Seit 13. Juli 2026 kann die unkonventionelle und von der Fachpresse gefeierte Comedy-Serie Das Manko im ZDF-Streamingportal geschaut werden. Zudem wurde die Produktion im Nachtprogramm des Senders vom 17. auf den 18. August verheizt. Die vierteilige Miniserie wurde von Stromberg-Regisseur Arne Feldhusen mit einem elfköpfigen Schauspiel-Kollektiv inszeniert. Weitere Rollen haben u.a. Bjarne Mädel als Behördenchef und Sophie Rois als Off-Erzählerin übernommen. In der Serie wird der Berufsalltag auf den Kopf gestellt, nachdem eine Gruppe Behördenangestellter versehentlich zu einer Fortbildung für künftige Führungskräfte geschickt wird. Doch kann diese ungewöhnliche Serie, die weitgehend auf Physical Comedy setzt, funktionieren oder ist ihr Manko am Ende auch ihre Schwäche, die ein grösseres Publikum verhindert?

Eine absurde Odyssee
In einer deutschen Behörde haben sich elf ziemlich unfähige Angestellte, die sogenannten Mankos, ihren ganz eigenen Arbeitsalltag eingerichtet. Von ihrem wohlwollenden Chef in Schutz genommen, kommen sie trotz ihrer zahlreichen Eigenheiten und mangelnden Fähigkeiten erstaunlich gut durchs Berufsleben. Als jedoch eine Unternehmensberatung die Behörde überprüft, droht ihre Inkompetenz aufzufliegen. Durch eine folgenschwere Verwechslung werden die Mankos allerdings nicht aussortiert, sondern ausgerechnet einem Weiterbildungsprogramm für High Performer zugeteilt. Damit beginnt für die ungewöhnliche Gruppe eine zunehmend absurde Odyssee durch verschiedene Arbeitswelten, in denen sie immer wieder mit Regeln, Hierarchien und Aufgaben konfrontiert wird, für die sie denkbar ungeeignet erscheint.

Eine mutige Idee des ZDFs
Es ist schön zu sehen, dass es in der deutschen Serienwelt noch mutige Ideen, kreative Köpfe und entsprechende Entscheidungsträger gibt, die ein solches Projekt möglich machen. Das Manko ist nämlich herrlich unkonventionelle Slapstick-Unterhaltung, die mit ihren vier Folgen in nur 90 Minuten zu Ende gestreamt ist. Die besondere Stärke ist aus meiner Sicht auch gleichermassen ein Paradoxon, denn trotz der kurzen Laufzeit nimmt sich die Miniserie ausreichend Zeit, um ihre einfache Prämisse mit komödiantischer Kreativität auszugestalten. Die überschaubare Folgenanzahl verhindert wiederum, dass sich irgendwann Ideen zu oft wiederholen oder das Konzept zu Tode läuft. Wenngleich es sicherlich noch genügend Potenzial gäbe, um die Truppe auf weitere Berufsabenteuer zu schicken. Aus berufsnahen Situationen, ungewöhnlich einfallsreichem Nonsens und surrealen Versatzstücken wird diese Physical Comedy schliesslich gefüttert. Hierbei entstehen Momente, die den Slapstick effektiv ausreizen, um in der gezielten Beobachtung und Wiederholung ihre komödiantische Wirkung zu entfalten.

Das Manko ist ein kunterbuntes Sammelsurium an Absurditäten
Dem Schauspiel-Kollektiv um Sarah Bauerett, Carol Schuler, Julia Schubert, Bastian Reiber und Co. spürt man die langjährige Erprobung ihrer Figuren an. Dies kommt der Serie immer wieder zugute, da das komödiantische Timing hier so feinsinnig zum Einsatz kommt. Einen besonders komischen Kontrast erzielt aber auch die Off-Erzählerin Sophie Rois, die die Gruppe wie eine tierische Herde einer Naturdoku begleitet. Darüber hinaus kann Bjarne Mädel wiederum als absoluter Sympathieträger von sich reden machen.
Sicherlich wirkt die Serie in manchen Szenen wie ein kleines Sammelsurium aus verschiedenen stilistischen Einfällen und gesellschaftlichen Themen. Wenn so zum Beispiel eine minutenlange Zeitraffersequenz den Tod im Krankenhaus ad absurdum führt, LGBTQ-Thematiken einbezogen oder der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen in einem Musical ausgetragen wird. Doch auch wenn sich hier der Witz manchmal selbst zu Tode überrollt, bleibt es eine besondere Mischung, solche ernsten und nach wie vor brisanten Themen wie auch Gleichberechtigung ins Comedy- und Slapstick-Genre zu überführen.
Besonders eindrücklich bleibt auch der Schnitzeltag, der zu einem einzigen Trauerspiel wird, nachdem die übersteigerten Ernährungstrends einzelner Personen zum Gruppenzwang führen. Wenn dann in der letzten Folge ein kurz zuvor noch lebendes Tier verspeist wird, mag für viele die Grenze des guten Geschmacks überschritten sein. Doch eine Empörung darüber kann durchaus etwas Doppelmoralisches haben. Ebenso zeigt sich hier eine konsequente Entladung einer unter Druck stehenden und sich ständig anpassenden Gesellschaft, die letztlich zur Groteske gesteigert wird. Selbst wenn die Serie nun hierzulande nicht den grossen Erfolg beim Publikum feiern sollte, dürfte sie international aufgrund ihrer wenigen Dialoge und einfachen Grundprämisse sehr gut zu vermarkten sein.

Mein Fazit zu Das Manko
Das Manko ist als komödiantisches Serienexperiment somit alles andere als gewöhnlich, aber genau darin liegt auch seine Stärke. Die Serie reizt selbst verschiedene Erzähl- und Stilformen aus und nutzt hierfür die Physical Comedy als verbindendes Element. Massentauglich mag das vielleicht nicht sein, aber in jeder Hinsicht künstlerisch wertvoll und international vermarktbar.
Dieser Artikel ist auch bei Substack erschienen!


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