Jamie Roy als Brian Fraser und Harriet Slater als Ellen MacKenzie aus Outlander Blood of My Blood Staffel 2 Interview

Jamie Roy & Harriet Slater im Interview über «Outlander: Blood of My Blood»

Die neue Staffel von Outlander: Blood of My Blood sind nun auf Sky Show und Magenta TV verfügbar. Wöchentlich kommt eine neue Folge heraus. Für alle, die gerade nicht mehr wissen, was in der ersten Staffel passiert ist, haben wir einen Recap-Artikel verfasst. Diesen findet ihr hier. Unmittelbar vor der Premiere der ersten Folge haben wir neben Hermione Corfield und Jeremy Irvine auch mit Harriet Slater (Ellen MacKenzie) und Jamie Roy (Brian Fraser) sprechen können. Die beiden haben uns u.a. verraten, was sie über das Überleben in einer von Männern dominierten Welt denken, welche die grössten Herausforderungen beim Dreh waren und was sie am interessantesten an ihrer Figur fanden.

Was wir von der Serie halten und was bis jetzt alles passiert ist in den ersten beiden Folgen, lest ihr im letzten Artikel. Da gibts auch das Interview mit Hermione Corfield und Jeremy Irvine zu lesen.

Interview mit Jamie Roy & Harriet Slater über Outlander: Blood of My Blood

Harriet Slater und Jamie Roy in Outlander
Jamie Roy und Harriet Slater spielen Brian Fraser und Ellen MacKenzie. | Bild: © Starz / Sky Show / Sony Pictures Entertainment

Harriet Slater ist Britin und stand lange bei der Royal Shakespeare Company auf der Bühne. Im Kino war sie u.a. in Tarot: Tödliche Prophezeiung, Indiana Jones und das Rad des Schicksals oder Fall 2 zu sehen. Zudem hat sie in Serien wie Pennyworth oder Belgravia: The Next Chapter mitgespielt. Jamie Roy stammt sogar aus Schottland und war u.a. Condors Nest, Honig & Liebe, Burning Lies oder Your Boyfriend Is Mine zu sehen. Mit den beiden haben wir virtuell sprechen können. Es handelte sich dabei um ein Roundtable-Interview, an dem fünf Journalisten aus Europa dabei waren und abwechselnd Fragen stellen durften. Herausgekommen ist ein überaus spannendes Interview mit einem einmaligen Spirit zwischen den beiden. 

Harriet Slater und Jamie Roy, wie war es für euch, an das Set von Outlander: Blood of My Blood zurückzukehren, jetzt, da die Serie nicht mehr ganz neu ist und ihr die zweite Staffel dreht?

Harriet Slater: Es war grossartig. Die Rückkehr fühlte sich wunderbar vertraut an. Wir kannten alle so gut – die Crew, Glasgow, einfach alles. Wir sind nicht wieder zum ersten Mal an einen völlig neuen Ort gekommen. Ausserdem waren wir als Besetzung inzwischen sehr gute Freunde geworden, was schön war. Ehrlich gesagt fühlte es sich ein bisschen so an, als würden wir nach den Sommerferien am ersten Schultag wieder zur Schule kommen.

Jamie Roy: Ja, und alle haben auch unglaublich schnell wieder in ihre Figuren gefunden. Es ging einfach sofort. Das hat sehr viel Spass gemacht.

Harriet: Ja, ich hatte auch das Gefühl, dass wir unsere Figuren nicht mehr von Grund auf neu finden mussten. Sie waren uns vertrauter. Gleichzeitig passiert in dieser Staffel so viel mit ihnen, dass sie sich beinahe wie andere Menschen anfühlen. In der zweiten Staffel sehen wir neue Seiten an ihnen, von denen sie vielleicht selbst gar nicht wussten, dass sie existieren.

Jamie Roy und Harriet Slater aus Outlander Blood of My Blood
Jamie Roy und Harriet Slater spielen Brian Fraser und Ellen MacKenzie. | Bild: © Starz / Sky Show
Welche neue oder andere Seite eurer Figuren habt ihr denn in der zweiten Staffel entdeckt?

Jamie: Mit Sicherheit Brians Seite als Anführer. Aber es gibt auch seine Seite als Krieger, die für mich sehr spannend zu entdecken und zu spielen war. Gegen Ende der ersten Staffel sehen wir bereits kurze Momente davon. Jetzt wird er nicht nur zu einem Anführer, sondern zu einem Anführer inmitten eines Krieges. Und ich kann euch sagen: Dieser Brian weiss, wie man mit einem Schwert umgeht. Er weiss auch, wie man körperlich sehr präsent sein kann. Wir bekommen bereits einen Eindruck von seiner körperlichen Stärke und davon, wie fähig er ist. Ich schätze, seine Kraft kommt auch daher, dass er so viele Mauern gebaut hat. All die schweren Steine, die wir in der ersten Folge sehen. Dieses ganze Training mit den Steinen zahlt sich also aus.

Harriet: Ich glaube, bei Ellen ist es ähnlich. Wir sehen auch ihre Seite als Kriegerin. Bisher haben wir erlebt, wie sie mit ihrem Verstand und ihren Worten kämpft. Sie musste sehr strategisch und klug vorgehen. In der zweiten Staffel sehen wir dagegen, wie sie sich tatsächlich körperlich einmischt. Ich glaube nicht, dass sie selbst wusste, dass diese Seite in ihr steckt. Als Frau bekommt sie nicht oft die Gelegenheit oder muss diese Seite zeigen, weil normalerweise die Männer für den Schutz zuständig sind. Das hat wirklich viel Spass gemacht.

Harriet Slater Sally Messham Sara Vickers aus Outlander Blood of My Blood Staffel 2
Gegen wen Ellen und ihre Hofdamen wohl in den Kampf ziehen? | Bild: © Starz
Harriet, Ellen ist eine Frau, die im Grunde dafür geschaffen ist, eine Laird zu sein: Gleichzeitig wird sie ständig mit der Tatsache konfrontiert, dass sie in einer von Männern dominierten Welt lebt. Hat Ellens Fähigkeit, in einer Welt zu überleben, die nicht für sie gemacht wurde, dich persönlich etwas gelehrt? 

Harriet: Oh mein Gott, das ist eine grossartige Frage. Und ich liebe auch deine Beschreibung von ihr. Das war wirklich treffend. Ja, ich glaube, sie hat mir durch das Spielen viel darüber beigebracht, meine Stimme zu benutzen. Ich war – und bin vielleicht immer noch – jemand, der es anderen gerne recht machen möchte, wie es vielen von uns geht. Aber Ellen hat mir die Stärke gegeben, Nein zu sagen, und das hatte ich vorher nicht unbedingt. Das ist äusserst hilfreich. Ich glaube, dass in einem Nein sehr viel Kraft steckt. 

Ich wünschte, ich hätte etwas länger über die Frage nachdenken können, denn dann hätte ich wahrscheinlich eine viel bessere Antwort gefunden. Aber ich weiss durch die Begegnungen mit Fans, dass viele von ihnen von Ellen, ihrer Stärke und ihrer Widerstandsfähigkeit inspiriert sind. Das ist unglaublich schön zu hören. Ich finde, sie ist eine aussergewöhnliche Frau und eine grossartige Figur, die man spielen darf. Sie hat so viele verschiedene Seiten und so viel Stärke, aber gleichzeitig auch Verletzlichkeit. Ich liebe es, dass sie keine Angst davor hat, ihre verletzliche Seite zu zeigen, wenn sie mit Brian zusammen ist. Bei ihm kann sie ihre Schutzmauer fallen lassen. Und nicht alle Männer in ihrem Leben sind schrecklich.

Ellen MacKenzie aus Outlander Blood of My Blood Staffel 2
Auch Ellen kann mit Pfeil und Bogen umgehen. | Bild: © Starz
Was ist für euch der interessanteste Aspekt eurer Figuren, Ellen und Brian?

Jamie: Das Interessanteste ist für mich, dass Brian in der zweiten Staffel plötzlich in eine Führungsrolle gedrängt wird. In der ersten Staffel hatten wir eigentlich noch keine Gelegenheit, diese Seite von ihm wirklich zu erkunden. Für mich als Schauspieler hat das grossen Spass gemacht, weil sich die Frage stellte: Wie zeigt sich diese Führungsrolle bei jemandem wie Brian? Er ist normalerweise ein eher ruhiger Mensch. Ausserdem ist er Pazifist. Er findet zwar die richtigen Worte, aber normalerweise richtet er diese Worte eher an die Person, die er liebt. Auf romantische Weise. Es war deshalb spannend, diese Seite von ihm zu erkunden und sie schliesslich auf dem Bildschirm zu sehen. Das war sehr befriedigend.

Jamie Roy und Harriet Slater aus Outlander Blood of My Blood Staffel 2
Eigentlich wollen Ellen (Harriet Slater) und Brian (Jamie Roy) doch nur Zeit miteinander verbringen… | Bild: © Starz
Inwiefern ist die Liebesgeschichte zwischen euren Figuren in der zweiten Staffel noch epischer?

Harriet: Ich denke, ihre Liebe ist in der zweiten Staffel tiefer. Sie sind jetzt ein festes Paar und haben sich durch eine Handfasting-Zeremonie gebunden. Das bedeutet, dass sie innerhalb eines Jahres und eines Tages heiraten wollen. Sie werden zwar auseinandergerissen, aber sie wissen jetzt, wofür sie kämpfen. Sie müssen am Leben bleiben, damit sie wieder zusammenkommen und ihr gemeinsames Leben beginnen können. Genau das hatten sie am Ende der ersten Staffel vor, aber dann brach leider der Krieg aus. Deshalb fühlen sie sich in der zweiten Staffel sehr viel mehr wie ein Team.

Jamie: Sie sind viel reifer geworden. Innerhalb weniger Monate sind sie in der zweiten Staffel um mehrere Jahre gewachsen, würde ich sagen. Das ist als Schauspieler schön zu sehen und zu spielen.

Harriet: Ja, sie haben auch sehr viel durchgemacht. In der zweiten Staffel sind sie andere Menschen als noch in der ersten, weil so viel passiert ist und sie so viel gesehen und erlebt haben.

Jamie Roy aus Outlander Blood of My Blood Staffel 2
… doch Brian muss gegen die Jakobiten kämpfen. | Bild: © Starz
Harriet, du kommst aus dem Theater und hast bei der Royal Shakespeare Company gearbeitet. Hilft dir diese Ausbildung dabei, dich in einer historischen Welt wie dieser zu Hause zu fühlen?

Harriet: Das ist eine gute Frage. Ja, irgendwie schon. Ich habe schon so lange kein Theater mehr gemacht und vermisse es sehr.

Jamie: Aber es steckt in deinen Knochen, oder?

Harriet: Ja, das tut es.

Jamie: Du bist am Set so dramatisch. Ich meine …

Harriet: Oh, ich bin die ganze Zeit so dramatisch?

Jamie: Ja, ständig (lacht). Du wirfst einen Strohhalm weg, weil der Kaffee nicht die richtige Temperatur hat, und hältst dann einen ganzen Monolog darüber.

Harriet: Glaubt ihm kein Wort (lacht). Ja, ich glaube, in gewisser Hinsicht hilft mir die Theaterausbildung definitiv. Andererseits unterscheidet sich das Schauspiel vor der Kamera sehr stark vom Theaterschauspiel. Das habe ich ziemlich schnell gelernt, nachdem ich die Schauspielschule verlassen hatte, denn der Grossteil der Ausbildung konzentriert sich auf die Bühne.

Danach habe ich, glaube ich, drei Jahre lang Theater gespielt. Und ja, manchmal fühlt es sich technisch gesehen fast wie ein völlig anderer Beruf an. Beim Schauspiel vor der Kamera braucht man andere Fähigkeiten. Man muss lernen, wie man eine Szene glaubwürdig spielt, ohne zu gross zu werden. Wenn man Theaterschauspiel vor der Kamera machen würde, würde es einfach nicht funktionieren. Das habe ich am Anfang auf die harte Tour gelernt.

Aber gleichzeitig geht es im Kern bei beidem einfach darum, zuzuhören und in seinem Körper präsent zu sein. Und das ist beim Theater und beim Film dasselbe.

Jamie Roy als Brian Fraser aus Outlander Blood of My Blood Staffel 2
Brian versucht, seine Truppen zum Kampf zu motivieren. | Bild: © Starz
Jamie, du bist in Glasgow aufgewachsen. Hat die Rolle des Brian deine Sicht auf Schottland oder deine eigenen schottischen Wurzeln verändert?

Jamie: Ich würde definitiv sagen, dass ich patriotischer geworden bin. Wenn man an einem Ort aufwächst, vergisst man leicht, wie schön die Umgebung ist, weil man sie einfach als selbstverständlich betrachtet. Vor allem, wenn man sie seit seiner Kindheit kennt und eigentlich nichts anderes kennt. Als ich dann nach Amerika gezogen bin und dort fast acht Jahre gelebt habe, bevor ich für die Serie zurückkam, habe ich Schottland wirklich mit neuen Augen gesehen.

Ungefähr die Hälfte der Hauptbesetzung kam aus London oder anderen Teilen Englands, und für viele war es das erste Mal, dass sie längere Zeit in Glasgow waren. Wenn ich sie all diese wunderbaren Dinge über Glasgow sagen hörte, dachte ich: Ja, wisst ihr was? Wir haben einen wunderschönen Fluss, der durch die Stadt fliesst. Wir haben eine tolle Gastronomie- und Barszene. Dadurch wurde mir bewusst, was für ein grossartiger Ort Schottland zum Leben ist.

Bild Landschaft Schottland aus Outlander Blood of My Blood
Schottland beweist einmal mehr, dass es als Drehort wunderbar in Szene gesetzt werden kann. | Bild: © Starz
Was waren die grössten Herausforderungen, denen ihr euch beim Erschaffen dieser Figuren in der ersten Staffel stellen musstet? 

Harriet: Eine der grössten Herausforderungen für mich war, dass Ellen eine unglaublich komplexe Figur ist. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden hatte, wer sie wirklich ist, denn sie muss sich gegenüber verschiedenen Menschen unterschiedlich verhalten. Sie ist eine Frau in einer sehr stark von Männern geprägten Welt und hat gelernt, sich teilweise beinahe wie ein Mann zu verhalten. Oder sie wurde dazu erzogen, wie ein Mann zu denken, während sie nach aussen die Rolle einer Frau verkörpert.

Sie trägt verschiedene Masken, die sie gegenüber unterschiedlichen Menschen aufsetzen muss. Und dann trifft sie Brian und ist plötzlich vollkommen anders. Das war für mich anfangs ziemlich irritierend, weil ich dachte: Jetzt ist sie eine völlig andere Figur – bin ich gerade zu einem anderen Menschen geworden? Aber eigentlich ist es eher so, dass diese beiden Figuren miteinander wirklich sie selbst sein können. Ich erinnere mich, dass du etwas Ähnliches über Brian gesagt hast.

Jamie: Ja, genau so war es.

Harriet: Das war also eine Herausforderung. Gleichzeitig war es eine sehr schöne Herausforderung, denn genau das möchte man als Schauspielerin: eine dreidimensionale und komplexe Figur zu spielen, die nicht einfach nur gut ist. Meiner Meinung nach kann Ellen manchmal auch unsympathisch sein. Sie ist nicht immer perfekt, und genau das macht sie grossartig. Denn niemand ist perfekt.

Harriet Slater und Jamie Roy aus Blood of My Blood
Gibt es ein Happy End für Ellen und Brian? | Bild: © Starz / Sky Show / Sony Pictures Entertainment