Loriot (Vicco von Bülow) aus Pappa ante Portas

Meine Lieblingsfilme: Loriot, Hape, Falco und Udo…

Anlässlich meiner Jubiläumsreihe rund um meinen 100. Whatthefilm-Artikel möchte ich euch 20 meiner Lieblingsfilme präsentieren. Pro Teil stelle ich euch in dieser vierteiligen Reihe immer fünf Filme vor. Egal, ob aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz – die folgenden Werke haben mich in diesem dritten Teil nachhaltig berührt oder bestens unterhalten und zählen zu meinen persönlichen All-Time-Favoriten. Diese Auswahl ist dabei nicht als Ranking zu verstehen, sondern chronologisch nach Erscheinungsjahr sortiert.

Pappa ante portas (1991)

Den Anfang nimmt der Komödienklassiker Pappa ante portas von und mit Loriot ein.

Darin kämpft Heinrich Lohse mit den Tücken des plötzlich einbrechenden Ruhestands, womit er seine Frau und sein Umfeld zunehmend in Aufruhr versetzt.

Während viele Komödien von Komikern wie Otto – Der Film unter einer sketchlastigen Inszenierung leiden, gelingt es Loriot, stimmungsvolle und dynamische Humorszenarien in seinen überspitzten Alltagsbeobachtungen zu platzieren. Diese erreichen einen natürlichen Ablauf, der nicht nur in seinen komödiantischen Höhepunkten, sondern auch in zahlreichen gelungenen Zwischensequenzen aufgeht. So nahm keiner die Sitten und Tücken des menschlichen Zusammenlebens so genussvoll auseinander wie er. Pappa ante portas ist da natürlich keine Ausnahme.

Gefüllt mit erinnerungswürdigen Zitaten und irrwitzigen Momenten befeuert Loriot einmal mehr die Eigenheiten des Kleinstadtlebens und Spiessbürgertums. Dabei liefert er ein perfekt abgestimmtes Timing und einen aufgeräumten Blick für die kleinsten Details ab, wodurch viele Pointen zusätzlich an Schärfe und Zeitlosigkeit gewinnen. Ausserdem ist es ein Film, der regelmässig in meinem Player landet und trotz zahlloser Sichtungen immer noch kräftig meine Lachmuskeln beansprucht.

Kein Pardon (1993)

Hape Kerkelings wohl persönlichste Komödie Kein Pardon hat auch einen besonderen Stellenwert unter meinen filmischen Favoriten. In seiner Regiearbeit verarbeitet Hape Kerkeling dabei eigene Erfahrungen aus den frühen Phasen seiner Karriere.

Im Zentrum steht die Geschichte des cholerischen Fernsehentertainers Heinz Wäscher, der von seinem grössten Fan Peter Schlönzke abgelöst wird. Dieser findet sich bald selbst in der schillernden, aber auch gnadenlosen Welt der Fernsehbranche wieder und muss feststellen, dass Ruhm und Erfolg nicht selten ihren Preis haben.

Der satirische Blick hinter die Kulissen von Hapes Showbiz-Satire ist auch heute noch zeitlos. Dabei werden die manipulativen Mechanismen der oft oberflächlich anmutenden Fernsehbranche gnadenlos durch den Kakao gezogen. Heraus kommen zahlreiche humorvolle und satirisch zugespitzte Momente zwischen Kalauer und Gesellschaftskritik.

Es ist auch die grosse Stärke von Hapes Film, dass er nicht innerhalb seiner Gags verpufft, sondern dazwischen tatsächlich tiefgründige Substanz aufweist, wenn er aufzeigt, wie unsensibel und teils rücksichtslos mit Menschen innerhalb dieser Branche umgegangen wird. Der Titel Kein Pardon ist deshalb durchgehend Programm. Hinter dem glänzenden Fernsehschirm findet sich zudem nicht selten eine Arbeitswelt, in der auch nur Menschen und keine unfehlbaren Ikonen agieren. Hinzu kommt das grandiose Schauspiel von Heinz Schenk, mit dem er sich zwischen Komik und Cholerik unsterblich machte. Der Kontrast zwischen Aussenwahrnehmung und der tatsächlichen Realität hinter den Kulissen bleibt aber ohnehin der eindringlichste komödiantische Kontrast, den Hapes Film zwischen Unterhaltung und Satire schonungslos offenbart.

Der Trinker (Fernsehfilm) (1995)

Der Trinker unter der Regie von Tom Toelle ist die wohl nahbarste Filmarbeit von Harald Juhnke geworden.

Streng chronologisch erzählt der Film die Geschichte von Erwin Sommer, der nach geschäftlichen Rückschlägen in seiner geerbten Firma immer öfter zur Flasche greift, während seine Frau allmählich einsehen muss, dass sich ihr Mann immer mehr zum Alkoholiker entwickelt. Als sie ihn schliesslich in ein Heim schickt, geht es für Erwin immer weiter in die tiefe Schlucht der Alkoholsucht.

All das wurde sehr authentisch in Szene gesetzt. Mit Harald Juhnke ist dieser bedeutende Fernsehfilm zudem wirkungsvoll besetzt worden. So kann er sich doch gerade selbst wie kein Zweiter in das abgrundtief verzweifelte Leben eines Suchtkranken hineinversetzen, nachdem er selbst darunter gelitten hat.

Obwohl ihm sein Arzt wohl davon abgeraten hatte, stürzte sich Juhnke in seinen persönlichsten Film und verarbeitete die Alkoholsucht somit auf ganz eigene unverblümte Weise. Immer auch mit der von Kollegen geschürten Angst vor einer nahenden Rückfälligkeit. Doch am Ende konnte Juhnke den Film zumindest währenddessen ohne Alkoholeskapaden professionell abschliessen. Die Kameraarbeit von Achim Poulheim holt immer wieder Juhnke in den Mittelpunkt, womit die Tragik seiner Figur ihre dramatische Wirkung keinesfalls verfehlt.

Am Ende ist es einer der wichtigsten deutschen Fernsehfilme geworden, der die Alkoholsucht eines Mannes durch Juhnke über die Fiktion hinaus fast schon dokumentarisch offenbart. Dabei zeigt der Film erschreckend auf, in welcher Teufelsspirale die Opfer gefangen sind und manchmal auch bleiben. Der Blick auf die Angehörigen wird dabei genauso wenig ausser Acht gelassen wie die ärztliche Behandlung selbst.

Falco – Verdammt, wir leben noch! (2008)

Falco – Verdammt, wir leben noch! erzählt in einer biografisch angelegten Dramatisierung den Weg des österreichischen Musikers Falco von seinen Anfängen bis hin zu seinem internationalen Durchbruch als Pop-Ikone. Dabei wird sein Aufstieg in der Musikszene ebenso beleuchtet wie der zunehmende Druck zwischen Ruhm, Selbstinszenierung und persönlicher Zerrissenheit.

Regisseur Thomas Roth erschafft hierbei mit viel Tiefe und Gespür für Zwischentöne einen teils fiktiven, aber auch biografischen Zugang zu Österreichs schillernden Nationalhelden Falco. Manuel Rubey vollbringt den glaubwürdigen Wandel zwischen Exzess und Depression sowie Künstlerpersona und Privatmensch, ohne Falcos ikonischen Status zu entzaubern. So gelingt es Rubey auch in den vielen Dialogpassagen, die richtige Stimmfarbe und passende Artikulation zu treffen. Lediglich in den selbst eingesungenen Gesangseinlagen trifft Rubey den Ton des Originals nicht gänzlich, da er die kraftvollen Höhen Falcos nicht erreicht. Dafür wurden Auszüge aus den Musikvideos originalgetreu nachgestellt und stimmungsvoll ins Biopic eingebettet.

Herausgekommen ist ein unterhaltsames Biopic, das mit inhaltlicher, darstellerischer und seelischer Tiefe punkten kann.

Der Mann mit dem Fagott (2011)

2011 erlebte der zweiteilige Fernsehfilm Der Mann mit dem Fagott seine TV-Premiere. Ein Film, der nicht nur ein Biopic über Udo Jürgens darstellt, sondern seine Familiendynastie von 1891 bis 2010 beleuchtet.

Die Geschichte der Familie Bockelmann wird über drei Generationen hinweg als Familiensaga erzählt, deren Schicksale eng mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen Europas im 20. Jahrhundert verbunden sind. Im Mittelpunkt steht die Suche nach Identität, Herkunft und Neubeginn vor dem Hintergrund von Krieg, Verlust und persönlicher Entwicklung.

Unter Mitwirkung von Udo Jürgens selbst wird die Familiengeschichte sehr respektvoll nacherzählt. Dabei ist u.a. David Rott als junger Udo Jürgens in den 60ern eine wahnsinnig treffende Besetzung. Neben Christian Berkel und Ulrich Noethen legt er eine unglaublich natürliche Spielweise an den Tag.

Filmisch überzeugt der Zweiteiler mit grandiosen Bildern in aufwendigen Sets sowie eindrucksvollen Naturschauplätzen, die die Wucht der Familiengeschichte stimmungsvoll untermalen. Zum letzten Glanz verhilft dabei auch der Soundtrack von Udo Jürgens und Nic Raine.

Somit ein berührendes Vermächtnis der Familie Bockelmann, aber auch ein bleibendes Andenken an Udo Jürgens, das eindringlich nachwirkt.