Avengers Endgame, Avatar und Titanic – was macht erfolgreiche Filme aus?

Avengers: Endgame, Avatar und Titanic haben alle über zwei Milliarden eingespielt. Geschafft haben sie das aus unterschiedlichen Gründen.

Gemäss der Internet Movie Database (IMDb) hat Avengers: Endgame an seinem weltweiten Startwochenende zirka 1, 2 Milliarden US-Dollar eingespielt. Mittlerweile spülte der neuste Marvel-Film Disney 2,2 Milliarden Dollar in die Kasse und reitet weiterhin auf der Erfolgswelle. Kein Film hat es bisher geschafft, gleich am weltweiten Startwochenende über eine Milliarde an den Kinokassen zu generieren. Nicht mehr lange und der Streifen könnte der erfolgreichste Film aller Zeiten werden.

Momentan wird die Liste noch von James Camerons Avatar dominiert. Doch warum ist der Superheldenfilm derart erfolgreich? Und wie haben es die beiden Werke Titanic und Avatar von Cameron geschafft, ohne eine grosse Fanbase so viel Geld einzunehmen?

Avengers: Endgame
Bild: Disney

Einfache Story und Helden als Vorbilder

Marvel hat in den letzten elf Jahren über 22 Filme herausgebracht, welche die einzelnen Avengers-Helden beleuchteten. Dies sorgte natürlich unter Action- und Superheldenfilm-Fans für ein grosses Interesse. Diese Filme sprechen unter anderem ein Publikum zwischen 14 und 35 Jahre an. Vor allem jüngere Fans können sich mit Superhelden gut identifizieren: Welcher Junge träumt schon nicht davon, Spiderman oder Ironman zu sein?

Für viele Kinogänger bietet dieses Genre auch eine gute Ablenkung vom Alltag: Keine komplizierte Handlung à la Cloud Atlas oder eine tieftraurige Story wie bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter – der Zuschauer kann sich entspannt zurücklehnen und die grossartige VFX-Schlacht geniessen.

Guter Spannungsaufbau ist entscheidend

Auffallend ist ebenfalls der rote Faden, der sich durch die gesamte Filmreihe zieht und die Spannung so geschickt aufbaut, dass die Marvel-Fans nach dem Kinobesuch schon den nächsten Film herbeisehnen. Eine überaus geschickte Taktik von Marvel-Eigentümer Disney.

Zum Erfolg von Endgame trägt sein Vorgänger selbstverständlich auch etwas bei. In Avengers: Infinity War wurde schliesslich die Hälfte der liebgewonnen Charakteren durch den Superschurken Thanos ausgerottet. Das sorgte natürlich für Fassungslosigkeit bei den Fans und die Neugier auf Endgame wurde noch mehr angespornt. Hinzu kommt der am Ende von Infinity War eingefügte Cliffhanger.

Dieses Element ist nicht neu und wird in TV-Serien wie beispielsweise Game of Thrones regelmässig eingesetzt. Hier zeigt sich, dass Disney und Marvel bewusst auf diese Erzählstrategie setzen und sie auf ihr Franchise adaptiert, um das stetig wachsende Serienpublikum anzusprechen. Disneys Rechnung scheint aufzugehen und Endgame könnte sich durchaus zum erfolgreichsten Film aller Zeiten mausern.

3D verhalf Avatar zum Erfolg

Neytiri aus Avatar
Bild: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Anders als bei Endgame konnten die beiden James-Cameron-Filme Avatar und Titanic nicht auf eine grosse Fanbase zählen. Zudem handelt es sich hier auch nicht um Superheldenfilme. Allerdings gilt es zu beachten, dass Avatar dank der damals neu eingeführten 3D-Technologie profitieren konnte. Dieser 3D-Boom bewirkte, dass viele Menschen den Film noch ein zweites Mal in dieser Form erleben wollten und folglich das Kino erneut besuchten.

James Cameron wendete bei der Produktion eine spezielle und aufwändige Aufnahmetechnik an, die das Filmerlebnis unvergleichbar machte. Heutzutage werden neue Filme erst in der Post-Produktion mittels Software in 3D umgewandelt. Ausserdem ist die Aufmachung des Filmes mitsamt seinen dynamischen Kamerafahrten und der farbigen Welt von Pandora eine wahre Augenweide.

Mit dem 2009 erschienenen Film übertrumpfte Cameron, kommerziell gesehen, sich selbst. Obwohl Avatar bei seinem Startwochenende bei weitem keine Milliarde einspielte, betrug das Einspielergebnis 1,85 Milliarden Dollar. Der Film wurde anschliessend erneut und in einer längeren Fassung veröffentlicht, was dazu führte, dass er schlussendlich 2,78 Milliarden Dollar in die Kasse von 20th Century Fox spülte.

Atemberaubende Machart und Story bei Titanic

Jack und Rose aus Titanic
Bild: 20th Century Fox

Bei Titanic spielte unter anderem ein anderer Faktor eine wichtige Rolle: das Internet. Heutzutage gehen Filmproduktions-Studios und Kinos viel Geld durch die Lappen, da ihre Filme auf Seiten wie kinox oder Kinokiste gestreamt werden. Als Titanic 1997 erschien, gab es diese Möglichkeit nicht.

Zudem liess sich das Publikum von der Kombination von Katastrophe und Liebesgeschichte, verknüpft mit atemberaubenden und einzigartigen Unterwasseraufnahmen derart in den Bann ziehen, dass sie den Film mehrmals schauen wollten. Die Verleiher mussten sogar die Filmrollen austauschen und neue in die Kinos liefern lassen, da sie vom dauerhaften Abspielen Abnützungserscheinungen aufwiesen.

Ausserdem war der Film in den 90er Jahren mit seiner monumentalen Grösse und Machart unvergleichbar mit anderen zeitgenössischen Produktionen. Dies wiederspiegelt sich beim Einspielergebnis: 1, 83 Milliarden Dollar generierte Titanic an den weltweiten Kinokassen. Im April 2012 – exakt 100 Jahre nach dem Untergang der richtigen Titanic  – erschien das Drama erneut in den Lichtspielhäusern, aufgemotzt in 3D. Dies führte dazu, dass der Film die zwei Milliarden-Marken überschritt und schlussendlich auf 2,19 Milliarden kam. Mittlerweile überholte Avengers: Endgame das Drama und steht nun auf dem zweiten Platz der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Abschliessend kann also gesagt werden, dass nicht nur die Story oder die perfekten Effekt einen erfolgreichen Film ausmacht, sondern auch der aktuelle Zeitgeist seinen Beitrag dazu leistet. Hätte man die Marvel-Comics in den 80ern oder gar 90ern mit der damaligen Technik verfilmt, hätten diese kaum einen derart grossen Zuspruch bekommen. Es scheint, dass Disney ein ausgezeichnetes Gespür für die aktuellen Bedürfnisse der Filmfans und den jeweiligen Zeitgeist besitzt.