Films

Ringu von Hideo Nakata

Der Film war bereits die zweite Romanverfilmung nach der Fernsehadaption Ring: Kanzenban (1995), die jedoch ausserhalb Japans keine weitreichende Bekanntheit erlangte. Die Literaturverfilmung entstand unter der Regie von Hideo Nakata, der auch bei der amerikanischen Fortsetzung des Remakes Ring 2 Regie führte. Besetzt wurde der Film u.a. mit Nanako Matsushima, Sanada Hiroyuki (Last Samurai), Yūko Takeuchi und Miki Nakatani (Memories of Matsuko).

Eine Reihe unerklärlicher Todesfälle sorgt in Japan für Aufsehen, bei denen die Opfer kurz nach dem Ansehen eines mysteriösen Videobands unter seltsamen Umständen sterben. Die Journalistin Reiko Asakawa stösst im Zuge ihrer Recherche auf den Fall ihrer eigenen Nichte, die ebenfalls kurz zuvor verstorben ist – gemeinsam mit drei Freunden nach einem gemeinsamen Videoabend. Als Reiko beginnt, den Ursprung des rätselhaften Videobands zu untersuchen, stösst sie auf eine urbane Legende, die von einem Fluch erzählt, der mit dem Medium selbst verknüpft ist. Um die Wahrheit hinter den Ereignissen zu finden, sieht sie sich selbst das Band an und steht plötzlich unter einem tödlichen Zeitdruck. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Ryuji versucht sie, die Hintergründe des Videos zu entschlüsseln und einen Weg zu finden, dem drohenden Schicksal zu entkommen. Ihre Ermittlungen führen sie dabei immer tiefer in eine verstörende Geschichte, die weit über einen einfachen Aberglauben hinauszugehen scheint.

Hiroyuki Sanada aus Ringu 1998
Wer das Videoband sieht wird in 7 Tagen sterben! | Bild: Anolis Entertainment / Arrow Films

Der Film nimmt sich die Zeit, die er benötigt

Ring – Das Original besticht dank seiner minimalistischen Atmosphäre, die nur auf gezielte Sound- und Toneffekte setzt. Das nur punktuell auftauchende verfluchte Wesen Sadako Yamamura bleibt ein geheimnisvolles Phänomen, das es zu entschlüsseln gilt. Dabei nimmt sich der Film viel Zeit, um ein durchgehend unbehagliches Ambiente zu erzeugen. Was hier vor allem einen entschleunigten Schnitt, eine dunkle Bildästhetik mit gezielten Lichteinfluss und nur gelegentliche Szenenmusik bedeutet. Überhaupt setzt Ring eher auf natürliche Umgebungsgeräusche, welche die bedrängte Stimmung der Figuren fesselnd umschlingt. Aus heutiger Sicht sind das Momente, die trotz der nur 95 Minuten Laufzeit manchmal auch etwas ausgedehnt erscheinen, aber auch die dezente und stimmungsvolle Wirkung eindrucksvoll unterstreichen.

Dabei sorgt Nanako Matsushimas Figur für die nötige emotionale Nahbarkeit, die den Film bis zum Schluss trägt. Ein wirkungsvolles Ambiente, das weit weniger klassische Horrorzüge annimmt und vielmehr einem psychologischen Kriminalfilm mit Elementen des Mysterydramas gleicht.

Nanako Matsushima aus Ring - Das Original (1998)
Da hilft nun auch kein fluchen mehr. | Bild: Anolis Entertainment / Arrow Films

The Ring von Gore Verbinski

Gore Verbinski hat diese minimalen Grundzüge schliesslich für seine westliche Neuverfilmung Ring 2002 auf ein effektvolleres Level gebracht. Besetzt wurde das Remake mit Naomi Watts, Martin Henderson, David Dorfman, Jane Alexander, Brian Cox, Daveigh Chase und Shannon Cochran.

Im Zentrum der US-Version steht die Journalistin Rachel Keller, die nach dem rätselhaften Tod ihrer Nichte auf eine Serie ähnlicher Vorfälle aufmerksam wird, die sich alle um ein unbekanntes Videoband zu drehen scheinen. Das Material kursiert offenbar als urbane Legende und wird mit Todesfällen in Verbindung gebracht, die stets einem festen zeitlichen Muster folgen. Rachel beginnt, den Ursprung dieses Phänomens zu recherchieren und das Band selbst zu analysieren. Dabei stösst sie auf verstreute Hinweise, die weniger eine einzelne Tat als vielmehr ein zusammenhängendes Ereignis aus der Vergangenheit andeuten, dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.

Je weiter sie der Spur folgt, desto stärker gerät sie selbst in den Einflussbereich der rätselhaften Bilder. Aus der anfänglichen Recherche entwickelt sich ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem sich die Bedeutung des Materials und seine Verbindung zu den Opfern zunehmend verdichtet und eine persönliche Betroffenheit unausweichlich wird.

Naomi Watts als Rachel Keller aus The Ring 2002
Das Ring-Video entwickelt eine ungeahnt-verfluchte Sogwirkung | Bild: ©2003 DreamWorks LLC. / Universal Pictures

Der Startschuss für japanischen Horror

Nachdem nun der Originalfilm Ringu den J-Horror und damit eine ganze Remake-Welle japanischer Horrorfilme wie The Grudge (ab 2004) oder Dark Water – Dunkle Wasser (2005) befeuerte, war es nur folgerichtig, dass bereits zuvor Ringu ein Remake erhielt. Während die verfluchte Sadako Yamamura im Original Gänsehaut bescherte, sorgte schliesslich ihre «amerikanische Schwester» Samara Morgan für spürbaren Schrecken, aber auch ikonische Greifbarkeit. Neben Freddy Krueger oder Pennywise reiht sie sich in einem prägenden Figurenkosmos des Horrorfilms ein. Dies hatte zur Folge, dass sie bis heute im popkulturellen Gedächtnis mit Parodien, Memes oder Pranks weiterlebt und losgelöst behandelt wird.

Das Remake hat mit den dämonischen Fratzen von Samaras Opfern und ihrem deutlich gezeigten Gesicht schliesslich intensivere Horrorelemente als seine Urfassung. Die mitreissend inszenierte Ermittlungsarbeit wird dabei mit effektiven Dialogen bereichert, die so die Spannung intensivieren. Darüber hinaus kann Ring auch mit einem unheilvollen Soundtrack von Hans Zimmer aufwarten, der die dramatischen Aspekte des Films verstärkt und auch nach dem Abspann im Gedächtnis bleibt. Die blaugrüne Farbpallette sorgt für eine unterkühlte und trostlose Atmosphäre, die sich konsequent in der ausweglosen Situation der Hauptfiguren einfügt. Ansonsten ist die Inszenierung dynamischer geraten, was die hier längere Laufzeit von 115 Minuten kurzweilig hält und den Kampf ums Überleben existenzieller gestaltet.

Daveigh Chase als Samara Morgan aus The Ring
Samara Morgan wurde im US-Remake von Daveigh Chase verkörpert, die in diesem Jahr mit nur 35 Jahren verstarb. | Bild: ©2003 DreamWorks LLC. / Universal Pictures

Ein Meilenstein für Naomi Watts

Für Naomi Watts war der Film zudem ein weiterer Meilenstein nach ihrem endgültigen Durchbruch mit David Lynchs Mulholland Drive (2001). Neben ihrem glaubwürdigen und mitreissenden Schauspiel überzeugt auch Kinderdarsteller David Dorfman mit einer emotional durchdringenden Performance, die sich mit anderen ikonischen Kinderschauspielern wie Haley Joel Osment in The Sixth Sense oder Macaulay Culkin in Das zweite Gesicht messen lassen kann. Im Heimkino überzeugen übrigens die 4K-Fassungen beider Filme in gut restaurierter Qualität. Ringu erschien dank Plaion Pictures sogar in mehreren Mediabook Varianten mit einigen Extras auf einer zusätzlichen Blu-ray. Ring (2002) ist neben einer Keep Case Variante wiederum in verschiedenen Steelbook Editionen erschienen. Allerdings ohne Extras auf der Disc.

Brunen in The Ring von 2002
Der ikonische Brunnen aus dem US-Remake. | Bild: ©2003 DreamWorks LLC. / Universal Pictures

Mein Fazit zu Ringu und The Ring

Am Ende haben somit beide Filme ihre Vorzüge. Während Ringu heutzutage einer atmosphärischen Entschleunigung gleichkommt, welche die Spannung intensiver als die Horrorelemente betont zeigt sich das Remake wiederum auf der effektbetonteren Seite der schaurigen Geschichte. In beiden Fällen kommt das Schauspiel der Hauptfiguren stimmungsvoll zum Tragen. Doch Ring (2002) reisst einen am Ende dann doch mehr in seinen verhängnisvollen Brunnen, wenn es im Showdown um Leben und Tod geht. Auch hat sich Samara im popkulturellen Gedächtnis stärker verankert. Doch letztlich kann man beiden Filmen ihre mystische Nachwirkung heutzutage nicht absprechen.

Die amerikanische Fortsetzung Ring 2 (2005) erweitert übrigens die Geschichte mit weiteren ereignisreichen Momenten und bringt die Story um Rachel und Aidan zum Abschluss. Nur Rings (2017) gelang es nicht mehr den Horror der Vorlage in die 2010er Jahre zu bringen, wenngleich das eigentliche Potential durch modernere Techniken wie Smartphones und Social Media verlockend gross war.