Kurzreview: Der neue Hellboy ist ein Film aus der Hölle

Spart euch das Geld!

Früher habe ich mir fast immer, bevor ich ins Kino ging, die Bewertungen eines Filmes angeschaut. Wurde der Film zu schlecht benotet, habe ich mir das Geld lieber gespart. Heute schaue ich mir Bewertungen in der Regel nicht im Vornherein an, weil ich nicht möchte, dass es meine Meinung über den Film unbewusst beeinflusst. Bei Hellboy: Call of Darkness war das nicht anders und so habe ich mich auf einen Film eingelassen, den ich garantiert nicht noch einmal schauen werde.

Schauen wir uns doch noch einmal kurz den Trailer an:

Die Grundstory von Hellboy kennen wir eigentlich schon alle. Wer die Comics nicht gelesen hat – so wie ich – kennt sicher die beiden Filme aus den Jahren 2004 und 2008. Damals führte Guillermo del Toro bei beiden Filmen Regie und auch beim Drehbuch hatte der Monster-Nerd seine Finger im Spiel. Beide Filme waren grossartig und so hatte Hellboy: Call of Darkness die schwere Bürde, das Erbe dieser beiden Meisterwerke anzutreten.

Hohle Story? Egal – hauptsache krasse Szenen

Auch wenn der Trailer durchaus einen amüsanten Film verspricht, ist es dieser leider ganz und gar nicht. In 121 Minuten quält man sich mit Hellboy durch eine Story, die so zäh wie Honig und so löchrig wie die Minen von Moria ist. Ich weiss nicht, was sich die Drehbuchautoren genau überlegt haben, aber es scheint fast so, als wollte man einfach möglichst viele coole Szenen in diesen Film packen. Dass diese Szenen oft überhaupt nicht ins Gesamtbild der Geschichte passen, hat wohl niemanden interessiert.

Review zu Hellboy: Call of Darkness
Bild: Universum Film

Achtung im folgenden Abschnitt hat es Spoiler

Ein gutes Beispiel ist der actionreiche Auftakt des Films, in welchem Hellboy sich in einem Boxring mit einem ehemaligen Freund und Arbeitskollegen prügelt. Obwohl diese ganze Sequenz in einer verheissungsvollen, rätselhaften Aussage endet, trägt diese nichts mehr zum Rest des Filmes bei. Nur an einer Stelle wird noch einmal auf diesen Moment verwiesen. Dies wirkt aber mehr wie ein krampfhafter Versuch, diese Auftaktszene zu rechtfertigen, als dass es wirklich Sinn ergibt. Man hätte die gesamten ersten fünf Minuten des Filmes weglassen können und es hätte nichts, rein gar nichts, an der Story geändert.

Charakterentwicklung? Nope!

Ja, den einen mag Charakterentwicklung nicht so wichtig sein, aber auch in einem Action-Kracher wie Hellboy gehört das nun einmal dazu. Es ist nicht so, dass nicht versucht wird, Hellboy eine Entwicklung durchmachen zu lassen. Aber diese ist so plump und unglaubwürdig, dass man das Gefühl hat, man habe das Drehbuch für Sechsjährige geschrieben. Dabei ist der Film ab 16 Jahren – und das aus gutem Grund: Hellboy ist eine nicht enden wollende Gewaltorgie.

Review zu Hellboy: Call of Darkness
Bild: Universum Film

Ich muss wirklich zugeben, dass es einige Szenen gab, die ich ziemlich eklig fand. Klar, Gewalt gehört zu Hellboy und Splatter-Fans unter euch dürfte dieser Film daher super gefallen – aber alle anderen sollten sich diesen Film lieber nicht anschauen. Im Laufe der zwei Stunden werden so viele Köpfe abgetrennt, Gliedmasse ausgerissen und Menschen in zwei Hälften geteilt, dass Deadpool dagegen fast schon wie ein Kinderfilm wirkt.

Wir können wirklich froh sein, dass das Hellboy-Reboot nicht der erste Film war, der das – aus Produzentensicht – Risiko einging, ein R-Rating anzupeilen, sondern Deadpool. Denn während Deadpool Hollywood davon überzeugt hat, dass auch ein Film für Erwachsene sehr viel einspielen kann, hätte Hellboy wohl nur das Gegenteil bewirkt. Denn wenn ihr mich fragt, wird Hellboy: Call of Darkness an den Kinokassen nur mässig Umsatz machen. Damit dürfte dann auch die Fortsetzung, welche am Ende des Films eingeleitet wird, im Fegefeuer von Hollywood verbrennen.

Fazit

Wenn ihr auf Action mit viel Prügeleien und richtig, richtig viel Blut steht und euch die Story nicht so wichtig ist, könnte Hellboy tatsächlich etwas für euch sein. Wenn ihr aber doch etwas mehr Substanz von einer Comic-Verfilmung erwartet, macht ihr einen Bogen um diesen Film.

Übrigens: Wie wäre wohl ein Deadpool-Film ab 12 Jahren anstatt 16? Hier könnt ihr es nachlesen.