Elektro-Maus auf Abwegen – Pikachu ist jetzt Meisterdetektiv

Kann der erste Pokémon-Realfilm den Ansprüchen eines langjährigen Fans gerecht werden?

Als Pokémon-Fan der ersten Stunde habe ich mich besonders darauf gefreut, den Film Pokémon Meisterdetektiv Pikachu endlich zu sehen. Als jemand, der in seiner Kindheit und Jugend gefühlt mit nichts anderem gespielt hat als den Pokémon-Karten und -spielen, waren meine Erwartungen dementsprechend hoch. Bereits die Trailer haben uns die wunderschöne Welt des Films aufgezeigt. So habe ich gehofft, dass auch die Story passend und spannend sein würde. Hat Pokémon Meisterdetektiv Pikachu meine Erwartungen erfüllt?

Darum geht’s

Der junge Tim, der seit dem Verlust seiner Mutter bei seiner Grossmutter lebt, hat sehr wenig mit den Pokémon zu tun. Seinen Traum, einmal ein berühmter Pokémon-Trainer zu werden, hat er an den Nagel gehängt und geht stattdessen einer ganz normalen Arbeit nach. Doch dann ereilt ihn die Nachricht vom Verschwinden seines Vaters und so macht sich Tim widerwillig in die Metropole Ryme City auf. Dort trifft er auf Pikachu, den ehemaligen Partner seines Vaters, und für die beiden beginnt ein riesiges Abenteuer. Unterstützt werden sie dabei von einer jungen, aufstrebenden Journalistin mit ihrem Pokémon-Partner Enton. Sie hat betreffend des Verschwindens von Tims Vater bereits nachgeforscht und ist der Überzeugung, dass dunkle Machenschaften dahinter stecken. Mit dabei ist auch der leicht selbstverliebte Visionär Howard Clifford.

Pikachu und Tim aus dem Film Pokémon Meisterdetektiv Pikachu
Tim und Pikachu | Bild:
2019 Legendary / Warner Bros. / The Pokémon Company

Spannend, emotional, aber etwas Essentielles fehlt

Einige Stellen des Films haben mich stark an den allerersten Pokémon-Film aus dem Jahr 1998 erinnert. Pokémon Meisterdetektiv Pikachu ist aber kein Remake, sondern wartet mit einer eigenständigen Story auf. Als Pokémon-Fan hatte ich mich natürlich auf die klassischen Pokémon-Feautures wie das Fangen, Trainieren und Kämpfen mit den Taschenmonstern gefreut. Diese, meiner Meinung nach markanten Dinge, kamen leider etwas zu kurz. Scheinbar hat man bewusst auf solche Story-Elemente verzichtet, vermutlich um den Erzählfluss und die eigentliche Hauptstory nicht zu unterbrechen. Das ist tatsächlich das Einzige, das mir an der Story gefehlt hat. Ansonsten lässt sich sagen, dass Pokémon Meisterdetektiv Pikachu eine natürlich kinderfreundliche, aber dennoch spannende, teilweise überraschend emotionale und gegen Ende hin erstaunlich komplexe Geschichte erzählt.

Zusätzlich zur guten Story kommt der gute Humor hinzu, der ausnahmslos funktioniert. Pikachu, gesprochen von Ryan Reynolds, ist überraschend witzig und schlagfertig. Kombiniert mit der guten, schauspielerischen Leistung von Justice Smith als Tim entstehen immer wieder witzige Situationen und sorgen für viele Lacher. Auch einige der anderen Pokémon, allen voran Pantimos, den man bereits im Trailer gesehen hat, tragen erheblich zur Komik des Films bei.

Tim und Schlurp im Zug, aus dem Film Pokémon Meisterdetektiv Pikachu
Tim trifft auf das Pokémon Schlurp | Bild: 2019 Legendary / Warner Bros. / The Pokémon Company.

Obwohl Pokémon Meisterdetektiv Pikachu in erster Linie ein Film für jüngere Zuschauer ist, wurden auch einzelne Sprüche und Szenen eingebaut, die vermutlich nur die etwas älteren Zuschauer vollständig verstehen. Dies war für mich ein weiterer Pluspunkt, da Regisseur Rob Letterman den Film dadurch auch für ein erwachsenes Zielpublikum unterhaltsam gemacht hat.

Ein visuell wunderschöner Film mit viel Liebe zum Detail

Jeder, der zumindest einen der Trailer zum Film gesehen hat, wird mir zustimmen: Die Visual Effects in Pokémon Meisterdetektiv Pikachu sind atemberaubend gut. Die einzelnen Pokémon, wie auch diverse Elemente in den Städten und dem übrigen Setting sind wunderschön anzusehen und lassen einem in eine scheinbar reale Welt eintauchen. Für einen Film, der reale Schauspieler und Requisiten mit Visual Effects kombiniert, hat Pokémon Meisterdetektiv Pikachu hier alles richtig gemacht.

Gegen Ende des Films wird dem Zuschauer aber die Wiederholung in der Vielfalt der einzelnen Pokémon bewusst. Zu sehen sind Pokémon aus vielen verschiedenen Generationen, allerdings kamen einige davon sehr häufig vor. Ich nehme an, dass die Animationen aufwändig und zeitintensiv waren und so hat man sich für eine begrenzte Anzahl an Taschenmonstern entschieden. Dies ist kein Nachteil, als Zuschauer wünscht man sich allerdings, so viele verschiedene Pokémon wie möglich zu sehen. Schon rein deswegen würde ich mir einen weiteren Pokémon-Film in diesem Stil wünschen.

Pikachu, Tim und Lucy aus dem Film Pokémon Meisterdetektiv Pikachu
Tim mit Pikachu und Lucy mit Enton | Bild: 2019 Legendary and Warner Bros. / The Pokémon Company

Erwartungen nicht erfüllt, sondern übertroffen

Abschliessend lässt sich sagen, dass Pokémon Meisterdetektiv Pikachu ein toller Film ist. Für mich als Fan der Taschenmonster gehört er definitiv jetzt schon zu den Highlights dieses Kinojahres. Die doch ziemlich spannende Story hat mich positiv überrascht. Optisch war der Blockbuster ein absolutes Highlights und alleine das hat den Kinobesuch mehr als gerechtfertigt. Hinzu kamen der frische Humor und einige Verweise auf die älteren Filme, sowie die Pokémon-Spiele. Die gut ausgewählte Filmmusik liess mich ebenfalls mehrere Male nostalgisch werden. Ausserdem wurden unzählige kleine Elemente eingebaut, die selbst eingefleischte Pokémon-Fans beim ersten Mal Ansehen kaum alle entdecken werden. Daher freue ich mich jetzt schon auf das DVD-Release.

Für alle Fans der Taschenmonster ist der Streifen meine absolute Empfehlung. Doch auch für alle, die bisher nicht viel mit Pokémon zu tun hatten, ist Pokémon Meisterdetektiv Pikachu ein absolut sehenswerter Film.

Übrigens: Alle weiteren Filmstarts des Jahrs 2019 findest du hier.