In diesem Jahr feiert der legendäre erste Teil der Scream-Reihe seinen 30. Geburtstag. Nachdem weiterhin vor wenigen Monaten der siebte Teil der Reihe in den Kinos gestartet ist und ab 4. Juni 2026 mit Scary Movie 6 diese und andere Horrorfilme wieder kräftig durch den Kakao gezogen werden, gibt es direkt mehrere Gründe, einen Blick auf den Anbeginn der Filme zu werfen. Unter der Regie von Wes Craven, der auch Hügel der blutigen Augen (1977) und das Nightmare-Franchise aus der Taufe hob, sind Neve Campbell, Courtney Cox, David Arquette, Skeet Ulrich, Matthew Lillard, Rose McGowan und Jamie Kennedy zu sehen. In einer unvergesslichen Nebenrolle fürs Opening ist zudem Drew Barrymore besetzt worden. Doch bietet der erste Scream-Film auch heute noch schaurig-schöne Unterhaltung oder ist er lediglich zum Schreien komisch?

Der Horror aus Woodsboro
Scream spielt in der scheinbar ruhigen Kleinstadt Woodsboro, in der eine Reihe brutaler Morde die Jugendlichen in Angst und Schrecken versetzt. Im Mittelpunkt steht die Schülerin Sidney Prescott, die ein Jahr nach einem persönlichen Schicksalsschlag zunehmend ins Visier eines maskierten Killers gerät. Der Täter kündigt seine Angriffe meist telefonisch an und scheint sich bestens mit Horrorfilmen auszukennen – ein Wissen, das er gezielt nutzt, um seine Opfer zu manipulieren. Während die Lage eskaliert, versuchen Sidneys Freundeskreis, ein überforderter Sheriff und eine ehrgeizige Reporterin, die Hintergründe der Mordserie zu durchdringen.
Mit jeder neuen Tat wächst das Misstrauen untereinander, denn der Killer könnte sich im engsten Umfeld der Jugendlichen verbergen. Gleichzeitig entwickelt sich ein gefährliches Spiel mit einem eigenen Regelwerk aus Erwartungen und tödlichem Ernst, bei dem niemand weiss, wer als Nächstes ins Visier gerät.

Wes Craven revolutioniert das Horrorgenre
Nachdem Wes Craven bereits mit Das letzte Haus links den Rape-and-Revenge-Film in den Mainstream holte und mit Nightmare on Elm Street den Slasherfilm nach John Carpenters Halloween auf ein surreales Level brachte, gelang ihm mit Scream eine weitere Revolution im Horrorgenre. Er schuf einen Slasherfilm, der sich seinen Genremechanismen vollends bewusst war und diese Konventionen nun spielerisch auslotete. Dies belebte den zwischenzeitlich eingefahrenen Slasherfilm wieder, nachdem zahllose Halloween-, Freitag der 13.- oder auch Nightmare on Elm Street-Fortsetzungen dem Genre seiner Originalität beraubten. Entweder nahmen sich diese Filme dabei so ernst, dass sie schon wieder unfreiwillig komisch erschienen, oder sie waren von so grotesker Überzeichnung geprägt, dass sie jegliche Atmosphäre übers Messer warfen.
Hierbei wurden Produktionen wie die Fortsetzungen der Leprechaun-Reihe und Hellraiser sowie die gesamten Puppet Master-Filme zum Stamminventar der Videotheken, da man ihnen dort einen grösseren Erfolg zurechnete. Qualitativ herausragende Beispiele wie Das Schweigen der Lämmer oder Sieben wurden wiederum unter dem Deckmantel des Psychothrillers verortet, da man dem klassischen Slasher- oder Monsterfilm zu dieser Zeit einen billigen Ruf anhängte. Erst Craven schaffte es, dem Genre mit Scream seine einst lässige Coolness zurückzubringen.

Scream nutzt die Metaebene
Während der Film dabei oftmals mit der Metaebene und einem humoristisch-sarkastischen Tonfall spielt, gelingt es immer wieder, die spannungsreiche Atmosphäre und den reinen Horroranteil aufrechtzuerhalten. Bereits im wirkungsvollen Opener mit Drew Barrymore wird dies deutlich, wobei die humoristisch verspielte Note direkt zur unberechenbaren Stärke des Films wird. Dabei führt die Kenntnis der Figuren rund um ein bereits etabliertes Horrorfilm-Universum auch heute noch zu einer bedrohlichen Unmittelbarkeit, die das Grauen aus den Fesseln der filmischen Fiktion befreit. Allen voran die vielen Zitate oder Anspielungen auf bekannte Klassiker wie Halloween oder Basic Instinct werden in teils schnellen Dialogwechseln auf Wes Cravens Scream-Welt übertragen.

Das Erfolgstrio Campbell, Cox und Arquette
Neve Campbell gelingt es als emotionaler Bezugspunkt durchgehend mitzureissen. Während David Arquette als Polizist Dewey zur fast schon naiven Selbstparodie verkommt, zeigt sich Courtney Cox als Klatschreporterin Gale Weathers, ebenfalls von einer klischeereichen Seite. Skeet Ulrich und Matthew Lillard verkörpern wiederum mit ihren Figuren Billy Loomis und Stuart Macher die Bilderbuch-Psychopathen.
Der Erfolg von Scream und die Wiederbelebung des Genres waren dabei so gross, dass es schliesslich nicht lange dauerte, bis Cravens bereits augenzwinkerndes Konzept parodistisch aufgegriffen oder adaptiert wurde. Während Scary Movie direkt einen eigenen Hype sowie eine gesamte Filmreihe begründete und Filme wie Anatomie 1 und 2 (2000, 2003) deutsche Variationen des Trends hervorbrachten, blieben andere Vertreter wie Shriek – Schrei, wenn du weisst, was ich letzten Freitag, den 13. getan habe (2000) oder Flashback – Mörderische Ferien (2000) hinter den Erwartungen zurück.

Die 4K-Version des Horrorklassikers
Wer den Horrorklassiker nun für zuhause in der bis heute bestmöglichen Variante besitzen möchte, sollte zur 4K-Version greifen, die 2022 erstmalig erschienen ist. Dabei sollte man jedoch keinen messerscharfen Transfer erwarten, da die analoge 35-mm Filmherkunft und gewisse stilmittelbedingte Entscheidungen dafür nicht ausgelegt worden sind. So setzt Craven bewusst auf weiche Lichter und eine natürliche Filmkornstruktur. Hinzu kommt immer wieder die sogenannte Fischaugen-Optik, die für einen leicht verzerrenden, jedoch räumlicheren Effekt im Geschehen sorgt. Tonal sorgen vor allem viele actionreiche Momente für Surround-Effekte, während der Soundtrack überwiegend dezenter abgemischt wurde. Die Extras bieten wiederum eher promolastige Eindrücke.

Mein Fazit zu Scream
Scream kann auch heutzutage noch dank seiner pointierten Dialoge im wahnwitzigen Kontrast zur gnadenlosen Slasherstory brillieren. Wes Craven hat sich damit wiederholt in die Annalen der Horrorfilmgeschichte eingeschrieben und für einen neuen Hype im Genre gesorgt. Schauspielerisch überzeugt Neve Campbell, die nach Der Hexenclub (1996) ihren zweiten Kinoerfolg verbuchen konnte. Der restliche Cast besticht wiederum spielfreudig im Rahmen der Inszenierung.
Dafür gibt es von mir 90 von 100 messerscharfe Klingen.


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