Katharine Houghton als Joey und Sidney Poitier als John aus Rat mal wer zum Essen kommt

Rat mal, wer zum Essen kommt: Ein fabelhaftes Plädoyer gegen Rassismus

In diesem Jahr habe ich mit Rat mal, wer zum Essen kommt (1967) einen grossen Filmklassiker nachgeholt. Unter der Regie von Stanley Kramer (Urteil von Nürnberg und Eine total, total verrückte Welt) ist der Film im Hauptcast mit Sir Sidney Poitier, Katharine Houghton, Spencer Tracy und Katharine Hepburn besetzt worden.

Kein entspanntes Abendessen

In Rat mal, wer zum Essen kommt, bringt Joanna ihren Verlobten John zum Abendessen mit nach Hause – und stellt damit ihre liberalen Eltern vor eine unerwartete Herausforderung: Der Mann ist schwarz, während sie selbst aus einer weissen, wohlhabenden Familie stammt. Was zunächst wie ein freudiges Kennenlernen beginnt, entwickelt sich schnell zu einer intensiven Auseinandersetzung mit tief verwurzelten Vorurteilen, gesellschaftlichen Normen und dem eigenen Selbstbild. Im Laufe des Abends werden dabei nicht nur die Ansichten der Eltern, sondern auch die Haltung beider Familien gegenüber einer gesellschaftlich damals kontroversen Partnerschaft auf die Probe gestellt.

Katharine Houghton Sidney Poitier Katharine Hepburn und Spencer Tracy aus Rat mal wer zum Essen kommt
Die Familie muss die Nachricht der bevorstehenden Heirat erstmal verdauen und sich mit ihren eigenen Vorurteilen auseinandersetzen. | Bild: Columbia Pictures / Columbia TriStar Home Entertainment

Ein stark dialoggetriebenes Kammerspiel

Der zehnfach oscarnominierte Filmklassiker, der schliesslich zwei Auszeichnungen für die beste Schauspielerin Katharine Hepburn und William Rose fürs Drehbuch mit nach Hause nehmen konnte, zählt noch heute zu den wichtigsten Filmen der Hollywoodgeschichte. Stanley Kramer hat hier ein stark dialoggetriebenes Kammerspiel geschaffen, das sich noch heute als wirkungsvolles und noch immer brisantes Plädoyer gegen Rassismus entfaltet. Der Rassismus, den der Film dabei in seinem unverblümten Endresümee festhält und das spiessbürgerliche Milieu der 60er somit schonungslos offenlegt, ist heutzutage stärker und subtiler verlagert und versteckt.

So findet er sich in alltäglichen Bereichen wie der Diskriminierung bei der Wohnungssuche, auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungssystem, im Polizei- und Justizwesen bis hin zu stereotypischen Darstellungen in der Medien- und Popkultur oder rassistischen Beleidigungen im Netz. In einer Gesellschaft, die sich einerseits so sehr um Diversität bemüht, findet der Rassismus somit weit weniger oberflächlich, sondern tiefgründiger in systemischen Strukturen statt.

Sidney Poitier in Rat mal wer zum Essen kommt
John kämpft aus vollster Überzeugung für Toleranz. | Bild: Columbia Pictures / Columbia TriStar Home Entertainment

Die traurige Wahrheit hinter Rat mal, wer zum Essen kommt

Rat mal, wer zum Essen kommt, ist aber kein reines Lehrstück, sondern geht vor allem dank der starken Schauspielleistungen des gesamten Hauptcasts zu Herzen. Allen voran Katharine Hepburn sorgt hier für berührende Momente, wenn sie etwa beginnt, für das Glück ihrer Tochter entgegen aller Widerstände zu kämpfen. Besonders tragisch ist der Film auch im Zusammenhang mit dem Ableben des grossen Charakterdarstellers Spencer Tracy, der in der Rolle des Matt Drayton einen würdigen Abgang hinlegt. Tracy, der bereits lange Zeit an Herzproblemen litt, starb 17 Tage nach Beendigung der Dreharbeiten mit 67 Jahren.

Das gesamte Team wusste um seinen baldigen Tod Bescheid und sicherte sich finanziell ab, falls Tracy den Film nicht mehr hätte beenden können. Katharine Hepburn, die in einer geheim gehaltenen und erst nach seinem Tod publik gewordenen Beziehung mit Tracy lebte, pflegte ihn in seinen letzten Jahren. So waren ihre Emotionen, während Tracys finalen Monologs, auch deshalb so authentisch, da sie wusste, dass es seine letzten Sätze in einem Film sein würden.

Katharine Hepburn als Christina und Spencer Tracy als Matt aus Rat mal wer zum Essen kommt
Katharine Hepburn und Spencer Tracy harmonieren aufgrund ihrer engen, privaten Verbundenheit sehr gut miteinander. | Bild: Columbia Pictures / Columbia TriStar Home Entertainment

Eine wichtige Regiearbeit für Stanley Kramer

Auch Sir Sidney Poitier, der mit Lilien auf dem Felde 1964 als erster afroamerikanischer Schauspieler einen Oscar gewann, überzeugt mit seinem Schauspiel. Seine selbstbewusste und autoritäre, aber dennoch einfühlsame Darstellung von Dr. John Prentice ist letztlich der essenzielle Grundpfeiler zur Wirkungskraft des Films. Katharine Houghton bringt wiederum als Joanna Drayton eine verspieltere Art ins ansonsten nachdenklich-gestimmte Ensemble ein. Für Stanley Kramer entwickelte sich Rat mal, wer zum Essen kommt, neben Das Urteil von Nürnberg zu seinen wichtigsten Regiearbeiten. Ein mutiger Film, der sich einem damals politisch kontroversen Thema widmete und zu einem der Türöffner für nachfolgende ernstanagelegte Rollen vieler afroamerikanischer Schauspieler wie Whoopi Goldberg, Angela Bassett, Morgan Freeman oder Denzel Washington wurde.

Roy Glenn spielt Mr Prentice
John muss seine Familie, darunter seinem Vater Mr. Prentice (Roy Glenn) ebenso von seiner grossen Liebe überzeugen. | Bild: Columbia Pictures / Columbia TriStar Home Entertainment

Mein Fazit zu Rat mal, wer zum Essen kommt

Rat mal, wer zum Essen kommt, ist damit aus verschiedensten Perspektiven beeindruckend und filmgeschichtlich relevant. Als fabelhaftes Plädoyer gegen Rassismus, als letzter und einer der kommerziell erfolgreichsten Filme mit Spencer Tracy, einem der wichtigsten Filme von Stanley Kramer und zugleich einem einflussreichen Wegbereiter für viele nachfolgende afroamerikanische Schauspieler im ernsten Charakterfach.