Am 6. November 2025 lief der Politthriller The Change in den deutschen Kinos und ist seit 26. Februar kostenpflichtig bei diversen Streaminganbietern verfügbar. Unter der Regie von Jan Komasa (Good Boy) versammelt der dystopische Film ein Ensemble um Diane Lane, Kyle Chandler, Zoey Deutch, Mckenna Grace, Madeline Brewer, Dylan O’Brien und Phoebe Dynevor. Als eine angesehene Professorin erkennt, dass die neue Partnerin ihres Sohnes zur treibenden Kraft einer radikalen politischen Bewegung geworden ist, geraten sowohl ihr Familienleben als auch ihr eigenes Weltbild ins Wanken. Doch gelingt es The Change, diesen radikalen Umschwung glaubhaft darzulegen und das hochbrisante Thema kritisch aufzuarbeiten oder wird hier nicht mehr als dicke rechte Luft geboten, die substanzlos zu verpuffen droht?

Politische Spannungen am heimischen Esstisch
In The Change geht es um die angesehene Professorin Dr. Ellen Taylor, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul ihren 25. Hochzeitstag feiert. Das scheinbar gefestigte Familienidyll bekommt jedoch Risse, als ihr Sohn Josh seine neue Freundin Liz vorstellt. Für Ellen ist die junge Frau keine Unbekannte: Sie erkennt in ihr eine frühere Studentin wieder, die einst durch radikale politische Ansichten von sich reden machte. Was als unangenehmes Wiedersehen beginnt, entwickelt sich rasch zu einem weitaus drastischeren Unterfangen.
Liz ist mittlerweile Teil einer wachsenden gesellschaftspolitischen Bewegung namens «The Change», deren Ideale und Methoden zunehmend für Spannungen sorgen – nicht nur im öffentlichen Diskurs, sondern vor allem auch innerhalb der Familie. Unterschiedliche Weltanschauungen, Generationenkonflikte und persönliche Loyalitäten geraten immer stärker aneinander und drohen nicht nur in einer familiären Katastrophe zu enden.

Komplexität im Strudel politischer Extreme
In The Change werden die Unruhen anfänglich in Nuancen eingeführt, um im weiteren Verlauf an zunehmender Intensität zu gewinnen. So wird die Geschichte immer wieder in dazwischenliegenden Zeitsprüngen erzählt, die den Zerfall der demokratischen Grundrechte am Beispiel einer Familie erschreckend aufzeigen. Hierbei stellt der Film dar, wie verlockend und verführerisch die antidemokratische Seite sein kann und mit welcher Manipulation Liz manche Familienmitglieder verblendet. Dabei wird Liz (Phoebe Dynevor) nicht mit dem Klischee der rein kaltherzigen Rechtspopulistin dargestellt. Denn ihre Figur lässt zwischen ihrem aufgesetzten Lächeln auch immer wieder Emotionen durchrauschen, die sie deutlich komplexer erscheinen lassen. Dies geht so weit, dass auch sie von ihrer verselbständigten «Frankenstein-Erfindung» verängstigt wird.

The Change ist erschreckend aktuell
Politisch könnte The Change hierbei nicht aktueller sein, denn mit Blick auf Donald Trumps dominante Machtpolitik erinnert das von Liz erdachte System auch unweigerlich an Project 2025, welches den systemischen Umbau staatlicher Strukturen zugunsten einer Führungsfigur anstrebt und bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen hat.
The Change verdichtet diese Entwicklung, indem er die Gefahr eines autoritär zentralisierten Systems aufzeigt, das zur Durchsetzung seiner Ideologie auch Einschränkungen demokratischer Grundrechte in Kauf nimmt. Im bewusst fokussierten Rahmen einer Grossfamilie wird der radikale Einschnitt hierbei umso greifbarer und geht einmal mehr an die emotionale Substanz. Die Bedrohung von aussen wird hierbei erst psychologisch gezielt vertieft, bevor sie am Ende tatsächlich mit vollster Schärfe zuschlägt.

Ein Cast, der bis an Grenzen geht
Hierbei beeindrucken neben Phoebe Dynevor auch andere Schauspieler des Casts besonders. Darunter Diane Lane, die ein paar herausragende Emotionsausbrüche zu bewältigen hat und diese mit einer ausnahmslosen Power herausbrüllt. Daryl McCormack spielt hingegen in einer Szene mit einer erschreckenden Wucht seine abschreckende Wut aus, die zeigt, wie verhängnisvoll die im Film dargestellte Dystopie für all jene ist, die tragischerweise nicht mehr zu retten sind. Josh (Dylan O’Brien) besticht wiederum mit seiner schonungslos-kaltherzigen Aura. Paul Taylor (Kyle Chandler), Cynthia (Zoey Deutch), Birdie (Mckenna Grace) und Anna (Madeline Brewer) sind schliesslich die nahbarsten Säulen der Geschichte. Dennoch ist The Change in seiner Erzählweise radikal genug, um auch diese Säulen zum Einsturz zu bringen.

Mein Fazit zu The Change
The Change ist somit ein packend inszenierter dystopischer Politthriller, der seine hochkarätige Besetzung in seiner dramatischen Verdichtung zu disziplinierten Höchstleistungen bringt und darüber hinaus eine eindringliche Warnung an uns richtet: Schützt die Demokratie vor all jenen, die ihr schaden, denn sie ist unser höchstes Gut für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben in einer vielfältigen Gemeinschaft.
Dafür gibt es von mir 90 von 100 Masterarbeiten!



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