Elise Krieps Torben Liebrecht und Rainer Bock aus Karla

Karla: Eine verschwiegene Wahrheit!

Am 2. Oktober 2025 lief das deutsche Historiendrama Karla in den Kinos. Seit 5. Februar 2026 kann der Film zudem auf Blu-ray und DVD sowie seit geraumer Zeit kostenpflichtig bei Prime Video und Apple TV gestreamt werden. Der Spielfilm der griechisch-deutschen Regisseurin Christina Tournatzẽs wurde in der Hauptrolle mit der Newcomerin Elise Krieps besetzt. Weitere Rollen haben u.a. Rainer Bock, Imogen Kogge, Torben Liebrecht, Katharina Schüttler, Ben Braun und Carlotta von Falkenhayn übernommen. Im Mittelpunkt steht ein zwölfjähriges Mädchen, das sich im Deutschland der frühen 60er-Jahre gegen das Schweigen seiner Umgebung auflehnt und für Gerechtigkeit kämpft. Doch findet dieser Film die nötige Sensibilität, um die zunächst verstummte Kinderstimme mit aller Dringlichkeit hörbar zu machen?

Elise Krieps aus dem Drama Karla
Karla (Elise Krieps) gelingt die Flucht aus einem familiär schwer belastenden Umfeld. | Bild: © Eksystent Filmverleih (Florian Emmerich)

Die Hoffnung auf Gerechtigkeit

München im Jahr 1962: Die zwölfjährige Karla wird in einem Umfeld gross, das von Schweigen und Verdrängung bestimmt wird. Letztlich fasst sie den Entschluss, ihre Familie zu verlassen und ihren eigenen Vater anzuzeigen, nachdem sie über Jahre hinweg von ihm sexuell missbraucht wurde. Im Zuge des Verfahrens begegnet Karla dem Ermittlungsrichter Lamy. Der zunächst verschlossen wirkende Jurist nimmt das Mädchen und seine Aussagen ernst und versucht, einen Zugang zu ihr zu finden. Während Karla darum kämpft, ihre Erlebnisse auf ihre eigene Weise schildern zu können, entwickelt sich zwischen den beiden ein vorsichtiges Vertrauensverhältnis, das den weiteren Verlauf des schwierigen Gerichtsverfahrens prägt.

Rainer Bock spielt Richter Lamy
Richter Lamy (Rainer Bock) muss einen Zugang zu Karla finden, um ihr einen fairen Gerichtsprozess zu ermöglichen. | Bild: © Eksystent Filmverleih (Florian Emmerich)

Ein Historiendrama auf Karlas Augenhöhe

Karla ist ein subtil inszeniertes Historiendrama, das vor allem in seinen vielen Momenten der beklemmenden Stille an zusätzlicher Intensität gewinnt. Der knapp über 100-minütige Film nimmt sich dabei reichlich Zeit, um das Schicksal seiner Hauptfigur begreiflich zu machen. Stilistisch ordnet sich das Drama voll und ganz Karla unter. Die feinfühlige Inszenierung deutet die Gewalt nur an und lässt die Wirkung über die Dialoge zwischen Karla und Richter Lamy entstehen. Dies gibt dem Film eine stimmungsvoll sensible Note, die Karlas anfängliches Schweigen unterstreicht. Die Inszenierung bleibt ihr somit auf Augenhöhe und vermeidet es, ihr Trauma auszuschlachten.

Die kammerspielartigen Momente werden immer wieder von Karlas Flashbacks durchbrochen, die vor allem auch dem Zuschauer eine zusätzliche emotionale Orientierung geben. Daneben greift der Film Karlas neues Leben im Kinderheim auf, wobei sie dort dank ihrer neuen Freundin Ada langsam wieder aufblüht. Momente, die den emotional schwereren Szenen leicht auflockernd gegenüberstehen.

Imogen Kogge als Frau Steinberg und Elise Krieps in Karla
Frau Steinberg (Imogen Kogge), Richter Lamys Sekretärin, leistet Karla kurz vor der alles entscheidenden Gerichtsverhandlung emotionalen Beistand. | Bild: © Eksystent Filmverleih (Florian Emmerich)

Ein entschlossener Kampf gegen alle Widerstände

Schauspielerisch lebt der Film von Elise Krieps, die Karla mit selbstbewusster Entschlossenheit porträtiert. In der männerdominierten Polizeiwache ist sie zwar verständlicherweise aufgrund ihrer schwerwiegenden Vergangenheit erst einmal verschlossen, doch lässt sie schon frühzeitig ihre gereifte Sichtweise durchscheinen. Elise Krieps gelingt es, diesen Facetten mit einer authentischen Würde zu begegnen. Wohldosiert bringt sie auch die emotionalen Stimmungswechsel ihrer Figur zum Vorschein. Die Kamera fängt die eskalierenden Momente hierbei bewusst distanzierend ein, womit die emotionale Wirkung aus dem Off verstärkt wird.

Rainer Bock überzeugt mit einer beruflich-abgeklärten Autorität, deren zunächst rauer Kern im weiteren Verlauf emotional durchbrochen wird. Imogen Kogge dient als Sekretärin Frau Steinberg wiederum als Schlüsselfigur, um diesen Entwicklungsprozess in Lamy auszulösen. Torben Liebrecht dominiert seine wenigen Szenen als Vater Karl Ebel schliesslich mit entschiedener Skrupellosigkeit, während Katharina Schüttler als in Bedrängnis geratene Mutter emotional überzeugend agiert und ihre eingeschüchterte Mimik bereits lange vor ihrem Geständnis das Eigenerlebte offenbart. Technisch wird der Film von wenigen Schnitten und einer Kameraarbeit getragen, die zwischen ruhiger Distanz und dynamischeren Rückblicksequenzen angelegt ist.

Torben Liebrecht und Imogen Kogge im Film Karla von 2025
Ob der Stein am Ende ins gerechte Rollen kommt? | Bild: © Eksystent Filmverleih (Florian Emmerich)

Mein Fazit zu Karla

Karla ist ein Film des Dialogs, der auch seine grössten Emotionen und Bilder darauf aufbaut und Menschlichkeit sowie Gerechtigkeit anhand eines Schicksals emotional aufrüttelnd nachbildet. Die tatsächlich wahre Geschichte um Karla wird dabei mit Fokus erzählt, ohne sich in irrelevante Nebenstränge zu verlieren, wobei allen voran Krieps und Bock die tragenden Säulen des Films sind.