Gal Gadot in Wonder Woman 1984

Lange liess Wonder Woman 1984 auf sich warten – das gleiche gilt für die Spannung des Films

Oft wurde der Kinostart von Wonder Woman 1984 verschoben, nun ist Sky Show in die Bresche gesprungen. Der Streaming-Dienst veröffentlichte den Superheldinnen-Film vor einigen Tagen, noch bevor er hierzulande in den Kinos zu sehen ist. Erneut schlüpft Gal Gadot in die Rolle und das Kostüm der Superheldin Wonder Woman. Diesmal bekommt sie es mit einer uralten, mythischen Kraft zu tun und muss erneut die Welt retten. Kann die Fortsetzung des 2017 erschienenen Wonder Woman überzeugen?

Spoilerwarnung: Dieser Artikel enthält einige Spoiler zu Wonder Woman 1984

Die mythische Kraft des Kristall-Artefakts

Diane Prince arbeitet als leitende Anthropologin im Smithsonian Institut in Washington. Zeitgleich bekämpft sie aber in der Rolle der Wonder Woman Verbrechen aller Art. Bisher ist es niemandem in Washington gelungen, trotz einigen Zeugenaussagen, die Identität der Superheldin mit dem leuchtenden Lasso herauszufinden. Diane kommt dies gerade recht, schliesslich möchte sie sich im Institut auf ihre Arbeit konzentrieren und auch ansonsten ein möglichst normales Leben führen. So trifft sie eines Tages auf Barbara, die gerade neu am Institut angefangen hat zu arbeiten und freundet sich mit ihr an. Barbara ist, obschon sehr klug, zurückhaltend und wird oft von anderen übergangen. Für die beiden Frauen ist es die stärkste und wohl einzige Freundschaft seit vielen Jahren. Deshalb ist es nicht überraschend, dass Barbara Diane um die Hilfe bei einem Auftrag vom FBI bittet. Der Geheimdienst konnte im Hinterzimmer eines Schmuckgeschäfts einige uralte und wertvolle Artefakte sicherstellen, die auf dem Schwarzmarkt gehandelt worden sind. Barbara und Diane erhalten die Aufgabe, einen mysteriösen Kristall zu identifizieren. Doch nicht nur die beiden Freundinnen haben Interesse an diesem Artefakt.

Gal Gadot und Kristen Wig in Wonder Woman 1984
Diane und Barbara im Smithsonian Institut | Bild: Sky

Den Unternehmer Maxwell Lord kennen die allermeisten Amerikaner aus dem Fernsehen. Dort preist Lord sein Investitions-Programm an, im Rahmen dessen Investoren Beteiligungen an Öl-Vorkommen erwerben können. Was seine Kunden nicht wissen: Lord ist ein Betrüger und arbeitet nach einem Schneeballsystem. Die Investoren würden, sollte sein Unternehmen Black Gold nicht bald auf Öl stossen, ihr gesamtes Geld verlieren. Der eiskalte Unternehmer hat aber einen Plan: Seit Jahren ist er auf der Suche nach einem uralten Kristall, der durch seine göttlichen Kräfte jeden Wunsch erfüllen kann. So verschafft er sich unter einem Vorwand Zutritt ins Smithsonian Institut und findet das Artefakt, das Diane und Barbara zu identifizieren versuchen.

Die böse Kraft der Wünsche

Kaum ist Maxwell Lord in den Besitz des Wunschkristalls gelangt, bricht das Chaos aus. Denn er wünscht sich nichts geringeres, als selbst die Kräfte des Artefakts zu erlangen. Somit kann er fortwährend allen ihre sehnlichsten Wünsche erfüllen, wobei er sich im Gegenzug stets bereichert. Dieses Ungleichgewicht der mythischen Mächte droht die Welt aber in den Untergang zu führen, wie es bereits Zivilisationen wie beispielsweise die Maya, erlebt haben. Leider haben auch Diane und Barbara persönlich mit den Versprechungen des Kristalls zu kämpfen. Denn Diane wünschte sich ihren verstorbenen Freund Steve zurück, der tatsächlich urplötzlich auftaucht. Barbara hingegen wünscht sich ein besseres Leben, sie möchte so sein wie ihre neue Freundin Diane. Natürlich ahnt sie nicht, welche Kräfte ihr durch diesen Wunsch zu teil werden. Gemeinsam mit ihrem auferstandenen Freund bekämpft Diane als Wonder Woman nun den grössenwahnsinnigen und immer mächtiger werdenden Maxwell Lord. Leider stellt sich Barbara, mittlerweile unglaublich stark und bösartig, auf die Seite des Unternehmers. Als klar wird, wie die mythischen Mächte aufgehalten und die Erde gerettet werden könnte, muss Wonder Woman eine folgenschwere Entscheidung treffen. Kann sie den bösen Maxwell Lord aufhalten und dabei ihre beste Freundin Barbara aus den Fängen dunkler Mächte befreien?

Das lange Warten – Auf den Film und auf dessen Handlung

Über drei Jahre mussten Fans der Superheldin Wonder Woman auf eine Fortsetzung der Verfilmung warten. Wonder Woman 1984 ist erst der zweite, alleinstehende Film über die Lasso schwingende Heldin und erst ihr vierter Auftritt in einem Film des DC Extended Universe. Insgesamt erreichte Wonder Woman 1984 auf diversen Bewertungsportalen wie beispielsweise Rotten Tomatoes durchschnittliche Bewertungen, jedoch sind nur wenige Fans wirklich begeistert von dieser Fortsetzung. Dieser Meinung muss ich mich anschliessen, Wonder Woman 1984 ist leider nicht so unterhaltsam, wie ich es von einem Superhelden-Film aus dem Hause DC erwartet hatte.

Pedro Pascal in Wonder Woman 1984
Was hat Maxwell Lord böses vor? | Bild: Sky

Hauptgrund für den fehlenden Unterhaltungswert ist der viel zu spät ansetzende Spannungsbogen des Films. Die Handlung benötigt unglaublich lange, um so richtig in Fahrt zu kommen. Gleich zu Anfang von Wonder Woman 1984 sind Szenen aus Dianes Kindheit zu sehen, in denen sie einen sportlichen Wettbewerb absolviert. Obschon diese Geschehnisse an sich spannend sind, haben sie keinen wirklichen Einfluss auf den eigentlichen Film und so wirken die ersten Minuten des Films vielmehr verschwendet. Doch auch als die Handlung im Washington des Jahres 1984 angelangt ist, lässt eine wirkliche Story noch auf sich warten. Lange begleitet der Zuschauer hingegen Diane bei ihrer Arbeit, in ihrem Zuhause und im Restaurant. Die Einführung von Barbara als neue beste Freundin ist ebenfalls sehr in die Länge gezogen. Ebenfalls sind die Kampfszenen, auf die sich Fans von Superhelden-Filmen stets freuen, recht einfallslos und kurz. Die choreographischen Leistungen der Schauspieler wechseln zudem zwischen langweilig und übertrieben. Ein echtes Mitfiebern während den Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse kommt also leider nicht auf.

Starker Cast und schöne Kulissen versuchen Wonder Woman 1984 zu retten

Positiv zu nennen sind in Wonder Woman 1984 aber die schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Erneut verkörperte Gal Gadot die mutige Amazone Wonder Woman und erneut gelingt ihr dies gut. Chris Pine schlüpft wieder in die Rolle ihres Freundes Steve, obschon dieser nach seiner Wiedergeburt eigentlich einen neuen Körper übernommen hat. Diese Szenen sorgten für einige kontroverse Diskussionen. Steve wurde zwar wiedergeboren, übernahm dabei aber den Körper eines anderen Mannes und nur Diane kann sein wahres Ich sehen. Viele Kritiker fassten dies negativ auf, ich persönlich empfand dies aber nicht als störend. Die Schauspielerin Kristen Wig spielt Barbara und überzeugt vor allem durch den gut dargestellten Wandel, den ihre Figur im Verlaufe des Films, äusserlich sowie mental, durchmacht. Maxwell Lord wird von Pedro Pascal gespielt, auch er kann mehrheitlich gute Leistungen erbringen. Die Kulissen des Washingtons 1984 waren dann aber das eigentliche Highlight des Streifens. Mit viel Liebe zum Detail wurden gekonnt Szenenbilder und Requisiten in Szene gesetzt.

Gal Gadot in Wonder Woman 1984
Wonder Woman in Action | Bild: Sky

Insgesamt ist Wonder Woman 1984 ein sehr farbenfroher Film und dies wirkt teilweise ein wenig übertrieben; trotzdem sind den Machern die Kulissen sehr gut gelungen. Alles in allem konnte mich Wonder Woman 1984 leider nicht wirklich überzeugen. Für einen Superhelden-Film fielen Kampf- und Actionszenen viel zu selten, zu kurz und auch zu einfallslos aus. Als die grössten Schwachpunkte des Films erachte ich aber klar die fehlende Spannung und die langfädige Handlung. Trotzdem haben mich der Cast und die Kulissen begeistert. Wem also Wonder Woman aus dem Jahr 2017 zugesagt hat, kann sehr wohl einen Blick in Richtung Wonder Woman 1984 riskieren. Alle anderen, die auf der Suche nach einem spannenden und actionreichen Superhelden-Film sind, sollten von Wonder Woman 1984 aber die Finger lassen.