Robin Williams und Ethan Hawke aus Der Club der toten Dichter

Meine Lieblingsfilme: Robin, Kevin, Leo und Anthony…

Im Zuge meiner Jubiläumsreihe rund um meinen 100. Whatthefilm-Artikel möchte ich euch 20 meiner Lieblingsfilme präsentieren. Pro Teil stelle ich euch in dieser vierteiligen Reihe immer fünf Filme vor. Egal, ob emotional, genreübergreifend, unglaublich unterhaltsam, realitätsnah oder beklemmend – auch diese Filme, die ich in meinem offiziell 100. Artikel vorstelle, haben mich auf unterschiedlichsten Ebenen besonders mitgenommen und auf hohem Niveau unterhalten!

Der Club der toten Dichter (1989)

Dieses Drama ist für mich einer der eindringlichsten Filme über die Poesie als Ausdrucksform der Individualität.

In Der Club der toten Dichter geht es um ein strenges Elite-Internat, an dem Schüler nach festen Regeln erzogen werden. Als der unkonventionelle Englischlehrer John Keating dort unterrichtet, inspiriert er sie zum eigenständigen Denken und zur Leidenschaft für Poesie. Einige Schüler beleben daraufhin den geheimen „Club der toten Dichter“, dem Keating während seiner eigenen Schulzeit angehört hatte, neu und treffen sich heimlich, um ihre neu gewonnene Freiheit auszuleben, was jedoch weitreichende Konsequenzen nach sich zieht.

Der Club der toten Dichter ist ein Film, der mich zutiefst berührt. Mit einer sehr feinfühligen Erzählweise ist es ein aufrichtiger Appell für mehr Menschlichkeit dank der freiheitlich-poetisch vermittelnden Denkweise. Ein Film, der sein Thema nicht nur inszenierte, sondern seinen Grundgedanken dank Robin Williams’ teils improvisiertem Schauspiel auch durchlebte. Eine entscheidende Stärke, die Peter Weir am Filmset zugelassen hat.

Überhaupt ist Robin Williams’ berührende, leidenschaftliche, aber auch komödiantisch-beflügelnde Spielweise das Herzstück dieses Films. Die warmherzige Botschaft, dass jeder, egal wie gross, seinen eigenen Vers zum Leben beitragen kann, besitzt bis heute eine ansteckende Inspirationskraft. Ebenso der Gedanke, den Mut aufzubringen, den weniger betretenen Weg im Wald einzuschlagen oder das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. So kraftvoll die vielen Zitate und rezitierten Gedichte im Film aber auch sind, so dramatisch ist auch das verhängnisvolle Schicksal, das anhand eines Menschen nachgezeichnet wird, der seiner Leidenschaft aufgrund des väterlichen Drucks nicht nachgehen darf.

Die Titelzeile O Captain! My Captain! und die Szene, in der die Schüler auf ihre Tische steigen, entwickelte sich 2014 auch zur würdigenden Anteilnahme der weltweiten Trauer um das tragische Ableben von Robin Williams. Im wirkungsvollsten Sinne also ein Film, der am Ende aus vielschichtigen Gründen emotional im Gedächtnis bleibt.

American Beauty (1999)

Das erstaunlich stimmungsvolle Kinofilmdebüt von Sam Mendes ist als Mischung aus Drama, Romanze, Thriller und Satire ein genreübergreifendes Überraschungspaket geworden.

In American Beauty erzählt Lester Burnham posthum von seinem Leben und seiner Midlife-Crisis. Unzufrieden mit Ehe, Job und Alltag, beginnt er sein Leben radikal zu verändern und verfolgt zunehmend egoistische Impulse, die ihn in eine Reihe persönlicher und familiärer Konflikte führen. Dabei nähert er sich auch der Freundin seiner Tochter an, was seine Situation weiter zuspitzt und schliesslich in einer anfangs angeteaserten, folgenschweren Entwicklung mündet.

Neben Burnham gelingt es Mendes, auch die anderen Familienmitglieder grandios zu porträtieren und innerhalb der verschiedensten Persönlichkeiten die vielen Facetten des Lebens aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu präsentieren. Dabei lohnt sich gerade hier der tiefere Blick hinter die Fassade des oft erfüllt anmutenden American Way of Life. Was letztlich in American Beauty bleibt, ist ein Scherbenhaufen aus zerstörten Gefühlen und unterdrückten sexuellen Lüsten. Die Zerstörung dieser Traumwelt seziert Mendes mit einer eindrucksvollen Genüsslichkeit, zynisch-satirischer Offenbarung und einer tiefgreifenden Fülle an Lebensweisheiten.

Kevin Spacey brilliert darüber hinaus mit einer schonungslos-ehrlichen Scharfsinnigkeit, während Annette Bening glaubwürdig aus den Fesseln der bröckelnden Vorstadtidylle ausbrechen darf. Mena Suvari verkörpert wiederum das Objekt der Begierde, das für Lester zum unausweichlichen Verhängnis wird.

Somit ist American Beauty eine glänzend beobachtete Vorstadt-Satire, die den American Way of Life auf vielschichtige Weise zerbricht.

Catch Me If You Can (2002)

Mit Steven Spielbergs Catch Me If You Can ist eine unglaublich unterhaltsame Filmbiografie und Gaunerkomödie entstanden, die mit einer überzeugenden und über den Film hinweg transportierten Leichtigkeit verfilmt wurde.

Es geht um Frank William Abagnale, einen der wohl bekanntesten Betrüger des 20. Jahrhunderts. Als er sich während der Scheidung seiner Eltern zwischen den beiden entscheiden soll, ergreift er die Flucht und startet ein aufregendes und kriminelles Leben. Immer auf der Durchreise mit wechselnden und meist unrechtmässig erworbenen Jobs, muss er vor allem immer wieder dem FBI-Ermittler Carl Hanratty entkommen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihn hinter Gittern zu bringen!

Catch Me If You Can ist für mich dabei der Inbegriff einer abwechslungsreichen Kriminalkomödie, die trotz ihrer Laufzeit von über 130 Minuten nie ins Stocken gerät. Dies ist dem amüsanten und actionreichen Katz-und-Maus-Spiel der beiden Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio und Tom Hanks zu verdanken, die sich hier gegenseitig beflügeln. DiCaprio, der als Hochstapler jede Situation mit authentischer Souveränität meistert, und Tom Hanks, der die richtige Dosis an Fokussierung, Überzeugungswillen und Verbissenheit an den Tag legt, sind einfach auch eine stimmungsvolle Kombi, die sich überraschungsreich durch diese Story schlägt.

Kurzum ein ereignisreiches Filmspektakel, dessen Leichtigkeit schwer zu übertreffen ist!

The Father (2020)

Es passiert nicht allzu oft, dass ich bei einem Film Tränen verdrücken muss, doch The Father von Florian Zeller erreichte dies bei meinem damaligen Kinobesuch.

Das Filmdrama erzählt die Geschichte von Anthony, der immer tiefer in seine Demenz versinkt. Dabei wollen seine Mitmenschen nur das Beste. Doch Anthony sieht hinter allem nur das Schlimmste und möchte in keinem Fall Veränderungen in seinem Leben.

Florian Zellers eigene Adaption nach seinem Theaterstück ist dabei raffiniert inszeniert worden. Sein Film bringt uns stilistisch nämlich selbst in die Welt der Demenz. Wie in einem packenden Kriminalfilm fügt sich so Puzzleteil an Puzzleteil, bis wir zum Schluss das erschütternde Gesamtbild beisammen haben. So werden wir schon zu Beginn in den wahnhaften Verstand von Anthony hineingezogen und sind auf seiner Seite, wenn selbst wir erstmal nicht genau begreifen können, was gerade mit Anthonys Gedächtnis und seiner Umgebung vor sich geht.

Sir Anthony Hopkins ist hierfür völlig zurecht mit einem zweiten Oscar prämiert worden. Neben den Schattenseiten der Demenz bringt er auch immer wieder eine humorvolle Facette unter. Doch am Ende sind es vor allem seine Mimik und Augen, die auf erschreckende Weise sein so realistisches und emotional-schonungsloses Schauspiel offenbaren. Zwischen boshafter Unterstellung und zu Tränen rührender Hilflosigkeit bedient er hier ein grossartiges Spektrum. Hinzu kommt Olivia Colman, der es gelingt, diese Glanzleistung mitzutragen und den Hauptcast glaubwürdig zu unterstützen.

Filmisch gelingt es den Machern ausserdem, auf kleinstem Raum ein Schauspielkino der Extraklasse abzufeuern. Dabei stehen die packenden Dialoge im Vordergrund, denen ein Oscar-prämiertes Drehbuch zugrunde liegt. Deshalb ein starkes und absolut realitätsnahes Filmdrama.

Ein Interview, welches wir 2020 am Zurich Film Festival mit Regisseur Florian Zeller geführt haben, findet ihr hier.

Weapons (2025)

In Zach Creggers Horrorfilm Weapons – Die Stunde des Verschwindens wird in einer nichtlinearen Handlung in sechs Kapiteln das Verschwinden von 17 Schulkindern aus der Perspektive unterschiedlicher Figuren erzählt. Dabei verbindet jedes Kapitel ein anderes Schicksal, das sich später mosaikartig zu einem grösseren Gesamtbild zusammenfügt.

Zach Cregger ist mit Weapons ein zutiefst atmosphärischer, aber auch verstörender Horrorfilm gelungen. Die 129-minütige Laufzeit gerät dabei zu keinem Zeitpunkt ins Stocken, sondern sorgt für eine stimmungsvolle, nichtlineare Kapitelstruktur, deren Perspektiven sich gnadenlos dem schaurig-auflösenden Showdown nähern. Auch diesmal setzt Cregger wie bei Barbarian vereinzelt auf wirkungsvolle Jumpscares, die aus meiner Sicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Vielmehr bleibt aber der ungnädige Spannungsaufbau in Erinnerung, der im schockierend-abgründigen Bruch mit gewaltvollen Szenen nicht selten die unheilvolle Atmosphäre von Hereditary oder Midsommar einfängt. Trotz seiner nichtlinearen Kapitelgliederung fügt sich der Film dabei dramaturgisch zu einem fließenden Seherlebnis.

Neben dem Horrorfilm liefert uns Cregger hierbei eine harmonierende Mixtur aus verschiedensten weiteren Genreeinflüssen. So vereint er den Mysterythriller aufgrund der intensiven Spannungsmomente und der okkulten Dynamiken, den Kriminalfilm im Zuge der Ermittlungen, das Drama zur Aufarbeitung und Bewältigung der emotional tiefgreifenden Konflikte, aber auch eine schwarzhumorige Färbung, die immer wieder leicht ironische Kontraste im Schnitt- und Perspektivwechsel aus Nähe und losgelöster Distanz schafft. Der komödiantische Anteil lockert die angespannten und zuvor todernst inszenierten Szenen dabei vorübergehend auf.

Schauspielerisch überzeugt vor allem Julia Garners emotional-fesselnde Darstellung, aber auch Josh Brolins teils actionreiche Verkörperung sowie die sehr glaubwürdige Performance von Kinderdarsteller Cary Christopher. Amy Madigan sorgt als Gladys ausserdem äusserst eindringlich für viele abgründige Szenen.

Kurzum ein Film, der es gezielt versteht, seine spannende Geschichte zu einem beklemmend-okkulten Erlebnis zu verdichten.