Michael oder die Erfolgsgeschichte des einst unantastbaren King of Pop!

Seit 22. April läuft endlich das langerwartete Biopic des King of Pop in den Kinos. Dabei könnte bereits die Produktionsgeschichte einen ganzen Film füllen. Unter dem schlichten Titel Michael entstand der Film unter der Regie von Antoine Fuqua (The Equalizer) und dem Bohemian Rhapsody-Produzenten Graham King. Die Hauptrolle übernahm Michaels Neffe Jaafar Jackson sowie Juliano Krue Valdi als Kind. In weiteren Rollen sind u.a. Colman Domingo, Nia Long, Miles Teller, Laura Harrier und Kendrick Sampson zu sehen.

Bereits jetzt stehen die Sterne gut, dass Michael das Queen Biopic Bohemian Rhapsody mit 903,7 Mio. US-Dollar vom Thron der kommerziell erfolgreichsten Biopics stossen könnte und womöglich die Marke von einer Milliarde überschreitet. Denn auch wenn Michael Jackson seit den 90ern Bestandteil einer kontroversen Wahrnehmung wurde und Missbrauchsvorwürfe auch vor dem Kinostart wieder aufflammten, könnte er Skeptiker und Fans gleichermassen in die Kinos locken! Doch gelingt es dem Film auch getreu des King of Pops abseits des Erfolgs künstlerisch zu überzeugen?

Regisseur Antoine Fuqua gibt Hauptdarsteller Jaafar Jackson Anweisungen vor dem Dreh. | Bild: © 2026 Lionsgate / Universal Pictures (Glen Wilson)

Das Leben des Michael Jackson

Erzählt wird die Lebensgeschichte von Michael Jackson – beginnend mit seinen Anfängen als musikalisches Wunderkind bis hin zu seinem Aufstieg zum weltweiten Superstar. Schon in jungen Jahren steht er als Mitglied der Jackson 5 auf der Bühne und erlebt erste grosse Erfolge, während sein strenger Vater seinen Alltag prägt. Mit zunehmendem Alter löst er sich künstlerisch von der Gruppe und startet eine Solokarriere, die ihn an die Spitze der internationalen Musikszene führt. Durch neue musikalische Ansätze, spektakuläre Auftritte und innovative Musikvideos erreicht er ein globales Publikum und wird zu einer prägenden Figur der Popkultur.

Während seine Karriere immer grössere Dimensionen annimmt, wird sein Leben zunehmend von öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet. Der Film folgt seinem Weg durch verschiedene Schaffensphasen und zeigt, wie beruflicher Erfolg, persönliche Herausforderungen und der stetige Druck des Ruhms eng miteinander verwoben sind.

Den Druck bekommt Michael schon als Kind durch seinen Vater Joseph zu spüren, der ihn mit seinen Methoden zwar zu seinen ersten Erfolgen mit den The Jackson 5 verhalf, aber auch psychisch und physisch drillte. | Bild: © 2026 Lionsgate / Universal Pictures (Glen Wilson)

Ein Biopic mit Schattenseiten

Michael stellt uns einmal mehr auf eine moralische Belastungsprobe zwischen einem grandiosen Musikkünstler und einer womöglich menschlich zweifelhaften Persona. Das Biopic versucht diesen Kontrast nun auch aufgrund der starken Kontrolle des MJ-Estate auszublenden. Wobei die frühe Produktionsphase offenbar deutlich stärker auf die biografischen Schattenseiten einging, bevor das Drehbuch im Zuge rechtlicher und inhaltlicher Neuausrichtungen überarbeitet und Material verworfen wurde. Dies alles gibt dem Film einen bitteren Beigeschmack, den man unmöglich ignorieren kann. Im nun veröffentlichten Film spielen die Missbrauchsvorwürfe allerdings schon deshalb keine Rolle, da nur die Zeit seiner Kindheit bis zur Bad World Tour Ende der 80er thematisiert wird.

Die Bühnenmomente sind das dynamische Herzstück des Biopics. | Bild: © 2026 Lionsgate / Universal Pictures

Michael trennt Kunst und Künstler

Dabei erfindet Michael im Gegensatz zur innovativen Künstlerfigur auf filmischer Ebene die Noten nicht neu und wird von der stark konventionellen Biopic-Dramaturgie dirigiert. Doch Michael vollbringt dennoch eine schwungvolle Mischung zwischen biografischen Einschnitten und der Bühne, die filmisch allerdings einer imageaufpolierenden Schönheitsoperation unterzogen wurden. Alles ordnet sich dem Phänomen des King of Pop unter. Damit ist hier kein psychologisch besonders tiefgründiges Porträt des Menschen, aber dennoch ein überaus unterhaltsamer Film entstanden. Also ein Biopic, das vielmehr die künstlerische Leistung feiert, seiner Handlungszeit treu bleibt und damit das Werk vom Künstler rigoros trennt. Im Rahmen seiner Konventionen überzeugt der Film zudem dank Jaafar Jacksons herausragendem Schauspiel. Er kann dabei ein paar emotional berührende Momente unterbringen, die zumindest kurzzeitig einen tieferen Blick auf Jacksons Innenleben gewähren.

Zu seiner Mutter Katherine Jackson (Nia Long) hatte Michael eine besondere Bindung. Im Film sind vereinzelte, einfühlsame Momente zwischen den Beiden zu sehen. | Bild: © 2026 Lionsgate / Universal Pictures (Hilary Bronwyn Gayle)

Tolle Bühnenauftritte bleiben im Gedächtnis

Allerdings bleiben vor allem die Bühnenauftritte sowie das nachgestellte Thriller-Video die grössten Highlights des Films. Jaafar ist hier voll und ganz in seinem Element, und nicht selten blendet man in den tänzerischen Sequenzen aus, dass hier nicht der echte King of Pop zu sehen ist. Hierbei gelingen durch länger gezeigte Auftritte auch immer wieder atmosphärisch inszenierte, liveähnliche Momente, die visuell schlichtweg beeindruckend-originalgetreu in Szene gesetzt wurden. Colman Domingo befeuert schliesslich als drillender Vater Joseph Jackson mit seinem einschüchternden Schauspiel den verlagerten Fokus auf die stark vereinfachte Black or White geprägte Narrative des Biopics.

Colman Domingo übernimmt als Joseph Jackson die Rolle des Antagonisten. | Bild: © 2026 Lionsgate / Universal Pictures

Mein Fazit zu Michael

In typisch geschönter und vereinfachter Biopic-Manier inszeniert, bleibt Michael für mich ein Film, der vor allem dank Jaafar Jacksons starkem Schauspiel, Tanztalent und den atmosphärisch nachgestellten Musikvideo- und Bühnenmomenten stimmungsvoll aufgeht. Unterhaltsam ist das allemal, aber natürlich wird auch durch den Fokus auf das allseits bekannte Phänomen ein tiefergreifendes Psychogramm mit kritischer Beleuchtung rund um den Menschen hinter dem King of Pop ausgeklammert. Dies wird den Erfolg jedoch sicherlich nicht aufhalten, denn die Marke Michael Jackson dürfte gerade aufgrund der kontroversen Betrachtung rund um den Film fulminant wiederbelebt worden sein.