Seit 2023 kann der kulinarische Thriller The Menu bei Disney+ genossen werden. Unter der Regie von Mark Mylod ist der Film in den Hauptrollen mit Ralph Fiennes, Anya Taylor-Joy und Nicholas Hoult besetzt worden. Weitere Rollen haben u.a. Hong Chau, Janet McTeer, Paul Adelstein und John Leguizamo übernommen. In The Menu reist ein junges Paar auf eine abgelegene Insel, um ein exklusives Gourmet-Dinner bei einem berühmten Chefkoch zu erleben, das sich zunehmend als unheimlich und unberechenbar entpuppt. Doch konnte mich das vorgesetzte Menü mit bösen Überraschungen überzeugen oder verbirgt sich dahinter nicht viel mehr als zu heiss gekochte Luft?

Ein unvergessliches Abendessen
Als kurzfristiger Ersatz für seine verhinderte Freundin organisiert Feinschmecker Tyler für einen exquisiten Dinnerabend auf einer abgelegenen Insel, die Escort-Dame Margot als Begleitung. Zusammen mit zehn weiteren eingeladenen Gästen wird sie dort von Oberkellnerin Ella in Empfang genommen und über die Insel geführt. Doch bereits zu Beginn wird sie kritisch beäugt, da sie für dieses spezielle Menü nicht vorgesehen war. Der thematisch perfektioniert durchgestaltete Abend wird dabei vom Chefkoch Julian Slowik durchgehend begleitet. Doch schon bald bemerkt Margot, dass es sich bei seinem Menü um keine gewöhnliche Speisung handelt. Als sie dann noch vom Maître vor eine teuflische Wahl gestellt wird, nimmt der Abend seinen unausweichlichen Gang!

Schwarzhumorige Seitenhiebe gegen die Haute Cuisine
Mark Mylods Film ist vor allem ein Horrordrama, das mit den Mitteln einer schwarzen und satirischen Komödie aufgetischt wird. So baut der Film durchgehend eine spannende und teils unwohle Atmosphäre auf, die mitsamt ihrer schwarzhumorigen Elemente keinesfalls ausgebremst, sondern vielmehr intensiviert wird. Dabei bekommt vor allem die gehobene Esskultur ihr Fett weg. Der Film versteht sich aber auch grundsätzlich als sozialkritischer Kommentar unserer Überflussgesellschaft, die ihr Essen nicht mehr geniesst, sondern nur noch massenhaft in sich hineinschlingt. The Menu trifft deshalb einen besonders sensiblen Punkt, wenn er seine erbarmungslose Rache an die verschiedensten Gast-Archetypen seziert. Darunter die wohlhabenden Stammgäste, die reichen Geschäftsleute, das Influencer-Paar oder mit Margot, die Begleitung von aussen, die letztlich einen wichtigen Gegenpol einnimmt. Facetten, die also allesamt unsere heutige Konsumkultur spiegeln.

Ralph Fiennes brilliert als fieser Koch
Ralph Fiennes stellt hierbei mal wieder seine eindrückliche Schauspielleistung unter Beweis, die sowohl eine absolute Rachelust, aber unter all dem überlegenen Wahnsinn auch einen Hauch von Grazie bereithält. So ist er nicht der klassische Fiesling, den er uns bereits in anderen Filmen servierte, sondern psychologisch weitaus differenzierter zu betrachten. Anya Taylor-Joy kann ebenso gut mithalten und behauptet sich als schlagfertig-charismatischer Gegenpart, während Nicholas Hoult den wahrscheinlich unsympathischsten Teil übernimmt, aber darin nicht weniger glänzen darf.

Kulinarisch und klaustrophobisch zugleich
Filmisch bleibt man auch als Zuschauer in der von Slowik kreierten Location gefangen, womit der Film eine zunehmend klaustrophobische Wirkung auffährt. Um das Werk auf kulinarischer Ebene aber auch schmackhaft und authentisch zu verfeinern, wurde die mit drei Michelin-Sternen prämierte französische Köchin Dominique Crenn als technische Beraterin auserkoren. Letztlich ist The Menu dann trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit im weiteren Verlauf mit der einen oder anderen bösen Überraschung ausgestattet. Diese immer wieder zuspitzenden Ideen sorgen auch dafür, dass der Film abwechslungsreich bleibt. Überhaupt verwundert es kaum, dass das Drehbuch zu diesem scharfsinnigen Film 2020 auf der Blacklist der besten unverfilmten Ideen Hollywoods gelistet war.

Mein Fazit zu The Menu
The Menu kann somit dank seiner Atmosphäre, dem schwarzen Humor, seinen Darstellern, aber auch der Inszenierung in allen Belangen ganz ohne faden Beigeschmack überzeugen, wird dem Zuschauer letztlich gnadenlos aufgetischt und mit einem herrlich konsequenten Nachgang explosiv abgerechnet.
Von mir hierfür 90 von 100 Cheeseburger!


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