Jack Nicholson als Jack Torrance aus The Shining

Meine Lieblingsfilme: Judy, Charlie, Jack und Hitcher… 

Zum Auftakt meiner Jubiläumsreihe rund um meinen 100. Whatthefilm-Artikel möchte ich euch 20 meiner Lieblingsfilme präsentieren. Pro Teil stelle ich euch in dieser vierteiligen Reihe immer fünf Filme vor. Egal, ob berührend-verspielt, satirisch, wegweisend, stimmungsvoll oder ungeschliffen-kompromisslos – diese Filme haben mich auf unterschiedlichsten Ebenen besonders mitgenommen und auf hohem Niveau unterhalten!

Der Zauberer von Oz (1939)

Ende der 30er Jahre erblickte mit Der Zauberer von Oz einer der wegweisendsten Musicalfilme der Filmgeschichte das Licht der Welt.

Dorothy wird durch einen Wirbelsturm aus Kansas in ein magisches Land versetzt und macht sich dort auf den Weg zum mächtigen Zauberer von Oz, der ihr helfen soll, wieder nach Hause zu gelangen. Auf ihrer Reise durch Oz wird sie von einer Vogelscheuche, einem Blechmann und einem feigen Löwen begleitet.

Als einer der ersten grossen Farbfilme im Dreistreifen-Technicolor-Verfahren ist Der Zauberer von Oz bis heute zeitlos geblieben. Neben vielen abenteuerlichen Elementen sind es die humorvollen Momente und leicht beschwingten Musical-Einlagen wie Ding-Dong! The Witch Is Dead, We’re Off to See the Wizard oder If I Only Had a Brain, die über die Yellow Brick Road ins kulturelle Songgedächtnis übergingen. Besonders berührend und mit einer Bekanntheit, die noch weit über den Film hinausgeht, hat sich allerdings auch Over the Rainbow entwickelt. Dieser wurde 2004 vom American Film Institute auch auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmsongs aller Zeiten gewählt.

Darüber hinaus lebt der Film natürlich von Judy Garlands zutiefst nahbarem Schauspiel, während Ray Bolger (Vogelscheuche), Jack Haley (Zinnmann), Bert Lahr (Löwe) sowie Frank Morgan (Der Zauberer von Oz) sowohl komödiantisch als auch warmherzig agieren. So liebenswürdig wie Billie Burke (Glinda, die gute Hexe des Nordens) zudem ihre Rolle verkörpert, so klassisch-böse spielt Margaret Hamilton (Böse Hexe des Westens) die Antagonistin in diesem Kultfilm.

Durch das Ansprechen moralisch essenzieller Schlüsselthemen wie Mut, Verstand und Herz bleibt Der Zauberer von Oz aber auch über seine berührend-verspielte Inszenierung hinaus ein wichtiger Film über die inneren Stärken jedes einzelnen Menschen.

Der grosse Diktator (1940)

Mit Der grosse Diktator inszenierte Sir Charlie Chaplin seinen wohl mutigsten Film, der dem Nationalsozialismus wirkungsvoll den Spiegel vorhält.

Ein jüdischer Friseur wird nach seiner Rückkehr in einer von Diktatur geprägten Heimat in eine gefährliche politische Situation hineingezogen, in der er mit einem mächtigen Herrscher verwechselt wird. Die Geschichte entwickelt sich dabei zu einer satirischen Auseinandersetzung mit Macht, Unterdrückung und Menschlichkeit.

Chaplins erster Tonfilm ist so vor allem eine beeindruckende und bedeutende Satire auf Adolf Hitler und den Nationalsozialismus geworden. Sein eindringlicher Appell für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit ist auch nach 86 Jahren erschreckend-brisant. Chaplins schwungvoller Mix zwischen klassischer Stummfilmkomik, schonungslos-entlarvender Satire und moralisch sowie politisch motivierter Rede zur Menschlichkeit überzeugt dabei vollumfänglich. Dabei rutscht sein Film nie in lächerlichem Klamauk ab, sondern findet immer eine tiefere Symbolik und Parallele zur damaligen NS-Gegenwart in Deutschland.

Kurzum ein enorm wichtiger Film, der gerade aufgrund seiner Entstehungszeit noch beeindruckender erscheint.

Duell (1971)

Anfang der 70er Jahre brachte der noch junge Steven Spielberg einen heute wegweisenden Thriller auf den Highway. Dieser wurde anfänglich als TV-Film produziert und 1972 um ca. 15 Minuten zum 90-minütigen Kinofilm verlängert.

Darin wird der einfache Bürger David Mann ohne ersichtlichen Grund von einem Tanklastzug verfolgt. Eine schonungslose Jagd, die sich schon bald zu einem Duell zwischen Leben und Tod entwickelt.

Mit den finanziellen Mitteln eines Low-Budget-Films und 19 Drehtagen erschuf der damals 24-jährige Steven Spielberg das filmische Paradebeispiel eines Verfolgungsthrillers. Mit einer subtilen, aber wirkungsvollen Spannungsdramaturgie, die auch darauf beruht, dass der Fahrer des Trucks nicht zu sehen ist, erzeugt der Film heute noch eine intensive Atmosphäre, die vielen effektbetonten Nachahmern fehlt.

Die verlassene Highway-Location intensiviert dabei durch ihre scheinbar endlose Ferne eine paradoxe klaustrophobische Stimmung. Kein Wunder also, dass Spielbergs Klassiker zu den besten Filmen seines Genres zählt und die Karriere des kommerziell erfolgreichsten Regisseurs der Filmgeschichte befeuerte.

Shining (1980)

Alleine schon der Beginn dieses Meisterwerks zeugt von hoher Erwartungshaltung, die Regisseur Stanley Kubrick auch bis zum Schluss vollends auszuschöpfen weiss. Lange Kamerafahrten durch ein Waldstück und ins höchste Gebirge zeigen die Fahrt der Familie Torrance ins hochgelegene Overlook Hotel. Der Grund: Schriftsteller Jack Torrance gelangt an einen Hausmeisterjob und zieht mit seiner Familie dorthin, um ungestört an seinem neuen Buch zu arbeiten. Doch während die Isolation zunimmt, beginnen unheimliche Ereignisse und eine mystische Atmosphäre das Hotel einzunehmen und Jacks Wahrnehmung und Verhalten zu beeinflussen.

Mit tiefgründiger Perfektion hat Stanley Kubrick hierbei ein Meisterwerk des Horrorfilms geschaffen, das auf mehreren Ebenen funktioniert. Kubrick hat Kings Roman hierbei sehr frei adaptiert. Neben vereinzelten Schockmomenten brilliert der Film dank seines dramaturgisch langsamen und atmosphärischen Spannungsaufbaus. Ein psychologischer Horror, der erst im Showdown wirkungsvoll an Brutalität zunimmt. Zuvor ist Shining vor allem ein mysteriöses Rätsel und filmisches Labyrinth, das neben seiner düsteren Wirkung einen wahren Interpretationsspielplatz für Mythenjäger und Cineasten darstellt. Zudem werden die visuellen Vorzüge des damals noch neuen Steadicam-Verfahrens stimmungsvoll eingesetzt, um die Bedrohung auch auf diesem Level zu perfektionieren.

Schauspielerisch überzeugt Jack Nicholson in seiner wohl legendärsten Filmrolle. Schon zu Beginn mimisch überzeichnet, verhilft er dem Kino mit seiner diabolischen Fratze zu einem seiner legendärsten Szenenbilder. Nicholson war mit diesem unvergessenen Overacting aus meiner Sicht nie eindrucksvoller als hier. Ein Image, das seine späteren Rollen auch fortlaufend mit meist übergeschnappten Figuren und einer ordentlichen Prise (schwarzen) Humors und Selbstironie prägte.

Hitcher, der Highway Killer (1986)

Mit dem Hitcher geht es wieder zurück auf die verlassenen Strassen des Highways. Robert Harmons Kultfilm, der bereits vor 40 Jahren erschien, handelt von einem jungen Autofahrer, der auf einer vereinsamten Highwaystrecke einen Anhalter mitnimmt. Nichtsahnend, dass es sich dabei um einen skrupellosen Serienkiller handelt. Nachdem Jim den Mann wieder loswerden will, entfacht der Killer namens John Ryder ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel, das mit verhängnisvollen Wendungen aufwartet.

Der Thriller besticht durch seine mystische Atmosphäre, die zwischen der bedrohlich-aufbäumenden Soundkulisse und den majestätischen Wüstenlandschaften ihre Stärken entfaltet. Hinzu kommt die schauspielerische Naturgewalt von Rutger Hauer, der hier ein undurchschaubares und psychotisch-eindringliches Mienenspiel entfaltet.

Im Wechselspiel aus wirkungsvollen Dialogpassagen und actionreichen Verfolgungsjagden fesselt dieser Kultfilm bis zu seinem noch lange nachwirkenden Showdown. Das Konzept von Hitcher, der Highway Killer wurde später auch erfolglos fortgesetzt und zahllos kopiert, doch keine dieser Variationen erreichte je den geheimnisvollen und ungeschliffen-kompromisslosen Charme dieses Originals.

Fortsetzung folgt