6 Gründe, warum Dragon Ball GT eine zweite Chance verdient

Okay, okay… ich weiss, gerade begebe ich mich auf sehr dünnes Eis. Doch gebt mir eine Chance, euch zu zeigen, dass nicht alles an Dragon Ball GT schlecht war.

Okay, okay, ich weiss: Gerade begebe ich mich auf sehr dünnes Eis. Doch bitte lasst die Heugabeln vorerst stecken und entzündet noch nicht die Fackeln; gebt mir eine Chance euch zu zeigen, dass wahrlich nicht alles schlecht war an der Anime-Fortsetzung, die weitestgehend ohne Akira Toriyamas kreativen Input auskommen musste.

Eins noch kurz vorneweg: In diesem Text möchte ich euch einzig zeigen, was gut an Dragon Ball GT ist; es soll nicht um die leidliche Kanon-Debatte gehen, also ob GT nun ein Teil der Geschichte ist oder eben nicht. Dann geht es jetzt auch los mit sechs Gründen, warum ihr Dragon Ball GT eine zweite Chance geben solltet.

Grund 1: Abenteuer und Action

Dragonball GT
Bild: Toei Animation

Mit GT wollte Toei Animation zurück zu den Wurzeln der Serie, zurück zu der Zeit als es sich noch mehr um das Abenteuer auf der Suche nach den Dragonballs drehte und weniger um jene Dauer-Action, die im späteren Verlauf des Manga, beziehungsweise im zweiten Anime Dragon Ball Z, eine prominente Rolle einnehmen sollte. Dieser Plan ging anfangs auch auf, denn bei der Suche nach den Black Star Dragonballs kehrte tatsächlich jenes Adventure-Feeling zurück, welches mir damals im Manga sowie dem ersten Anime so gut gefiel: Son-Goku, Pan und Trunks bereisten das ganze Universum, landeten auf den unterschiedlichsten Planeten und trafen dabei auf allerhand illustre Gestalten.

Die wichtigste Begegnung sollten sie mit einem Wesen namens Baby haben, doch dazu später ein paar Worte mehr. Diese Abenteuerreise geriet im weiteren Verlauf der Serie zusehends in den Hintergrund und machte krachender Action Platz, die in ihren besten Momenten jener aus Dragon Ball Z in Nichts nachsteht und sie manchmal sogar zu übertreffen vermag. Absolute Highlights sind hierbei zweifellos die Kämpfe von Son-Goku als vierfacher Super-Saiyajin gegen Baby-Vegeta sowie Gogeta als vierfacher Super-Saiyajin gegen den Teufelsdrachen Yi Xing Long.

Grund 2: Zeichnungen und Animationen

Der Zeichenstil orientiert sich natürlich an den beiden Vorgänger-Anime Dragon Ball und Dragon Ball Z, weshalb sich Fans dieser beiden Serien nicht grossartig umgewöhnen müssen. Visuell schliesst GT somit optimal an die beiden vorangegangenen Serien an, obgleich man sich natürlich erstmal mit den neuen, zum Teil aus Toriyamas Feder stammenden Charakter-Designs anfreunden muss.

Die Zeichnungen wirken in ihren besten Momenten noch detaillierter als in Z und die Farben sind noch kräftiger, weshalb sich GT optisch keinesfalls zu verstecken braucht. Selbiges gilt für die Animationen, speziell natürlich bei den krachenden Kämpfen, die mit ansprechenden Choreographien sowie einem sehr schönen Flow bestechen und gerade die Auseinandersetzungen mit den „wichtigen“ Gegnern (Baby, Super-C17, Teufelsdrachen) sehen wirklich famos aus und werden euch sicherlich noch immer in ihren Bann ziehen können.

Grund 3: Baby

Dragon Ball GT Baby
Bild: Toei Animation

Im ersten Punkt hatte ich bereits eine entscheidende Begegnung erwähnt, welche zwischen Son-Goku, Trunks und Pan sowie einem Wesen namens Baby stattfand. Nach einem kurzen jedoch harten Kampf dachte unser Helden-Trio, sie hätten ihren Gegner besiegen können, allerdings gelang es Baby zu überleben – so begann seine Jagd auf die drei, welche Baby letztendlich auf die Erde führen sollte. Doch wer ist Baby nun eigentlich? Wenn man es ganz simpel formulieren möchte, könnte man sagen, er ist für GT das, was Freezer für Z war. Er ist ein Gegner, der weit aus der Vergangenheit der Saiyajin stammt, sogar aus einer Zeit, in der weder Son-Goku noch Vegeta geboren waren. Für Baby bediente sich das GT-Team an einer von Toriyama stammenden Story für eine Filler-Episode aus Z, in der Meister Kaio, Son-Goku von der Geschichte der Saiyajin berichtet: Vor langer Zeit herrschte ein erbitterter Krieg auf dem Planeten Vegeta zwischen den Saiyajin und Tsufurujin. Letztere waren zwar kleiner und schmächtiger als ihre Nachbarn, dafür waren sie kulturell und vor allem technologisch auf einem deutlich höheren Level als die zwar körperlich starken, allerdings eher schlichten Saiyajin. Nach langen Jahren einer mal mehr und mal minder friedlichen Koexistenz zwischen beiden Völkern kam es zum Krieg, in dessen Verlauf die Tsufurujin vermeintlich vollständig ausgelöscht wurden.

Wie sich in GT herausstellen sollte, konnte ein Tsufurujin den Genozid überleben: Baby. Dieser entstand aus den Zellen des Königs der Tsufurujin und wurde auf einem weit abgelegten Planeten versteckt, auf dem er in aller Ruhe aufwachsen sollte. Dort wartete er lange Jahre, um sich an den Saiyajin für ihre Taten rächen zu können. Auch heute noch finde ich es erstaunlich, wie viel das GT-Team aus dieser recht kleinen Geschichte gemacht hat, denn die Arc rund um Baby ist nicht weniger als der erste grosse Höhepunkt der Serie. Hinzukommen Babys Fähigkeiten, die ihn merklich von seinen anderen Schurken-Kollegen unterscheiden: Wie ein Parasit ist er in der Lage, sich in den Körper anderer Lebewesen einzunisten und diese zu kontrollieren – dafür reicht ihm bereits die kleinste Wunde, um in sein Gegenüber einzudringen. Mithilfe dieser Fähigkeit baut sich Baby nach seiner Ankunft auf der Erde eine eigene kleine Privatarmee auf, zu der auch Vegeta (in dessen Körper sich Baby die meiste Zeit befindet), Trunks, Son-Gohan sowie Son-Goten gehören. Letztendlich infiziert Baby die gesamte Menschheit und macht sich somit den ganzen Planeten gefügig.

Baby ist ein wirklich toller Gegner, sogar mein persönlicher Lieblings-Antagonist der ganzen Dragon Ball-Saga, was zum einen an seinen Fähigkeiten, jedoch ebenfalls an seinem absolut niederträchtigen, verdorbenen Charakter liegt. Andererseits besitzt er eine tragische Hintergrundgeschichte und verfügt über einen nachvollziehbaren Grund für seinen Rachefeldzug gegen die letzten Saiyajin.

Grund 4: Der vierfache Super-Saiyajin

Dragon Ball GT Son Goku
Bild: Toei Animation

Die Gegner, mit denen es Son-Goku und seine Freunde in GT zu tun bekommen, sind bedeutend stärker als es ein Freezer, Cell oder Majin Boo jemals waren, weshalb unser Held eine neue Transformation erreichen musste, um es mit Feinden wie Baby oder später den Teufelsdrachen aufnehmen zu können. Son-Goku erfährt, die einzige Möglichkeit, noch stärker zu werden, bestehe darin, seinen Saiyajin-Schweif wieder zu erlangen, der die Quelle der Kraft der Saiyajin ist. In der Welt der Kaioshin kann unser Protagonist tatsächlich seinen Schweif zurückerlangen und dieser soll später von essentieller Bedeutung sein, denn nur so ist es Son-Goku möglich, sich in einen goldenen Oozaru zu verwandeln und später die höchste Form zu erreichen, die ein Saiyajin erreichen kann: Den vierfachen Super-Saiyajin. Die physischen Kräfte dieser Form übertreffen jene eines dreifachen Super-Saiyajin bei Weitem und verändert zudem den Charakter des Saiyajin, der noch kampflustiger wird als zuvor. Äusserlich unterscheidet sich diese Form ebenfalls von den übrigen Transformationen, denn das Haupthaar behält seine schwarze Farbe während der Oberkörper teilweise von einem rötlichen Fell bedeckt wird.

Das Design des vierfachen Super-Saiyajin, welches aus der Feder von Katsuyoshi Nakatsuru stammt, gehört auch heute noch zu meinen Lieblings-Designs im gesamten Dragon Ball-Franchise und ehrlich gesagt gefällt es mir auch besser als jene der beiden Gott-Formen, die Son-Goku und Vegeta in Dragon Ball Super erreicht haben. Es ist dieses Animalische, Kampflustige, was diese Form in meinen Augen so einzigartig macht und gerade Son-Gokus erster Kampf mit seiner neuen Kraft gegen Baby hat sich mir positiv ins Gedächtnis gebrannt. Schön finde ich ebenfalls, dass sich Toei Animation auf eine Szene aus Dragon Ball Z stützte, in der Vegeta über die Legende vom Super-Saiyajin spricht, welcher in besagter Einstellung wie ein goldener Oozaru aussieht; ein schönes kleines Detail, welches in GT charmant umgesetzt wurde.

Mein persönlicher Lieblings-Saiyajin, der den vierfachen Super-Saiyajin erreicht hatte, durfte hingegen nur einen einzigen Auftritt absolvieren: Gogeta. Da Son-Goku und Vegeta Yi Xing Long nicht gewachsen waren, fusionierten sie miteinander und erschufen so den mächtigsten Saiyajin aller Zeiten, der selbst die Macht des Teufelsdrachen deutlich überragte. Bis heute zählt der Kampf zwischen Gogeta sowie Yi Xing Long zu meinen liebsten GT-Momenten, der mit toller Action, feinen Animationen und einer guten Prise Humor zu begeistern weiss.

Grund 5: Die Musik

Dragon Ball hatte schon immer gleichsam eingängige wie schöne Melodien in seinem Repertoire, wobei sich den meisten Fans vermutlich der Soundtrack aus Z eingeprägt haben dürfte. GT steht seinen Vorgängern hinsichtlich der musikalischen Untermalung in Nichts nach und liefert, zumindest im japanischen Original und der deutschen Version (plus der überarbeiteten US-Version) einige der schönsten Melodien der gesamten Saga. Speziell das Opening Dan Dan Kokoro Hikareteku von Field of View ist einfach wunderschön anzuhören und beweist absolute Ohrwurm-Qualitäten – bis heute ist es übrigens mein persönliches Lieblings-Opening eines Dragon Ball-Anime. Am Besten lauscht ihr einfach nochmal selbst den Klängen von Dan Dan und schwelgt etwas in Erinnerungen.

Grund 6: Das Ende

Dragon Ball GT Son Goku
Son-Goku verlässt die Erde / Bild: Toei Animation

Dragon Ball Z beziehungsweise die Manga-Vorlage des Anime kamen zu einem recht offenen Ende: Zehn Jahre nach dem Sieg über den Dämon Boo trafen Son-Goku und seine Freunde beim 28. Grossen Turnier der Kampfkünste auf den jungen Oob, die Reinkarnation ihres einstigen Todfeindes Majin Boo. In seinem Kampf gegen Son-Goku zeigte Oob sein gewaltiges Potenzial und so beschloss unser Held letztendlich, den Jungen zu trainieren (sehr zu Chi-Chis Leidwesen). So flogen Son-Goku und Oob hinaus in die Welt, um gemeinsam noch stärker zu werden. Sicherlich passte dieses Ende irgendwie zu Son-Goku, doch es war für viele Fans, so auch für mich, ein zu offenes Ende, welches keinen wirklichen Abschluss für die bisherige Geschichte darstellte.

Dragon Ball GT vollbringt hingegen mit seinem Ende das, was Dragon Ball Z damals nicht konnte: Die Geschichte rund um Son-Goku und seine Freunde zu einem runden, stimmigen Abschluss zu führen, der sich wirklich nach dem Ende einer langen Geschichte anfühlt (obgleich natürlich die eine oder andere Hintertür für eine potenzielle Fortsetzung offen gelassen wurde). Das Ende von GT nimmt uns noch einmal mit auf eine Reise durch die Vergangenheit, von den Anfängen der Saga (Son-Gokus erstes Treffen mit Bulma), über die diversen Höhepunkte (beispielsweise Son-Gokus Verwandlung in einen Super-Saiyajin im Kampf gegen Freezer) bis hin zu den jüngsten Ereignissen (Sieg gegen Baby). Jede wichtige Station aller drei Serien wird noch einmal betrachtet, während das Geschehen von einer absolut stimmigen Musik untermalt wird und die Namen sämtlicher Mitarbeiter eingeblendet werden, die an den Serien im Laufe der Jahre gearbeitet haben. Ein besseres Ende für diese lange Reise hätte ich mir persönlich nicht vorstellen können.

Jetzt sind wir tatsächlich schon am Ende meines kleinen Artikels angekommen und ich hoffe, ihr hattet viel Spaß damit. Sicherlich war nicht alles perfekt an Dragon Ball GT, denn obwohl die Serie einige wirklich coole Ideen sowie Designs hatte, so mangelte es doch manches Mal an deren Umsetzung, über die man womöglich etwas sorgfältiger hätte nachdenken sollen. Andererseits waren an GT dermassen hohe Erwartungen geknüpft, dass die Serie diesen unmöglich hätte gerecht werden können, weshalb sie viele Fans enttäuscht zurückliess. Dragon Ball GT brauchte lange, um zu sich selbst zu finden und somit gewissermassen eine eigene Identität zu entwickeln. GT ist keinesfalls so schlecht wie der Ruf, welcher der Serie selbst nach über 20 Jahren noch immer anhaftet, und als Fan der Dragon Ball-Saga kann man zweifellos auch mit diesem Kapitel der Reihe eine Menge Spaß haben.