Max Rüdlinger als Kommandant Knorr in Mad Heidi

Mad Heidi: Ungewöhnliches Finanzierungsmodell ermöglicht dem unkonventionellen Heimatfilm den Drehstart!

Mit dem fröhlichen Heidi verbinden viele Filmfans Harmonie, eine heilvolle Bergwelt und leckeren Käse. Das wollen die Macher hinter Mad Heidi nun ändern. Bei dieser Produktion handelt es sich um eine Mischung aus Horror- und Splatterfilm – und das aus der Schweiz! Klar, ein solches Experiment wird nicht gerade durch die übliche Schweizer Filmförderung unterstützt. Daher greift das Produktionsteam zu unkonventionellen Finanzierungsmodellen, wie es uns am 16. Zurich Film Festival erzählt hat.

Die Story von Mad Heidi

Über die Handlung des ungewöhnlichen Swissploitation-Films ist noch wenig bekannt. Gemäss ersten Informationen spielt die Geschichte in einer alternativen Schweiz, die von Faschisten regiert wird. So leidet die Bevölkerung unter dem Dikator Meili, Kommandant Knorr und dessen Armee. Gefangene werden von ihm und seinen Schergen beispielsweise mit Käsefondue und Schokolade gefoltert. Die junge Heidi verbündet sich mit der Bevölkerung und zieht in den Kampf gegen die Faschisten. Bereits 2018 haben die Macher einen Teaser veröffentlicht, der es in sich hat und einen blutigen Film à la Tarantino und Rodriguez verspricht.

Das Team hinter der Horror-Action-Komödie

Regie führt der Berner Johannes Hartmann, der bereits verschiedene Musikvideos, Werbefilme und Kurzfilme wie beispielsweise Halbschlaf realisiert hat. Er konnte mit Jan Greutert und Tero Kaukomaa zwei erfahrene Produzenten gewinnen. Greutert hat bereits den ersten Schweizer 3D-Horrorfilm One Way Trip sowie das erfolgreiche Drama Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes produziert. Kaukomaa ist für die Produktion der beiden Iron Sky-Filme bekannt. Ihn hat Hartmann angerufen und mithilfe eines Pitches sofort überzeugt, wie uns Kaukomaa am ZFF verriet. Als Co-Drehbuchautor konnte zudem Trent Haaga ins Boot geholt werden. Es hat bereits Skripts für Splatterfilme wie Deadgirl oder 68 Kill verfasst.

Bekannte Gesichter im Cast

Mittlerweile wurde auch der Cast bekanntgegeben. Das kämpferische Heidi wird von der englisch-spanischen Schauspielerin Alice Lucy dargestellt. Sie ersetzt damit die ursprünglich vorgesehene Jessy Moravec, die nun einen anderen künstlerischen Weg eingeschlagen hat und mittlerweile in der Regie und Produktion tätig ist. Lucy, die einen Schwarzen Gürtel in Taekwondo besitzt, ist bereits in Bern angekommen und trainiert fleissig für die Kampfszenen. Fans von Starship Troopers und Alita: Battle Angel können sich auf ein vertrautes Gesicht freuen. Niemand geringeres als Caspar van Dien konnte für die Rolle des Diktators Meili verpflichtet werden.

Für die Rolle des Alpöhi haben die Macher ebenfalls eine prominente Persönlichkeit gewinnen können: David Schofield. Er war bereits als Lord Becketts Handlanger Mr. Mercer in Fluch der Karribik 2-3 zu sehen. Zudem hat er Rollen in Gladiator, Die dunkelste Stunde sowie in den Serien Doctor Who und Da Vinci’s Demons gespielt. Die Österreicherin Katja Kolm schlüpft in die Rolle der Fräulein Rottweiler, eine wohl noch teuflischeren Variante des Fräulein Rottenmeiers aus der Heidi-Geschichte. Die spanisch-japanische Darstellerin Almar G. Sato schliesst sich dem Cast an und wird Klara spielen. Als Geissenpeter ist der englisch-zimbabwesische Theaterschauspieler Kel Matsena zu sehen. Und natürlich darf Max Rüdlinger nicht fehlen. Ihn haben wir bereits im Teaser als Kommandant Knorr kennengelernt. Was er uns über den Teaser-Dreh erzählt hat und was er sich vom Film erhofft, seht ihr in unserem Videointerview.

Alice Lucy Caspar van Dien und David Schoffield sind im Cast von Mad Heidi
Alice Lucy, Caspar van Dien und David Schofield spielen bei Mad Heidi mit. | Bilder: Instagram (alice.e.lucy) / 20th Century Studios / MGM / Columbia Pictures / United Artists / Cruise/Wagner Produtcions / Sony Pictures Motion Picture Group / Walt Disney Studios Motion Pictures

Dreharbeiten in Bern und im Wallis

Der komplette Film wird in der Schweiz gedreht, bereits diese Woche starteten die Dreharbeiten. Viele Drehorte sind im Kanton Bern angesiedelt. So wird in Burgdorf, Erlach oder auf der Engstligenalp gedreht. Sogar das Freilichtmuseum Ballenberg mit seinen alten Bauernhäusern hält als Kulisse hin. Natürlich gibt es auch Aufnahmen im Studio. Da die Stadt Bern über kein Filmstudio in geeigneter Grösse verfügt, mussten sich die Filmemacher etwas anderes einfallen lassen und wurden fündig: Während der Produktion kann das Team von Mad Heidi das alte Gebäude der APGs nutzen.

So entstanden während den letzten Wochen in der nicht mehr genutzten Fabrikhalle Sets wie eine schmutzige Gefängniszelle, ein prachtvolles Büro sowie eine Produktionsanlage einer gewaltigen Käsefabrik. Da das Budget für einen Film dieses Genres gering ist, haben die Set-Designer und Prop-Maker zu unkonventionellen Mitteln gegriffen. In den Brockenhäusern und auf den Schrottplätzen in der Region sammelten sie viele Gegenstände zusammen und bauten Maschinen und kreative Waffen daraus.

Regisseur Johannes Hartmann auf dem Filmset von Mad Heidi
Filmemacher Johannes Hartmann wird bei Mad Heidi Regie führen. Bild: Pascal Greuter • pascalgreuter.com

Ein ungewöhnliches Finanzierungsmodell für Mad Heidi

In der Regel werden Schweizer Kinofilme durch Kommissionen, Vereine, privaten Geldgebern und Stiftungen finanziert. Auch das Bundesamt für Kultur leistet einen grossen Beitrag dazu und unterstützt eine Filmproduktion finanziell, allerdings erst, sobald gewisse Auflagen erfüllt sind. Dazu gehören unter anderem eine gesunde Portion Swissness und die Möglichkeit, den Geschmack eine möglich breitgefächertes Publikum innerhalb der Schweiz anzusprechen. Das ist schon mal eine Hürde für Filmemacher. Gerade dann, wenn es sich um einen eher unkonventionellen Film handelt.

Auch gilt zu beachten, dass hiesige Filmemacher auch fast nichts an einem Film verdienen. Dies liegt am System: Vertriebsagenten, Verleiher und Kinos – alle wollen natürlich an einem Streifen verdienen. Um daher die oben genannten Problematiken zu umgehen und den Film somit abseits des Systems finanzieren zu können, haben sich die Verantwortlichen von Mad Heidi einen kreativen und gleichzeitig innovativen Ansatz einfallen lassen. Der Streifen wird aus mehreren Quellen finanziert. Dazu gehören einerseits das bekannte Crowdfunding und andererseits das eher moderne Crowdinvesting.

Merchandising und Goodies für den Support

Die erste Variante hat man bereits 2018 gestartet und ist gemäss Angaben der Filmemacher die bisher erfolgreichste Kampagne für einen Schweizer Film. Im Fall von Mad Heidi haben Interessierte die Möglichkeit, das Projekt mit dem Kauf von Merchandising-Artikeln zu unterstützen. Dazu zählen T-Shirts, Tassen, Fondue-Mischungen, Pins, Puzzles, Plakate, Original-Requisiten und Absinth-Likör. Auch Premierentickets und DVDs sind erhältlich. Zudem kann man auch «Heidi-Bonds» kaufen. Dabei handelt es sich um eine Art Währung, die man später gegen Goodies umtauschen kann. Dadurch bieten sich die Möglichkeiten, eine Statistenrolle zu übernehmen, das Set zu besuchen oder als Gesuchter der Polizei abgebildet zu sein. Auch eine Erwähnung im Film oder auf der Website ist möglich.

Anteil am Film Mad Heidi
Mit diesem Tool wird man zum Filmproduzenten. | Bild: Screenshot Madinvest.co

Beim Crowdinvesting können Interessierte einen Beitrag einzahlen und werden dadurch zum «Mad Investor». Je nach Höhe der eingezahlten Investition und dem Erlös des Films, bekommt der Investor einen dementsprechend Anteil. Zahlt beispielsweise jemand 10 000 Schweizer Franken (ca. 9 400 Euro) ein, so erhält er 20 Anteile und eine Gewinnbeteiligung von 0.38462 Prozent aller weltweiten Einnahmen. Für diesen Prozess kommt die manipulationssichere Blockchain-Technologie zum Einsatz und wird von der Flimchain LTD aus London zur Verfügung gestellt.

Das Finanzierungsziel von Mad Heidi ist erreicht

Die Macher von Mad Heidi strebten mit diesen beiden Finanzierungsmodellen ein maximales Budget von 2 Millionen Franken an. Es wäre aber auch möglich, den Film bereits mit 1 Million Franken zu realisieren, wie uns das Team am Mad Invest-Launch am Zurich Film Festival verriet. Dieses Ziel hat das Projekt im April 2021 erreicht und daher begannen die Vorbereitungen für den Dreh im Herbst. Es ist immer noch möglich, das Projekt zu mitzufinanzieren, entweder durch den Kauf von Merchandising, Heidi-Bonds oder dem Crowdinvesting. Schliesslich verschlingen nicht nur die Vorbereitungen, die Dreharbeiten oder die Postproduktion Geld, sondern auch die Marketingaktivitäten. Den aktuellen Stand der Finanzierung ist hier einsehbar. Der Film soll 2022 veröffentlicht werden.

Hast du auch Lust, Mad Heidi mitzufinanzieren? Dann klick hier.

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