Simba aus König der Löwen

Kritik: So brüllt Simba im Remake von Der König der Löwen

Nachdem Disney uns im Mai mit Aladdin verzaubert hat, kommt schon das nächste Remake eines Zeichentrick-Klassikers ins Kino: Der König der Löwen

Vor 25 Jahren erschien das Drama um den Löwenjungen Simba und sorgte bei vielen, egal ob Kinder oder Erwachsene, für Tränen in den Augen. Dem Film folgten zwei Fortsetzungen sowie eine Serie. Auch gibt es eine Musical-Adaption von Der König der Löwen, die in vielen Städten noch immer für ausverkaufte Vorstellungen sorgt. Die Erwartungen an den Streifen war dementsprechend hoch, zumal es sich um das Remake des, kommerziell gesehen, erfolgreichsten Zeichentrickfilms von Disney handelt.

Zum allseits bekannten Inhalt

Es herrscht eine helle Aufregung im geweihten Land: Der Königsohn Simba ist geboren und soll eines Tages Nachfolger von König Mufasa werden. Dies passt Mufasas Bruder Scar gar nicht, er will sich den Thron unbedingt unter die Klauen reissen.

Gemeinsam mit dem Hyänenrudel heckt er einen tückischen Plan aus, um Mufasa zu töten und Simba davonzuscheuchen. Dies gelingt ihm und Simba flüchtet, findet aber Zuflucht bei Erdmännchen Timon und Warzenschein Pumbaa. Unter ihrer Obhut und mit dem neuen Lebensmotto Hakuna Matata wächst er zu einem stattlichen Löwen heran.

Derweil ziehen unter der Herrschaft Scars dunkle Wolken über das geweihte Land. Als Simbas Jungendfreundin Nala ebenfalls aus der praktisch vernichteten Heimat flieht und per Zufall auf Simba stösst, versucht sie ihn zu überzeugen, seinen rechtmässigen Platz als König einzunehmen und Scar zu stürzen. Gemeinsam machen Simba, Nala, Timon und Pumbaa sich auf in den Kampf und versuchen, das geweihte Land zu retten.

Scar aus König der Löwen
Scar führt nichts gutes im Schilde. | Bild: Walt Disney

Die Animationen überzeugen

Im Gegensatz zum kürzlich erschienenen Aladdin handelt es sich hier praktisch um eine Eins-zu-eins-Umsetzung des Zeichentrickfilms. Es gibt zwar einige abgeänderte Dialoge und etwa drei bis vier neue Szenen, aber ansonsten ist es der gleiche Film wie 1994, einfach auf eine andere Art realisiert. Was genau neu ist, verrate ich hier jedoch nicht.

Regie führte Jon Favreau, der schon die Realfilm-Adaption von Das Dschungelbuch umgesetzt hatte. Damals sorgte der Streifen für grosses Erstaunen: Noch nie wurden Tiere so realistisch mit CGI (Computer Generated Imagery) dargestellt. Diese Technik kommt auch in Der König der Löwen zum Einsatz und sorgt für wunderbare Bilder. Die Animationen sind schön und die Tiere realistisch dargestellt. Ihre Bewegungen, ihr Fell oder Federn – man könnte meinen, die Crew hätte die Kamera direkt in einer Steppe in Afrika aufgestellt. Auch wurden bei den Dreharbeiten auf eine überzeugende Mimik gesetzt, das heisst, die Maul- oder Schnabelbewegungen der Tiere sind nicht so übertrieben animiert, wie man es sich beispielsweise von den Garfield– oder den Cats-&-Dogs-Filmen gewohnt ist.

Im Gegensatz zum Zeichentrickfilm sind die bekannten Musical-Szenen nicht so abstrakt und cartoon-mässig übertrieben inszeniert, was ich super fand. Beispielsweise beim Song «Ich will jetzt gleich König sein», wo die Tiere im Originalfilm ein Turm bildeten und Simba und Nala hochheben. Dies ist in der neuen Produktion überhaupt nicht so dargestellt. Auch wirken einige Schauplätze, beispielsweise der Friedhof der Elefanten, nicht mehr so düster als die Variante im Zeichentrickfilm.

Diese und weitere überdrehte Darstellungen, wie die minderbemittelte Hyäne, wurde in der Neuverfilmung komplett weggelassen und bewusst auf Naturalismus gesetzt. Ebenfalls erfreulich ist, dass die Bildeinstellungen vom Originalfilm, bis auf wenige Ausnahmen, nicht Eins-zu-eins fürs Remake übernommen wurden.

Timon und Pumbaa aus König der Löwen
Die Stimmungskanonen Timon und Pumbaa zeigen Simba wie man lebt.| Bild: Walt Disney

Der Nachteil an Fotorealismus

Die begrenzten Mimik-Möglichkeiten der Tiere sorgen aber auch für Einbussen. So zum Beispiel bei emotionalen Momenten wie der legendären Trauer-Szene. Diese wirkt in meinen Augen nicht mehr so mittreissend wie im Original, da nicht mal Tränen bei Simba fliessen. Die Filmemacher haben dieses Hindernis umgangen, indem die Synchronsprecher mit ihren Stimmen die Emotionalität verstärkt haben. Keine schlechte Lösung.

Der Naturalismus führt ebenfalls dazu, dass manche Szenen in meinen Augen ein bisschen brutal dargestellt werden. Beispielsweise der Showdown auf dem Königsfelsen. Vom Feuer und Donner umgeben, kämpfen die Löwen gegen Hyänen und Simba gegen Scar. Und das alles in einer Optik, die gut an eine Kampfszene aus einem Guy-Ritchie-Film erinnert. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Szene für die jüngsten Kinogänger nicht doch ein kleinwenig zu intensiv ist.

Gewohnt grossartiger Soundtrack

Für die Filmmusik konnte wie bereits 1994 Hans Zimmer gewonnen werden. Der Soundtrack ist grösstenteils derselbe wie im Original, hie und da hat es aber ein paar neue Elemente drin. Die Lieder stammen von Elton John und Tim Rice und kommen auch in der neuen Variante super zur Geltung. So ist auch Elton Johns Hammersong «Kann es wirklich Liebe sein» («Can You Feel the Love Tonight») von Regisseur Favreau wunderbar in Szene gesetzt worden, und nicht so schnulzig geraten wie im Original. Beyoncé nahm ebenfalls einen Song auf, der eine Szene sehr gut untermalt.

Nala und Simba aus König der Löwen
Nala und Simba treffen sich nach langer Zeit wieder. | Bild: Walt Disney

Fazit

Für mich ein wunderschönes Remake des Disney-Klassikers, obwohl die Magie des Zeichentrickfilms durch die CGI-Tiere ein bisschen verpufft ist. Dafür ist die fotorealistische Darstellung von Simba und Co. gut gelungen und wirkt sehr intensiv. Die Originalsongs und Hans Zimmers Soundrack ergänzen die Handlung perfekt und sorgen an machen Stellen für Gänsehautmomente.