Whoopi Goldberg als Celie aus Die Farbe Lila

Die Farbe Lila: Grosses Emotionskino mit Whoopi Goldberg

In diesem Jahr habe ich mal wieder Steven Spielbergs Filmklassiker Die Farbe Lila (1985) gesichtet, der im August 2026 vor 40 Jahren in die deutschen Kinos kam. Der Film nach dem gleichnamigen Roman von Alice Walker war der filmische Durchbruch für Whoopi Goldbergs Karriere. Neben ihr sind Danny Glover, Margaret Avery, Oprah Winfrey, Akosua Busia, Adolph Caesar, Rae Down Chong, Willard Pugh und Laurence Fishburne in weiteren Rollen zu sehen.

Das Leben von Celie

Die Farbe Lila erzählt die Lebensgeschichte der jungen afroamerikanischen Celie, die im ländlichen Süden der USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter schwierigen familiären Verhältnissen aufwächst. Früh von ihrer Schwester Nettie getrennt, muss sie sich in einer von Gewalt, Unterdrückung und gesellschaftlichen Zwängen geprägten Umgebung behaupten. Im Laufe der Jahre wird Celie mit einer lieblosen Ehe und einem Alltag konfrontiert, der ihr kaum Raum zur Selbstentfaltung lässt. Doch durch die Begegnungen mit starken, unabhängigen Frauen – darunter die selbstbewusste Sängerin Shug Avery – beginnt sie langsam, ihre eigene Stimme zu finden und sich gegen die Umstände ihres Lebens aufzulehnen.

Whoopi Goldberg aus Die Farbe Lila
Celie (Whoopi Goldberg) kämpft sich in ein besseres Leben. | Bild: Warner Bros. Pictures / Amblin Entertainment

Die Farbe Lila profitiert dank Spielberg, Goldberg und Glover

Mit Die Farbe Lila hat Steven Spielberg gezeigt, dass er neben überwiegend leichter Unterhaltungskost auch zunehmend ernste und gesellschaftlich relevante Themen inszenieren konnte. Diese fanden daneben in Werken wie Schindlers Liste ihren kompromisslosen Ausdruck. In einer opulenten Laufzeit von 148 Minuten entfaltet Die Farbe Lila eine zutiefst tragische, aber auch zunehmend hoffnungsvolle Geschichte. Trotz vereinzelter Längen benötigt der Film diesen Umfang, um Celies Leben und das ihres Umfelds in all seiner emotionalen Strahlkraft vollumfänglich einzufangen.

Celie, die über die Jahre hinweg zur selbstbewussten Frau heranreift, wird dabei beeindruckend von Whoopi Goldberg verkörpert, die den emotionalen Wandel ihrer Figur authentisch zum Vorschein bringt. Allen voran, wenn sie im Verlauf des Films zunehmend den Mut zu ihrer eigenen Stimme findet, um sich aus den Fesseln ihres bisherigen Lebens zu befreien.

Danny Glover als Albert aus Die Farbe Lila
Am Ende setzt sie der Gewalt in ihrem Leben ein Ende. | Bild: Warner Bros. Pictures / Amblin Entertainment

Es ist nahezu unmöglich, sich der feinfühlig inszenierten Geschichte, die ein breites Emotionsspektrum bedient, zu entziehen. Viel zu sehr fiebert man hier Celies Suche nach sich selbst entgegen. Da verzeiht man dem Film auch die eine oder andere klischeebeladene Figureninszenierung, die anfänglich sehr auf mitleidige Akzente setzt, später jedoch auch die kraft- und respektzollende Befreiung seiner Frauenfigur in den Fokus rückt.

Auch Danny Glover verleiht seiner Figur des aggressiven Albert Johnson eine beklemmende Skrupellosigkeit. Gleichzeitig erhält sein Charakter in einigen unbeholfenen Momenten auch eine humoristische Note. Überhaupt findet Spielberg eine überaus harmonische Mischung aus dramatischen, aber auch vereinzelten komödiantischen Szenen, die er wiederum für Schindlers Liste gänzlich beiseitelegt. Allen voran Willard Pugh als Harpo Johnson sorgt mit seiner Tollpatschigkeit für so manche Lacher, die die emotional angespannteren Momente merklich auflockern.

Oprah Winfrey als Sofia aus Die Farbe Lila
Harpo stellt seine zukünftige Frau vor. Wer hier wohl die Hosen anhat? | Bild: Warner Bros. Pictures / Amblin Entertainment

Ein märchenhaft-verträumtes Setting mit Kontrasten

Visuell vermischt die Kameraarbeit von Allen Daviau ein märchenhaft-verträumtes Setting, das aber auch zu tristen Farbtönen wechselt, welche den grauenvollen Alltag von Celie einfangen. Die Kamera ist dabei immer wieder mitten im Geschehen, um die teils schockierenden Dynamiken wirkungsvoll zu offenbaren. Auch musikalisch ist jederzeit zu spüren, dass Michael Jacksons Musikproduzent Quincy Jones hier Herz und Seele reingesteckt hat, um den grossen Gefühlen der Geschichte eine warmherzige Stimme zu geben. Bei den Oscars war Die Farbe Lila jedoch ein grosser Verlierer und ging trotz elf Nominierungen in Kategorien wie Bester Film, Beste Hauptdarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch oder Beste Kamera leer aus.

Whoopi Goldberg als Celie in Die Farbe Lila
Whoopi Goldberg ist die perfekte Besetzung für kraftvolle Frauenfiguren wie Celie. | Bild: Warner Bros. Pictures / Amblin Entertainment

Mein Fazit zu Die Farbe Lila

Dennoch hat Steven Spielberg mit Die Farbe Lila grosses Emotionskino geschaffen, das der afroamerikanischen Kultur mit Themen wie Rassismus und Unterdrückung eine berührende, cineastische Stimme verliehen hat. Darüber hinaus ein essenzieller Karriereschritt auf dem Weg zu seinem späteren ersten Regie-Oscar für Schindlers Liste (1993).

Von mir gibt es dafür 90 von 100 Blüten!