Dank Filmen wie dem Revival von Die Nackte Kanone oder der Schuh des Manitu-Fortsetzung Das Kanu des Manitu ist die Filmparodie wieder zu neuem Leben erwacht. So läuft seit dem 4. Juni 2026 auch Scary Movie 6 in den deutschen Kinos. Mit Marlon und Shawn Wayans, Anna Faris, Regina Hall oder Cheri Oteri sind unter der Regie von Michael Tiddes auch zahlreiche Schauspieler des legendären Erstlings zurückgekehrt. Noch wichtiger erscheint aber die Tatsache, dass die Wayans-Brüder nach den ersten beiden Teilen wieder kreativ federführend beteiligt waren. Doch gelingt es Scary Movie 6, die lässige und grenzüberschreitende Respektlosigkeit des Originals einzufangen, oder ist die Parodie nur eine klamauklastige Leiche des heutigen Zeitgeists geworden?

Cindy, Brenda, Shorty und Ray sind zurück
Wie schon zuvor stehen nicht die Handlung, sondern ihre parodistischen Zutaten im Zentrum. Dennoch lässt sich folgende Prämisse ausmachen: 26 Jahre nach den Ereignissen des ersten Films geraten Cindy Campbell, Brenda Meeks, Shorty Meeks und Ray Wilkins erneut ins Visier eines maskierten Killers. Während die alten Bekannten widerwillig zusammenfinden und aus Sicht des Zuschauers auf neue Figuren treffen, müssen sie sich erneut einer Reihe völlig überdrehter Situationen stellen.
Scary Movie 6 nimmt dabei viele mediale, politische und natürlich filmische Themen ins Visier und schlachtet sie mit bewusst provokanten Mitteln parodistisch aus. So werden mehrmals oberflächlich abprallende Gags über die schwarze Hautfarbe und die tabulosen Grenzen des Sexualhumors ausgespielt. Ereignisse wie politische und gesellschaftliche Debatten rund um Trump, Musk und sogar Epstein aus den letzten Jahren bilden hierbei oft die Grundlage für schnelle Pointen, die natürlich allesamt keine tiefergehende Substanz aufweisen. Selbst die längst verjährte Corona-Pandemie findet in slapstickreich gefärbten und aus meiner Sicht besonders witzigen Szenen rund um Doofy ihre humoristische Wiederverwertung.

Diese Horror-Hits werden in Scary Movie 6 parodiert
Doch im Mittelpunkt stehen die vielen Parodien, die meist auf die Horrorhits der letzten Jahre abzielen. Als Grundgerüst für die Haupthandlung dienen diesmal das Requel Scream (2022), dessen Fortsetzung Scream VI, Wednesday, David Gordon Greens Halloween-Requel-Trilogie sowie Ma (2019). Durch die vielen weiteren Querverweise und Parodien verläuft sich die eigentliche Handlung aber in unzähligen komödiantischen Nebenschauplätzen aus Rückblenden und Nebensträngen. Der Film entwickelt sich durch diese dichte Aneinanderreihung aus losen, aber auch miteinander verknüpften Querverweisen noch stärker als seine Vorgänger zur kurzweiligen Nummernrevue.
So bekommen auch Final Destination 6: Bloodlines, Smile, Blood & Sinners, Weapons, Get Out, Terrifier 3 oder The Substance ihr Fett weg. Besonders unterhaltsam gerät darüber hinaus die Parodie auf Longlegs mit Hanson aus Scary Movie 2. Ein Nebenstrang, der noch im Abspann zur humoristischen Vollendung gebracht wird.

Zusätzlicher Nachdreh im April 2026
Da der überraschende Kontrast zu anderen Genres zudem bereits zuvor in der Reihe aufgegriffen wurde, werden auch diesmal Filme abseits des Horrorkosmos persifliert. Darunter der Megahype KPop Demon Hunters, aber auch White Chicks, oder Michael. Um hierbei aktuellere Filme zu berücksichtigen, wurden nach den regulären Dreharbeiten 2024 im April 2026 zusätzliche Szenen abgedreht. Laut einem Trailer war weiterhin auch Squid Game vorgesehen, das in der finalen Kinoversion allerdings offensichtlich der Schere zum Opfer fiel. Womöglich könnte es ein Wiedersehen davon in den Deleted Scenes der Extras oder gar in einem Extended-Cut mit noch mehr Parodien geben.

Gute Unterhaltung trotz ermüdender Running-Gags
Ebenso wird die eigene Reihe selbstironisch thematisiert. Die wiederholten Durchbrüche der Metaebene rund um die Produktion und die vergangenen Teile entwickeln sich jedoch ebenso wie die häufig wiederholten Witze über Hautfarbe und sexuelle Themen mit der Zeit zu durchschaubaren und ermüdenden Running-Gags. Die Anspielungen auf das Gendern oder auf Themen rund um die Transidentität zünden wiederum als oberflächlicher Humormechanismus, um auf die Debatten der aktuellen Zeit Bezug zu nehmen.
Aufgrund der schnellen Inszenierung mit zahlreichen, auch parallel abspielenden Gags und Verweisen, die meist unterhalb der Gürtellinie bleiben, reiht sich dieser Teil aus meiner Sicht qualitativ noch vor seinen drei Vorgängern ein. Die Kameraarbeit von Terry Stacey ist hierbei die eines Chamäleons, der sich stets dem Stil seiner jeweiligen Vorlage anpasst. Die Musik unterstützt wiederum sowohl die Atmosphäre, aber auch den bewussten Kontrast, um die jeweiligen Pointen zu verstärken. Schauspielerisch bieten alle Darsteller zweckmässige Leistungen ab, die bewusst nur so vor Klischees und Overacting strotzen, so dass die Glaubwürdigkeit zur zweitrangigen Nebensächlichkeit verkommt.

Mein Fazit zu Scary Movie 6
Scary Movie 6 kehrt mit diesem Teil zu seinen Wurzeln zurück. Diesmal allerdings mit noch mehr Tabubrüchen und Parodien als zuvor. Dies bedeutet allerdings auch, dass die Haupthandlung zugunsten einer umso abwechslungsreicheren Szenenrevue aus allerhand Anspielungen auf den zweiten Platz verwiesen wird. Am Ende heisst es deshalb einfach Hirn aus, Scary Movie an – womit das Ganze dann auch Spass machen kann.
Von mir hierfür 70 von 100 Messerstiche ins Zwerchfell!
Da es während des Abspanns noch Szenen gibt, lohnt es sich übrigens, sitzenzubleiben.
Dieser Artikel ist auch bei Substack erschienen!
Hier gelangt ihr zum Trailer.



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