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Aladdin: Rasante Action, viel Musik und ein blauer Will Smith. Kann das gut gehen?

Wenn Sherlock-Regisseur Guy Ritchie einen Disney-Film macht.

Marc Lemdisch

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am

Aladdin greift nach der Wunderlampe
Bild: Walt Disney

Und wieder bringt Disney ein Remake einer seiner bekannten Zeichentrickfilme in die Kinos. Nebst Maleficent, Das Dschungelbuch und Die Schöne und das Biest, darf sich auch Aladdin zu den im Vorfeld eher umstrittenen Realverfilmungen zählen. Ich habe als Kind nebst dem Film und dessen Nachfolgern, auch die gleichnamige Serie gekuckt. Demzufolge war meine Erwartungshaltung ziemlich gross. Wurde sie auch erfüllt?

Zur Geschichte

Dschafar (Marwan Kenzari), Bösewicht und Groswesir des Sultans will die Macht über das Königreich Agrabah erlangen. Dazu benötigt er die sagenumwobene Wunderlampe aus der Wunderhöhle, die nur von einem Mann mit einem reinen Herz gefunden werden kann. Währenddessen schlägt sich der junge Dieb Aladdin (Mena Massoud) mit seinem Äffchen Abu durch die Strassen Agrabahs und trifft zufälligerweise auf Prinzessin Jasmin (Naomi Scott), die sich unerkannt unters Volk gemischt hat, um sich eine Auszeit vom strengen Palastleben zu gönnen. Aladdin verliebt sich in Jasmin, rettet sie aus einer misslichen Lage und wird später durch Dschafar überredet, in die Höhle einzudringen und ihm die Lampe zu besorgen. Bei der Erkundung der Wunderhöhle trifft Aladdin auf einen fliegenden Teppich und den Flaschengeist Genie (Will Smith) der ihm drei Wünsche gewährt. Dies nutzt Aladdin aus, um sich als Prinz ausgeben und Jasmin erobern zu können. Nur hat er die Rechnung nicht ohne Dschafar gemacht, dem der junge Mann irgendwie bekannt vorkommt.

Kann Will Smith mit Robin Williams mithalten?

Der Film bekam bereits in der Vorproduktion grosse mediale Aufmerksamkeit: Will Smith als Genie und Guy Ritchie als Regisseur? – in Foren und Kommentarspalten wurde Vieles heiss diskutiert. Auch die Trailer sorgten für Aufregung. Besonders Smiths Auftritt als Genie erntete Häme und Spott, erinnerte er doch an einen überdimensionalen Schlumpf mit seinem blauen Make-up. Smith hatte aber auch keine einfache Aufgabe: Als der gleichnamige Zeichentrickfilm 1992 in die Kinos kam, lieh Robin Williams dem blauen Flaschengeist seine Stimme und sorgte mit seinem Humor und Improvisationstalent für eine unantastbare Performance.

Wenn man aber die Zeichentrick-Darstellung ausklammert und das Remake als ein eigenständiges Produkt ansieht, sage ich: Will Smith macht einen super Job! Seine Humor- und Rap-Erfahrungen lässt er gekonnt in die Darstellung einfliessen und verleiht seinem Genie eine coole und lässige Art. Zwar lässt sie sich nicht mit derjenigen von Robin Williams vergleichen, aber passt vor allem wegen Smiths Redetempo sehr gut zum Film.

Aladdin und Genie im neuen Disney-Film
Will Smith blüht als Genie auf.| Bild: Walt Disney

Ritchie als Disney-Regisseur – kann das gut gehen?

Guy Ritchie (Sherlock Holmes, King Arthur, Snatch) inszeniert den Streifen mit einem unglaublichen Tempo und schnellem Schnitt. Wer sich auf eine Eins-zu-eins-Verfilmung wie bei Die Schöne und das Biest gefreut hat, wird enttäuscht. Allein der Anfang wird in gestraffter Form und anders dargestellt, als im Zeichentrickfilm. Auch gibt es die eine oder andere neue Figur, die zuerst als Sidekick agiert und zum Schluss noch eine grössere Aufgabe hat. Zudem wurden neue Handlungen eingefügt. Das alles verleiht Aladdin eine frische Note.

Leider verliert der Film mit der Zeit dann doch etwas an Tempo und somit wirkt das letzte Drittel eher langatmig, trotz einer gut gemeinten aber völlig übertriebenen Verfolgungsjagd. Der Stil von Guy Ritchie, der sich unter anderem mit Action-Sequenzen und Zeitlupeneffekten einen Namen gemacht hat, ist klar ersichtlich, aber spärlicher eingesetzt als beispielsweise bei Sherlock Holmes. Wahrscheinlich hatten die Produzenten von Disney ihre Hände im Spiel, um das Ganze doch noch ein bisschen familienfreundlich zu belassen.

Guy Ritchie gibt Anweisungen am Filmset von Aladdin.
Guy Ritchie (l.) gibt Anweisungen am Filmset von Aladdin.| Bild: Walt Disney

Wenn die Musik spielt in Agrabah

Auch die Songs kommen nicht zu kurz. Die Musical-Szenen sind nach Disney-Manier aufwändig choreografiert und gekonnt in Szene gesetzt. Dies betrifft vor allem die Lieder «Arabische Nächte», «Schnell weg», «Nur’n kleiner Freundschaftsdienst» und «Ein Traum wird wahr». Anders als im Zeichentrickfilm, bekommt Jasmin die Möglichkeit, ein sehr kraftvolles Lied zu singen. Es scheint, als ob Disney das Motiv der starken Frau im Film besonders hervorheben wollte. Leider wirkt es hier ein bisschen zu künstlich und eher deplatziert – der Streifen ist mit 129 Minuten doch ein bisschen lang. Auch gibt es zwei Lieder, die aufgrund der etwas zu opulenten Inszenierung und übertriebenen Choreografie eher an eine Mischung aus Bollywood-Film und Highschool-Musical erinnern und das Ganze ein bisschen ins Lächerliche ziehen.

Beim Set-Design und den Spezial- sowie visuellen Effekten wurde nicht gespart, sondern alles mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet, um Agrabah und dessen Schauplätze in Szene setzen zu können. Besonders bemerkenswert ist die Ausstattung des Königspalasts und des Markts. Die Kostüme sehen sehr opulent und farbenfroh aus. Das ist eine der grossen Stärken dieser Disney-Produktion: Durch die Liebe zum Detail wird dem Film, von der Atmosphäre her, eine Glaubhaftigkeit vermittelt, die das Eintauchen in die Geschichte noch besser ermöglicht.

Prinzessin Jasmin in Aladdin
Prinzessin Jasmin bekommt in Aladdin sogar einen eigenen Song. |Bild: Walt Disney

Guter Cast – nur Dschafar-Darstellung wirkt plump

Auch die schauspielerische Leistung ist bemerkenswert. Der Newcomer Mena Massoud spielt den charmanten Tagedieb Aladdin mit einer lockeren und charmanten Art, während Naomi Scott Prinzessin Jasmin die Eigenschaft einer selbstbewussten und verantwortungsvollen jungen Frau verleiht. Auch der Sultan wird besser dargestellt als im Zeichentrickfilm. Dort ist die Figur eher naiv, im Remake wirkt sie weiser und handelt überlegter. Nur bei der Schaupielerwahl von Dschafar war ich nicht zufrieden. Marwan Kenzari ist viel zu jung für die Rolle des Bösewichts und spielt den Charakter zwar bestimmt, aber ein bisschen zu brav. Dies lässt die Performance irgendwie unglaubwürdig und sogar ein bisschen nervtötend und gezwungen erscheinen. Hier dachte ich, als ich das erste mal vom Remake gehört hatte, bereits an Sir Ben Kingsley als Antagonisten mit Turban und Schlangenstock.

Bösewicht Dschafar im Film Aladdin
Bei dieser Schauspielerwahl griff Disney leider ins Klo.| Bild: Walt Disney

Was mir hingegen gefallen hat, ist die Umsetzung der computeranimierten Tiere wie Affe Abu, Papagei Jago und Tiger Rajah. Sie sehen sehr gut aus und verhalten sich, im Gegenteil zum Zeichentrickfilm, realistischer. So spricht Jago einerseits deutlich weniger und in abgehakten Sätzen, während Abu und Rajah keine übertriebene Mimik zur Schau stellen. Auch gibt es mehr Hintergrundinfos zu den Charakteren, beispielsweise erfährt man wieso Jasmin keine Mutter mehr hat oder woher eigentlich Dschafar stammt und was ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist.

Fazit

Ich empfehle das Remake allen, die offen für eine andere, knackigere Umsetzung eines Disney-Klassikers sind. Die Leistung von Will Smith als Genie ist zwar bemerkenswert, kann aber unmöglich mit der von Williams verglichen werden, dazu sind die Filme von der Gesamtbetrachtung her zu unterschiedlich. Der Streifen bietet gute Musik, und Momente zum Schmunzeln und Staunen, trotz des teilweise schnellen Schnittes. Dennoch gibt es manchmal etwas übertriebene Stellen, die etwas deplatziert und übertrieben wirken. Weniger ist mehr, wäre in dem Fall sinnvoller gewesen.

Was sonst noch im Kino läuft, siehst du in unserer Übersicht.

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Secret Obsession – wenn Netflix im Trailer schon zu viel verrät

Warum der Trailer bei Secret Obsession ein Störfaktor ist.

Marc Lemdisch

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am

In Secret Obsession erlebt der Zuschauer Brenda Song in der Rolle eines doppelten Opfers. Das klingt nach einer guten Story, doch leider ist die Umsetzung nicht gelungen. Vor allem der Trailer ist dabei der Störfaktor. Doch warum?

Jennifer aus Secret Obsession
Bild: Netflix

Zum spoilerfreien Inhalt

Jennifer Williams wird mitten in der Nacht von einem unheimlichen Unbekannten auf einem Rastplatz verfolgt. Kurz darauf wird sie von einem Auto angefahren und wacht tags darauf mit einem Gedächtnisverlust im Krankenhaus auf. Jennifer erinnert sich an nichts, weder an den Unfall, an ihre Familie noch an ihren Ehemann Russel. Sie beginnt sich jedoch nach und nach zu erholen und kann schon bald nach Hause zurückkehren. Derweil untersucht Detective Frank Page den Unfall von Jennifer.

Russel hingegen versucht Jennifer ihr altes Leben näherzubringen, verwöhnt sie und erklärt ihr alles, was in den letzten Monaten vorgefallen ist. Sie haben geheiratet, Jennifer hat den Job gekündigt, um sich auf die Familie zu kümmern und ihre Eltern sind während eines Unfalls gestorben.

Doch nach und nach entdeckt Jennifer Ungereimtheiten in den Geschichten von Russel sowie in dem grossen Landhaus, dass sie und ihr Göttergatte bewohnen. Vieles kommt ihr unheimlich und fremd vor. Ebenfalls plagen sie Flashback-ähnliche Visionen und Albträume eines Überfalls auf sie und ihren Mann. Auch Frank Page ermittelt in dem Fall und stösst auf eine grausige Entdeckung nach der anderen…

Jennifer und Russel aus Secret Obsession
Jennifer und Russel |Bild: Netflix

Idee gut, Umsetzung schlecht

Als ich auf Beschreibung und Szenenbilder stiess, war ich zuerst sehr neugierig. Ausserdem spielte Brenda Song mit, die ich noch aus der Disney-Channel-Serie Hotel Zack & Cody kannte. Darin mimte sie die arrogante, schusslige und dümmliche Hotelerbin London Tipton. Die Serie um die Streiche-spielenden-Zwillingen gehörte in meiner Kindheit klar zu meinen Favoriten.

Umso überraschter war ich, als ich Song auf dem Filmplakat sah und war gespannt, wie sie einmal einen ernsteren Charakter darstellen würde. Dies gelingt ihr auch erstaunlich gut und sie spielt das Unfallopfer, trotz der eher plumpen Dialoge, glaubwürdig. Mike Vogel, den man aus Serien wie Under the Dome kennt, spielt den geheimnisvollen und ambivalenten Ehemann auf eine ziemlich gerissene und kaltblütige Art.

Unglücklicherweise hat mir bereits der Trailer die Lust auf den Film genommen – er verrät viel zu viel, praktischen den gesamten Plot! Zuerst dachte ich noch, es gäbe eine unerwartete Wendung wie in Sixth Sense oder Shutter Island. Weit gefehlt, dabei hätte die Geschichte durchaus Potenzial, wenn man das Drehbuch ein bisschen umgeschrieben hätte. So ist der Film doch sehr vorausschaubar, dies zumindest für Zuschauer, die das Psychothriller-Genre bestens kennen.

Jennifer aus Secret Obsession
Bild: Netflix

Brenda Song klärt auf

Doch wieso wurde der Twist des Films bereits in der Vorschau verraten? Die Antwort liefert Hauptdarstellerin Song gleich selbst in einem Interview mit dem Online-Magazin Refinery 29.

«Die Zuschauer finden den Twist des Filmes vor meiner Rolle heraus. Das was so besonders an den Nerven zerrt, ist der Umstand, dass das Publikum langsam dabei zusieht wie Jennifer herausfindet, was ihm selbst schon bekannt ist», so Song über die Story.

Dies mag zwar stimmen, allerdings ist die Art und Weise wie Jennifer das Geheimnis von Russel aufdeckt, doch eher plump und unspektakulär inszeniert.

Technisch schön anzusehen

Die Kameraarbeit ist solide und beim Schnitt wurden teilweise Parallelmontagen eingesetzt. Das heisst, dass zwischen zwei Handlungslinien abwechslungsweise hin und her geschnitten wird. Da aber dem Zuschauer schon früh klar ist, was da passiert ist, kann auch eine so schöne Schnitttechnik die Geschichte nicht mehr retten.

Ewas besser ist die Filmmusik geraten, diese klimpert in einem unheimlichen Ton vor sich hin und begleitet die Akteure. Jedoch hat sei kein Ohrwurm-Faktor und kann auch nicht mit den Soundtracks von anderen Thrillern wie Shutter Island oder Inception verglichen werden.

Fazit

Eine gut gemeinte Geschichte über eine Frau, die sich in einem geschickt eingefädelten Lügengebilde zurecht finden muss. Leider haperte es bei der Umsetzung gewaltig. Der Film ist vorausschaubar und bietet nur wenige Highlights. Wer einen stressigen Tag hatte und darum nicht zuviel nachdenken möchte, greift hier in die richtige Schublade. Wer hingegen auf einen spannenden und nervenauftreibenden Thriller hofft, greift jedoch ins Klo.

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Kann sich Fast & Furious mit seinem Spin-Off Hobbs & Shaw weiterentwickeln?

Das erste Spin-Off der Actionfilm-Reihe läuft im Kino

Joël Weber

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Fast & Furious: Hobbs & Shaw ist der mittlerweile 9. Film aus dem Fast & Furious-Universum. Diesmal jedoch müssen wir auf das bekannte Team rund um Dom Toretto verzichten. Dafür bekommen wir in diesem Spin-Off eine Story rund um die Namensgeber Luke Hobbs und Deckard Shaw.

Spoilerwarnung: Dieser Artikel enthält leichte Spoiler zum Film

Die Jagd nach dem Supervirus

Um das Problem der Überbevölkerung der Erde zu lösen und somit deren Untergang zu verhindern, entwickelt eine terroristische Gruppierung einen Supervirus. Als dieser nach einer gescheiterten Übergabe aber in die Hände der Soldatin Hattie Shaw gerät, beginnt eine Hetzjagd zwischen ihr und dem kybernetischen Söldner Brixton. So wendet sich der Geheimdienst an ihren Bruder Deckard Shaw und gemeinsam mit Luke Hobbs beginnt die Suche nach dem Virus und der Kampf gegen Brixton und seine Schergen. Doch schnell wird klar, dass der Virus innerhalb weniger Tage in Hatties Körper freigesetzt werden wird und somit in die Luft gelangen könnte. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem sich das Team in die Höhle des Löwen begeben muss um Hattie und die gesamte Menschheit zu retten.

Luke Hobbs, Brixton Lore und Deckard Shaw aus Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Söldner Brixton hält Hobbs und Shaw gefangen | Bild: Universal Pictures International Germany GmbH

Noch mehr Action, noch weniger Autos

Die Reihe war noch nie für eine besonders tiefgründige Story bekannt. Vielmehr ging es um die Autos und die Action und auch Hobbs & Shaw fügt sich daher perfekt in das Franchise ein. Obschon die Handlung nicht schlecht ist, stellt die Jagd nach einem Virus natürlich keine unglaublich durchdachte Geschichte dar, worüber man aber hinwegsehen kann. Denn da, wo es dem Film an Story fehlt, kommen Jason Statham und Dwayne Johnson und ergänzen den Streifen mit ihrer masslos übertriebenen, aber unterhaltsamen Haudrauf-Action und ihrem unverkennbar guten Humor. Die beiden Schauspieler harmonieren auf der Leinwand extrem gut und so sind sowohl die Kampfszenen als auch ihre Witze sehr unterhaltsam.

Auch die restlichen Protagonisten fügen sich gut in diesen Cast ein, besonders Vanessa Kirby als Shaws Schwester Hattie hat mich sehr überzeugt. Zudem gibt es einige kurze, humorvolle Auftritte anderer Hollywood-Grössen wie Ryan Reynolds, Kevin Hart und Helen Mirren.

Luke Hobbs und Deckard Shaw aus Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Hobbs & Shaw, bereit für den Kampf | Bild: Universal Pictures International Germany GmbH

In der Vergangenheit haben sich die Filme der Fast & Furious-Reihe immer mehr von Autofilmen zu Actionfilmen gewandelt und auch Hobbs & Shaw macht vor diesem Trend nicht Halt. Leider sind die Autos und das Tuning mittlerweile fast gänzlich aus dem Film verschwunden und nehmen nur noch in wenigen Szenen einen Platz ein. Dafür überzeugt der Film mit seiner Action, seinem Cast und besonders durch seinen Humor. So kann Hobbs & Shaw auch von Zuschauern genossen werden, die nicht unbedingt Fans der originalen Reihe sind, sich aber auf 137 Minuten Kampfszenen, Explosionen und übertriebene, humorvolle Testosteron-Action einlassen können.

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Er war der Vorreiter der modernen Superhelden. Was macht eigentlich Ex-Blade-Darsteller Wesley Snipes?

Er war ein Superstar, der ins Gefängnis musste. Was macht Wesley Snipes heute?

Peejay Eisenheim

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Als Blade 1998 in die Kinos kam, veränderte der Marvel-Film das Superhelden-Genre nachhaltig. Wesley Snipes war nicht nur ein Superheld, wie man ihn bis anhin noch nicht kannte, sondern auch der erste schwarze Marvel-Superheld in einem Film – also 20 Jahre vor Black Panther.

Wesley Snipes als Blade.
So haben wir ihn kennen und lieben gelernt: Wesley Snipes als Blade. | Bild: Kinowelt

Doch nach drei Blade-Filmen wurde es ruhig um die Reihe, was vor allem auch an Snipes selbst lag. Der Schauspieler soll nicht nur eine regelrechte Diva auf dem Filmset gewesen sein, sondern machte sich auch des Steuerbetrugs schuldig. Und schwupps, landete der einst gefeierte Filmstar im Gefängnis. Vom 9. Dezember 2010 bis 2. April 2013 sass er hinter Gitter. Nach seiner Entlassung musste er noch fast ein halbes Jahr Hausarrest absitzen. Damit war Snipes Karriere natürlich geknickt.

Das machte Snipes nach dem Gefängnis

Nachdem Snipes seine Strafe verbüsst hatte, fand nur sehr schwer wieder ins Film-Business zurück. Zwar hatte er bis Mitte der Nullerjahren zu den ganz grossen Stars von Hollywood gehört, doch von diesem Ruhm war nicht mehr viel übrig. Sein erstes Engagement erhielt er im Action-Film The Expendables 3. Die Nebenrolle bekam er vor allem, weil er mit Produzent und Darsteller Sylvester Stallone gut befreundet ist.

Wesley Snipes in The Expendables 3
Wesley Snipes in The Expendables 3. | Bild: Splendid Film

Der Auftritt in The Expendables 3 brachte Snipes zwar kurzzeitig wieder etwas Publicity und verhalf ihm zumindest zu einer weiteren Rolle. Zu seinem Unglück wurde der Film Chi-Raq von Spike Lee nur in einigen wenigen Kinos veröffentlicht und so blieb sein Auftritt beinahe unbemerkt.

Dazwischen versuchte sich Snipes auch in einer Serie namens The Player, die allerdings grösstenteils unbeachtet blieb. Auch danach wollte Snipes Comeback nicht wirklich fruchten: zwei weitere Filme, in denen er sich wieder als Action-Star etablieren wollte, erschienen direkt auf DVD.

Das Hoffen auf Blade 4

Während dieser ganzen Jahre nach dem Gefängnis äusserte sich Snipes immer wieder zu einem weiteren Blade-Film. Dabei bekundete er stehts Interesse, den Daywalker in einem vierten Film zu spielen, was angesichts seiner Situation nicht wirklich verwunderlich war. Eine Zeit lang behauptete Snipes sogar, dass er mit Kevin Feige gesprochen habe.

Dass Kevin Feige aber tatsächlich Interesse haben würde, Snipes als Blade zurückzuringen, erschien schon immer sehr unwahrscheinlich. Die Blade-Filme stammen noch aus einer Zeit, bevor Marvel zu Disney gehörte. Es dürfte kaum im Interesse des Mauskonzerns gewesen sein, die blutigen Filme mit dem familienfreundlichen Image des Konzerns in Verbindung zu bringen. Ausserdem war Snipes mit seinen über 60 Jahren auch nicht mehr wirklich im Alter eines Action-Stars à la Blade. So war es also nicht überraschend, dass Marvel für Blade nicht mehr auf Snipes setzte. Überraschend war eigentlich nur, dass Marvel so rasch ein Blade-Reboot ankündigte.

So hat Wesley Snipes auf seine Absetzung reagiert

Snipes dürfte von der Ankündigung, das Maheshala Ali seine Rolle als ikonischer Vampirjäger übernimmt, genauso überrascht gewesen sein, wie seine Fans. Diese halten ihm noch immer die treue und waren entsprechend aufgebracht über die „Absetzung“ von Snipes.

Mahershala Ali in Alita: Battle Angel
Mahershala Ali in Alita: Battle Angel. | Bild: 20th Century Fox

In einem Interview mit The Wrap gab sich Snipes aber versöhnlich und forderte seine Fans dazu auf, sich zu beruhigen:

„An alle Daywalker, die gerade ihren Verstand verlieren: chillaaxx. Obwohl die Neuigkeiten überraschend kamen, ist ALLES GUT. So ist eben die Unterhaltungsindustrie. Viel Frieden an die MCU-Crew – ich war schon immer ein Fan. Ehre und Respekt an Grossmeister Stan. Gratulation und Salaam an Mahershala Ali, ein grossartiger und talentierter Darsteller, dessen Darstellungen ich noch viele Jahre miterleben möchte. Inshallah, dass wir eines Tages zusammenarbeiten werden.“

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